US-Wissenschafter

Japan hat Erdbebensituation falsch eingeschätzt

13. April 2011, 17:35

Land hätte Katastrophe zumindest allgemein "vorhersehen" können

Paris - Dass das Erdbeben an der japanischen Ostküste vor einem Monat derart verheerend ausgefallen ist, geht nach Meinung eines US-Wissenschafters auch auf eine Fehleinschätzung der Regierung zurück. Die für die japanische Regierung arbeitenden Erdbebenforscher seien seit Jahrzehnten darauf fixiert gewesen, dass an der südlichen Pazifikküste des Inselstaates mit einem schweren Beben zu rechnen sei, erklärte der US-Seismologe Robert Geller, der an der Universität Tokio lehrt, in einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag für die Wissenschaftszeitschrift "Nature".

Dies habe auf zwei Annahmen beruht, führte Geller aus: Zum einen seien die Behörden davon ausgegangen, dass Erdbeben ein charakteristisches Muster hätten und deshalb in den bereits bekannten "Erdbebengebieten" Tokai, Tonankai und Nankai an der Südküste zu erwarten seien, in denen die Erde in den 1940er Jahren stark gebebt hatte. Zum anderen seien vermeintlich gefährdete Gebiete auf der Grundlage sogenannter seismischer Lücken auf den Landkarten eingetragen worden - wobei die Theorie der "seismischen Lücke" veraltet und überdies niemals bewiesen worden sei, kritisierte der US-Wissenschafter.

Historische Aufzeichnungen nicht ausgewertet

Zusammen habe dies dazu geführt, dass die Öffentlichkeit regelrecht auf ein starkes Erdbeben im Gebiet Tokai gewartet habe - obwohl in den drei genannten Bezirken seit 1975 kein starkes Beben mehr aufgetreten sei. Dagegen hätten sämtliche tödlichen Erdbeben seit 1979 in Gebieten stattgefunden, die den Regierungskarten zufolge ein geringes Risiko hatten, schrieb Geller. Wenn die japanischen Wissenschafter historische Aufzeichnungen über Erdbeben mit darauffolgenden Flutwellenkatastrophen ausgewertet hätten, hätten sie sehen müssen, dass in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach der Nordosten Japans getroffen worden sei, und hätten die Katastrophe vom 11. März zumindest allgemein "vorhersehen" können, kritisierte der US-Forscher. (APA)

Kommentar posten
15 Postings
Adolf Hochhaltinger
 
00
17.4.2011, 02:40
Ausgerechnet ein Amerikaner

Da bin ich dann gespannt, was dieser "US-Seismologe Robert Geller" dann sagt, wenn in Kalifornien endlich das seit Jahren erwartete große Erdbeben ('the big one') zuschlägt und aus San Francisco und Los Angeles je einen großen Trümmerhaufen macht.

dr. kokos
 
00
14.4.2011, 23:46
fukushima 1 = general electrics = usa

us-wissenschaftler mögen zu der fukushima-tragödie gefälligst die go... halten, denn SIE waren es, die den japanern die atomkraft schmackhaft gemacht und auch die ersten reaktoren gebaut haben!

tsunami ist ein japanisches wort, die japaner dürften um die gefahr also mit sicherheit gewusst haben.

aber wenn der sieger dem besiegten des weltkriegs die wunderbare geldvermehrung per atom"technologie" verspricht und sicherheitsbedenken beiseite wischt, wer würde in dieser lage nicht schwach werden?

O'Reilly Constructions Ltd.
00
14.4.2011, 15:04
Ein echter Schlaumeier!

No na, richtig werden sie's eingeschätzt haben! So ein D1llo! Hat der seinen akad. Grad auf der IMADEC-Uni gemacht, als Kommilitone von Saif Gaddafi und Werner Amon?

Klaus Langner
00
14.4.2011, 06:06
Nicht nur dort.

Auch in Onagawa hat es gezischt. Aber davon spricht kein Mensch mehr. Warum nur?
http://www.doppelklicker.de/AKW_Onaga... 797.0.html

Heinz Anderle
 
03
13.4.2011, 21:49
Ein bisserl weiter nördlich...

... schwappten Tsunamis mit 38 m (1896) und 28 m (1933) Höhe an die Ostküste von Honshu.

Aber man kann natürlich auch in der Dynamitfabrik zündeln.

Und es nützt nichts, vier Notstromaggregate pro Reaktor zur Verfügung zu haben (1 in Bereitschaft, 1 in Reserve, 1 in Wartung und 1 extra), wenn alle auf einmal naß werden.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

roking
00
13.4.2011, 21:16
das heisst aber nicht, dass

für die tokai-region entwarnung gegeben wird, oder? dort erwartet man ein beben der stärke 8+. und direkt am meer, quasi genau über dem prognostizierten epizentrum, steht hamaoka. eine der weltweit grössten nukearanlagen der erde. wegen eines schweren unfalls jahrelang stillgelegt, nahm das akw erst letztes jahr wieder den vollen betrieb auf.

Zermalmt die Niederträchtige!
00
13.4.2011, 22:07
Zermalmt die Niederträchtige!
00
13.4.2011, 22:04
Bernhard Marold
02
13.4.2011, 18:44
Nachdem

es 1986 dieses vollkommen unmögliche Unglück in Tschernobyl gegeben hat und jetzt das noch viiiiiiel unmöglichere Unglück in Fukushima, steht uns wohl als nächstes ein vollkommen unmögliches AKW-Desaster in Frankreich bevor.
Ich habe keine Hoffnung, dass die Menschen irgendwas aus den UNMÖGLICHEN Vorkommnissen lernen.

Zermalmt die Niederträchtige!
01
13.4.2011, 19:04
Es gibt sehr wohl Menschen, die lernen

aber die sind nicht entschlossen genug, die anderen zu überzeugen.

Mathias
 
00
14.4.2011, 14:17
... meist ist nur die Gegenseite verführerischer, verlockender, überzeugender ...

bildungsoffensive
00
13.4.2011, 18:15
nun muss der herr wissenschaftler nur noch seine landsleute überzeugen.

http://www.usa-reporter.com/reporter/... bengebiet/

diese 2 akw´s sind vermeintlich sicherer. aber was sicherheit bedeutet, haben wir ja gemerkt.

Zermalmt die Niederträchtige!
00
13.4.2011, 19:08
Dieses Kraftwerk wäre vom Namen her für INES 7 passend:

"Diablo Canyon Power Plant"

Heinz Anderle
 
00
13.4.2011, 21:52
Im Film nennen wir es halt...

... "Lucifer Creek".

http://derstandard.at/plink/130... 0/20751537

(Filmrechte unter Creative Commons zur freien Verwendung.)

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

briefträger
00
13.4.2011, 17:52

Soviel Wissenschafter (obwohl ich nur wenig Ahnung von Erdbeben habe) bin ich dann auch, dass ich jetzt sagen kann, dass man an der Nordostküste von Japan keine Atomkraftwerke hätte bauen dürfen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.