Russland auf Energiemission in Ost und West

13. April 2011, 17:32
posten

Russischer Präsident verhandelt in China um Gaslieferungen, Premier in der Ukraine

Peking/Moskau/Kiew - Russland treibt seine Energieagenda weiter voran. Beim viertägigen Besuch des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in China stehen nicht nur der Besuch des Brics-Gipfels, sondern auch Verhandlungen mit der chinesischen Führung in Energiefragen auf dem Programm. Während die erste Ölpipeline zwischen Russland und China bereits 2010 in Betrieb ging, gibt es bei den Gaslieferungen wenig Fortschritte.

Bereits seit mehr als vier Jahren versucht der staatliche Gaskonzern Gasprom mit seinem chinesischen Pendant CNPC auf einen grünen Zweig zu kommen. Eine Einigung scheiterte bisher nicht nur an den Preisvorstellungen. Gasprom will 2015 mit dem Export von jährlich 30 Milliarden Kubikmetern Gas nach China beginnen.

Nachdem Gasprom Anfang März den Kauf des Gasfelds Kowytka, dessen Reserven auf rund 2000 Milliarden Kubikmeter Gas geschätzt werden, besiegelt hatte, stehen die Chancen laut Experten nun besser. Chris Weafer, Chefstratege der Investmentbank Uralsib, erwartet Fortschritte in den Verhandlungen, da China Kowytka als exklusive Gasquelle gefordert hatte.

Während Medwedew im Osten sein Glück versucht, ist Premierminister Wladimir Putin im Westen auf Energiemission. Beim Blitzbesuch in Kiew versuchte Putin den Ukrainern nicht nur die Fusion von Gasprom mit dem ukrainischen Konzern Naftogas, sondern auch die Teilnahme an der von Russland dominierten Zollunion mit Kasachstan und Weißrussland schmackhaft zu machen.

Die Ukraine könne bei einer Mitgliedschaft in der Zollunion mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von bis zu neun Milliarden Dollar (rund 6,2 Milliarden Euro) jährlich rechnen, sagte Putin laut der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine. Zuvor stellte Gasprom-Vizechef Walerij Golubew der Ukraine eine jährliche Ersparnis von acht Milliarden Dollar basierend auf der Liefermenge von 40 Milliarden Kubikmetern Gas in Aussicht, wenn sie der Zollunion beitreten würden. (Verena Diethelm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.4.2011)

Share if you care.