TV-Liebling kontra Sarkozy

13. April 2011, 17:42
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Nicolas Hulot tritt bei französischer Präsidentenwahl an

Er kämpfte sich schon durch Eismeere und Vulkankrater, durchschwamm Quallenschwärme und kletterte Gorillas nach. Jetzt wartet eine neue Herausforderung auf Nicolas Hulot: Der 55-jährige Franzose hat am Mittwoch seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2012 angekündigt.

Die Bekanntgabe erfolgte in Sevran, einem berühmt-berüchtigten Banlieue-Vorort nordöstlich von Paris. Damit wollte sich der Umweltschützer und Abenteurer von der übrigen "classe politique" abheben.

Hulot moderiert auf dem privaten TV-Sender TF1 seit 1987 die Natursendung Ushuaïa, benannt nach der argentinischen Stadt und zugleich der südlichsten Stadt des Planeten.

Hulot steht dazu, dass seine Sendung und die dazugehörige Umweltstiftung von Firmen gesponsert werden, unter denen auch ein Autobahnbetreiber und der Stromkonzern Électricité de France (EDF) aufscheinen. "Wenn das der Sache dient, umso besser", meint Hulot mit der für ihn typischen Mischung aus Ehrlichkeit und Naivität. Diese Eigenschaften machen den Mann mit der unordentlichen Frisur zum Liebling der Franzosen: Er führt neben Sportcracks wie Yannick Noah regelmäßig die nationale Beliebtheitsskala an, und seit 2007 scheint er auch in den Politbarometern auf - derzeit sogar an erster Stelle vor Jacques Chirac und Dominique Strauss-Kahn.

Der "andere Nicolas" steigt nun also selber in den Ring. Seine Ankündigung bewirkt in Frankreich, auch wenn sie nicht ganz überraschend erfolgt, ein kleineres Beben, denn die Grünen haben schon eine Kandidatin mit der aus Norwegen stammenden Juristin Eva Joly, deren Anhänger Hulot als "TV-Grünen" oder "Duschgel-Kandidaten" ohne politischen Tiefgang abtun.

Noch ungelegener kommt Hulots Kandidatur für Amtsinhaber Nicolas Sarkozy, dem unpolitische Grünwähler - seit Fukushima zahlreicher denn je - wegzulaufen drohen. Umfragen zufolge könnte Sarkozy gar schon im ersten Durchgang der Wahlen auf der Strecke bleiben: dann, wenn die politische Mitte ganz vom ihm abrückt. Und auf der Rechten steht ihm bereits Front-National-Chefin Marine Le Pen im Weg. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 14.4.2011)

 

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    Der "andere" Nicolas: Hulot will Sarkozy entthronen.

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