"Die Narben sind verheilt"

13. April 2011, 17:53
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Mutter der erschlagenen Ex-Geliebten im Zeugenstand

Wien - Nach ihrer Aussage wird die Zeugin wie immer von Richter Andreas Böhm gefragt, ob sie eine Bestätigung brauche, dass sie einen Gerichtstermin hatte. "Nein", antwortet diese. "Ich bin jetzt in Karenz. "

Sorgerecht für Enkel

Die Zeugin ist die Mutter von Bettina G. und hat nun das Sorgerecht für ihren Enkel, den kleinen Felix. Der Bub ist jetzt eineinhalb Jahre alt und "ein Sonnenschein", schwärmt seine Großmutter. Am 7. April 2010 war Felix gerade einmal ein halbes Jahr alt, als seine Mutter, Bettina G., neben ihm mit 14 wuchtigen Hieben mit einem Eisenrohr erschlagen wurde - von ihrem Ex-Geliebten, dem Vater von Felix. Der Bub hatte nach der Tat auch kleine Schnitte am Hals.

"Die Narben sind verheilt", sagt die Großmutter von Felix. Wie es scheint, war er noch zu klein, um die Bluttat bewusst wahrzunehmen. "Was noch kommt, weiß man nicht", sagt die Zeugin.

Auch ihr selbst geht es wieder besser, "jetzt hab ich schon ein Jahr mit allen Festen, Geburtstag, Ostern, Weihnachten ohne Bettina hinter mir". Doch diesen Mittwoch muss die Mutter von Bettina G. vor dem Schwurgericht noch einmal alles durchgehen.

"Geld regiert die Welt"

Dass sie schon immer skeptisch gegenüber Gerhard P. gewesen sei, dem Prokuristen einer Baufirma, der ihr gesagt hatte "Geld regiert die Welt". Der ihrer Tochter vorgemacht habe, er werde sich scheiden lassen.

Als Bettina G. dann schwanger wurde, habe sich Gerhard P. zuerst gefreut - seine Frau könne ja keine Kinder bekommen. Doch nur zwei Stunden später kam der Anruf: "Du ruinierst mein Leben."

Und dann begann das Stalking: "Er ist immer im Kaffeehaus neben dem Hauseingang gesessen und hat sie angestarrt", berichtet die Mutter. "Wenn wir gemeinsam in der Straßenbahn gefahren sind, ist er mit dem Auto nebenher gefahren."

Ihre Tochter habe in ständiger Angst gelebt, ihre Wohnungstüre mit drei Schlössern und einem Balkenschloss abgesperrt. Bevor sie in den Lift stieg, habe sie nachgeschaut, ob jemand drinnen sei. Und am Gang immer vorsichtig um die Ecke geschaut.

Vaterschaftstest positiv

Dann kam der Vaterschaftstest, denn Gerhard P. hatte auf einmal behauptet, er sei zeugungsunfähig, wollte Bettina G. einige weitere Geliebte unterstellen.

Der Test fiel aber positiv aus. Eine Woche vor dem letzten Gerichtstermin in der Vaterschaftsfrage kam Gerhard P. in die Wohnung von Bettina G. und erschlug sie. Er hatte sein Alibi minutiös geplant und seine Schwester während der Tatzeit im mit GPRS-Sender ausgestatteten Firmenauto und seinem Handy in Niederösterreich herumfahren lassen.

Trotzdem stellte der Angeklagte am ersten Verhandlungstag die Tat als Affekthandlung dar.

Der Prozess wird fortgesetzt. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 14.4.2011)

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