Truppen riegeln Klosteranlage ab

13. April 2011, 18:05
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2000 Mönche angeblich eingekesselt - Vom verschleppten Konzeptkünstler Ai Weiwei fehlt indes weiter jede Spur

Peking - Das Kloster Kirti in der chinesischen Provinz Sichuan ist erneut zum Schauplatz von Unruhen geworden: Erst vier Wochen ist es her, dass sich der tibetische Mönch Phuntsok aus Protest gegen die chinesische Regierung selbst angezündet hat.

Nach anschließenden Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen hunderte Demonstranten verletzt wurden, hätten chinesische Sicherheitskräfte das Kloster nun abgeriegelt, berichten Exil-Tibeter am Mittwoch. Mehr als 2000 buddhistische Mönche seien von der Außenwelt völlig abgeschnitten, auch umliegende Dörfer seien von der "Repressionswelle" betroffen. Die Mönche seien in ihrer Bewegungsfreiheit komplett eingeschränkt, niemand dürfe das Kloster verlassen oder betreten. Schlupflöcher in dem Stacheldrahtzaun seien mit Betonmauern geschlossen worden, Nahrungsmittel sollen den Quellen zufolge knapp geworden sein.

Am Dienstag hatten Sicherheitskräfte versucht, in das Kloster einzudringen, um Mönche zur "patriotischen Umerziehung" abzuholen, eine Menschenblockade verhinderte aber die Aktion. Seit dem 9. April soll China etwa 800 zusätzliche Soldaten bei Kirti postiert haben.

Ai Weiwei bleibt in Haft

Auch im Fall des am 3. April in Peking verhafteten chinesischen Künstlers Ai Weiwei gehen die chinesischen Behörden mit demonstrativer Härte vor. Zehn Tage nach seiner Verschleppung gibt es immer noch keine Auskunft, unter welcher Anklage er steht, welche Behörde zuständig und wo er überhaupt festgehalten ist.

Ai Weiweis Familie hätte nach Chinas Gesetzen innerhalb von 24 Stunden benachrichtigt werden müssen. Stattdessen wurde nun seine Frau Lu Qing vom örtlichen Steueramt vorgeladen. Die Polizei nahm zudem den Fahrer des Künstlers, einen Atelier-Teilhaber und eine Buchhalterin in Gewahrsam. Offenbar versuchen die Behörden Ai Weiwei Steuerbetrug anzulasten.

Alles hätte anders kommen können, wenn der weltbekannte Künstler kein sich nur seiner Konzeptkunst verpflichtet fühlender Dickschädel gewesen wäre, meinen Beobachter. Wie jetzt enthüllt wurde, hatte ihm die chinesische Führung einen Sitz in der "Konsultativkonferenz" in Aussicht gestellt. Dem machtlosen Rat gehören rund 2000 Delegierte an, darunter Mitglieder der kleinen Parteien, Künstler und Intellektuelle.

Es könnte ein Test gewesen sein: Ai Weiweis Freunde meinten, dass weder behördliche Drohungen noch Lockangebote ihn von seiner Haltung als politisch engagierten Künstler abbringen würden. (AFP, dpa, juh, erl/DER STANDARD, Printausgabe, 14.4.2011)

 

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