"Verona Pooth der FDP" gerät in Erklärungsnot

13. April 2011, 18:39
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Silvana Koch-Mehrin soll Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben

Nein, für deutsche Liberale sind diese Tage wirklich nicht leicht. Ein Wahldesaster nach dem anderen, an der Parteispitze ein Wechsel von Guido Westerwelle zu Philipp Rösler, von dem man auch noch nicht weiß, ob er die FDP tatsächlich aus dem Tal der Tränen führen kann.

Und wenn man Silvana Koch-Mehrin heißt, EU-Vizepräsidentin und das schönste Aushängeschild der Partei ist, hat man noch eine weitere Sorge. Im Raum steht ein Plagiatsvorwurf á la Guttenberg: Die FDP-Politikerin soll Teile ihrer Doktorarbeit über die Lateinische Münzunion (eine Währungsunion zwischen Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz und Griechenland, die 1865 gegründet wurde) abgeschrieben haben, ohne alle Quellen korrekt zu zitieren. Die Uni in Heidelberg ermittelt. Der Vorwurf kommt zur Unzeit - nicht nur für die FDP, sondern auch für die aufstrebene Koch-Mehrin, deren Karriere bis jetzt recht makellos verlief.

Koch-Mehrin, die für die Eigen-PR einen Ex-Bild-Journalisten beschäftigt, schweigt diesmal. Ansonsten ist sie in den Medien, vorzugsweise dem Fernsehen und dessen unzähligen Talkshows, so präsent, dass viele sie schon mit dem deutschen Werbestar Verona Pooth vergleichen: Immer gut im Bild, ohne allzu viel eigene Leistung.

Geboren wird sie 1970, sie wächst im Sudan und in Marokko auf, studiert dann in Hamburg, Straßburg und Heidelberg Geschichte und Volkswirtschaftslehre, danach promoviert sie in Wirtschaftsgeschichte.

Zu den Liberalen kommt Koch-Mehrin über die Jugendorganisation Julis. Im Jahr 2004 führt sie die FDP nach zehnjähriger Abstinenz wieder ins EU-Parlament zurück, was ihr Westerwelle hoch anrechnet. Er ist einer ihrer engsten Freunde, mit ihm teilt sie die Lust an der Inszenierung. Als Koch-Mehrin 2006 zum zweiten Mal schwanger ist, dürfen die Deutschen ihren nackten Babybauch im Magazin Stern bewundern.

Auch über eine Fehlgeburt werden sie informiert und darüber, welche Schwangerschaftskleidung Koch-Mehrin am liebsten trägt. Später dann erfahren sie immer wieder, wie toll die Politikerin Berufs- und Familienleben mit drei kleinen Töchtern hinbekommt, weil ihr Ehemann (ein Anwalt aus Irland) so tüchtig mitanpackt.

Weniger oft wird sie bei Ausschuss- und Plenarsitzungen des EU-Parlaments gesehen, was ihr Kritik in deutschen Medien einbringt. Koch-Mehrin aber wehrt sich: Sie hätten nicht richtig gerechnet.  (Birgit Baumann/DER STANDARD, Printausgabe, 14.4.2011)

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