"Stadtlounge" St. Gallen

Chillen und feiern im Bankenviertel

13. April 2011, 16:55
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    foto: raiffeisen

    Kunst in der Stadt: "Stadtlounge" im Bankenviertel.

Kunstprojekt "Stadtlounge" im Schweizer St. Gallen belebt das Quartier

St. Gallen - Tagsüber edel und diskret, nach Büroschluss jedoch leblos - so wirken Schweizer Bankenviertel üblicherweise. Rund um den St. Galler Raiffeisenplatz entsprechen die Bürobauten von Bruno Clerici zwar den Kriterien chic und teuer, das Viertel selbst präsentiert sich dank einer künstlerischen Intervention von Pipilotti Rist und Carlos Martinez aber alles andere als diskret. Die Künstlerin und der Architekt haben im Stadtteil Bleicheli, zwischen Altstadt und Bahnhof gelegen, einen flächendeckenden roten Teppich ausgerollt - für die Menschen der Stadt, aber auch für Raiffeisen Schweiz, die in einem "gelungenen Beispiel von Public Private Partnership" (Stadtrat) zwei Drittel der Kosten übernahm.

Zwischen Bank- und Bürohäusern, Geschäften und öffentlichen Gebäuden entstand eine verspielte Begegnungszone. Geparkt wird unterirdisch, Fußgänger haben Vorrang, es gilt Tempo 20. "Stadtlounge" nennen die Künstler ihr öffentliches Wohnzimmer aus rotem Gummigranulat. "Roter Platz" sagen die Leute dazu. "Wie in Moskau! Das passt doch gut zu Raiffeisen", feixt einer, der die letzten Sonnenstrahlen auf einem Sitzliegemöbel genießt, bevor er in die gegenüber liegende Abendschule aufbricht. Eine ältere Dame schildert ihr Loungegefühl: "Der Gummibelag auf den Bänken ist warm und weich, ganz anders als die üblichen Holz- oder Metallbänke. Und die Lampen da oben schauen aus wie ein große Monde." Früher sei das Viertel trostlos gewesen: "Da waren nur abgewohnte Häuser und viel Verkehr."

Das Bleicheli hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Einst Bleichewiese der Leinenweber, wurde es zum Handwerkerviertel, boomte und fiel mit der Stickereiwirtschaft, bis das Straßenbild Ende des 20. Jahrhunderts schließlich von der alternativen Jugendszene erobert wurde.

Fünf Jahre nach Eröffnung der Stadtlounge ist der strahlend rote Teppich zwar abgestumpft und erneuerungsbedürfig. Der Begegnungsraum funktioniert aber besser, als von den Financiers gewünscht: Nachts machen Jugendliche das Bankenviertel zur öffentlichen Partyzone. (jub, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10.4.2011)

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