Wem nützt es?

13. April 2011, 18:32
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Wer kann interessiert daran sein, Weißrusslands Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen? - Von Josef Kirchengast

Auffallend schnell sind die mutmaßlichen Attentäter von Minsk gefasst worden. Terrorakte wie der Sprengstoffanschlag in der U-Bahn der weißrussischen Hauptstadt werden, wenn überhaupt, üblicherweise erst nach langwierigen Untersuchungen aufgeklärt.

In diesem Fall aber verkündete der autokratische Staatschef Alexander Lukaschenko schon nach zwei Tagen Festnahme und Geständnis der Täter. Und verdächtigte zugleich die politische Opposition, die er als „fünfte Kolonne" bezeichnet, hinter dem Anschlag zu stehen.

Wie bei jedem Verbrechen empfiehlt sich auch hier die Frage: Cui bono - wem nützt es? Wer kann interessiert daran sein, Weißrusslands Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen? Kann man der fragmentierten, permanent observierten und drangsalierten Opposition folgendes zynische Kalkül und dessen praktische Umsetzung zutrauen: Wir provozieren mit Terror eine noch schärfere Unterdrückung und lösen damit entschlosseneren Widerstand bis hin zur Revolte aus?

Oder ist es nicht plausibler, dass Lukaschenko angesichts verschärfter Wirtschaftskrise und drohender Versorgungsengpässe jede Gelegenheit recht sein muss, das Volk noch härter an die Kandare zu nehmen? Oder dass andere Kräfte, wo auch immer, Weißrussland durch eine solcherart verschärfte Despotie noch weiter vom Westen weg und wieder enger an die Brust Moskaus drücken wollen? (Josef Kirchengast/DER STANDARD, Printausgabe, 14.4.2011)

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