Protest gegen Ai Weiweis Haft

Deutsche Schau in Peking floppt

13. April 2011 17:02

Direktoren der namhaftesten Museen unterschreiben Online-Petitionen für Ai Weiwei

Peking - Direktoren der namhaftesten Museen von der Londoner Tate Gallery bis zur New Yorker Guggenheim-Stiftung unterschreiben Online-Petitionen für Ai Weiwei. Das bringt die Direktoren der Staatlichen Museen Berlin, Dresden und München in Zugzwang, die ihre Pekinger Mega-Schau Die Kunst der Aufklärung verteidigen. Die "mit einer politisch-aufklärerischen Agenda" schon im Vorfeld pompös gefeierte Ausstellung kann ihren Zweck, ein Angebot zum Dialog mit China zu werden, seit der Verschleppung Ai Weiweis aber nicht mehr erfüllen. Sie ist ein Flop.

Nirgends im riesigen Nationalmuseum ist der Weg zur Aufklärung -Ausstellung ausgeschildert, während Wegweiser zu sieben parallel stattfindenden Ausstellungen führen: zur Propagandaschau über Chinas Aufstieg zur Weltmacht, zur modernen Malerei, zu altem Porzellan, zu uralten Bronzen und buddhistischen Skulpturen. Überall stehen Chinesen in langen Schlangen an. 8000 Besucher lässt das Museum täglich gratis herein. Nur wer die Kunst der Aufklärung sehen will, muss eine Eintrittskarte für 3,50 Euro kaufen.

Eine Umfrage, was die Besucher am meisten interessiert, ist ernüchternd. Schöne Ölbilder, wie etwa von Johann Friedrich August Tischbein oder Ferdinand Kobell, sind beliebt. An den sogenannten Programmbildern der Aufklärung gehen die meisten aber vorbei.

Der dicke chinesische Katalog könnte zwar die notwendige Aufklärung über die Aufklärung leisten. Dass aber nur zwei Exemplare pro Tag verkauft werden, könnte am Preis liegen: Er kostet exorbitante 996 Yuan, rund 115 Euro. Unklar ist, ob die deutsche Ausstellung aus politischer Absicht oder Desinteresse so stiefmütterlich behandelt wird.

Auch der Schauplatz wird mehr oder minder kritisch hinterfragt. "Warum im Nationalmuseum?", rätseln kunstinteressierte Besucher. "Da kommen doch vor allem nur chinesische Tiananmen-Touristen hin." (erl, DER STANDARD/Printausgabe 14.4.2011)

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10 Postings
mika koenig
14.04.2011 16:45
Hier kann man sehen , wie richtig die Entscheidung gewesen wäre, die Ausstellung trotz aller Erwartungen zurückzuziehen . Wie kann man angesichts der Vorgänge eine kulturelle Geschichte der Aufklärung belassen ?? Das ist Feigheit vor dem Feind .

Deutschland hätte gerade durch diese Ausstellung eine gute Position um z. b. nach dem Verbleib von Ai Wei Wei zu fragen.
Warum geschieht das nicht ?
Die Solidarität der Demokratien ist gefragt.
Dann kann die chinesische Diktatur auch wirtschaftlich nicht mehr punkten !

alles kunst
14.04.2011 10:35
wie wäre es, wenn die deutschen

die ausstellung wegen Ai Wei Wei vorzeitig abbauen? das erregt sicher aufsehen!

Schicke Schickse
13.04.2011 18:13
ein typischer fehler der deutschen.

sie glauben, die deutsche politfolklore sei international anwendbar. nämlich: dauernd von irgendeinem "dialog" reden, überbewertung von "symbolik", tendenz zur belehrung anderer (die nie gefragt wurden, ob sie überhaupt belehrt werden wollen).
das funktioniert halt nur in deutschland mit seiner spezifischen politisch-religiösen entwicklung und der dort herrschenden angst vor klaren worten in der politik.
die chinesen haben es nicht nötig, von deutschen kulturapparatschiks belehrt zu werden. sie haben, wie längst bekannt ihre eigenen kritischen geister. und die sind wirklich kritisch, ganz im unterschied zu deutschen beschönigern und verharmlosern.

Jürgen Rembremerding
14.04.2011 14:42
Eine wesentliche Leistung der Aufklärung war die

Herstellung politischer Öffentlichkeit und der freie Diskurs. Es ist interessant, in den wichtigsten Zeitschrift der Zeit zu stöbern.

http://www.ub.uni-bielefeld.de/diglib/au... /suche.htm

In diesen Zeitungen gibt es das klare Wort:

"Nicht ist schrecklicher als die Strafgesetze der Chineser..." :-)

Da steht es:

http://tinyurl.com/6k7ov5l

Eisenstaedt
14.04.2011 12:35

auf die debilen-idee eine solche ausstellung in china zu machen, muss man erst einmal kommen. das kann nur den nasen der staatlichen museen eingefallen sein...

Johannes Benn
14.04.2011 09:38
.

sehe ich genau so. deutsche flanell hosen tragende gemütlichkeit, betroffen-belämmerte system marionetten und aufgesetzte sowie altbackene politische aussagen haben weltweit keine wirkkraft

Quintus Beckloeffel
13.04.2011 18:28

Zum Glück hat ja jetzt Schüssel seine kritische Stimme erhoben - da werden die Chinesen ganz schön nervös!

Mag.a Draude Resom
13.04.2011 18:26
Ich glaube nicht, dass sich Interessierte belehrt fühlen,

die Schau ist eine politische Gratwanderung, was von der chin. Führung zu spät erkannt wurde.

Ich nehme an, dass erheblicher Druck auf die Bevölkerung ausgeübt wird - zB Auflistung der Besucher zwecks anschl. Repressalien - die Show nicht zu besuchen.

Schicke Schickse
14.04.2011 01:40
das kann sein, aber was ich über die schau

erfahren konnte, wirkt sie quasi im rahmen des möglichen vielleicht "mutig" oder "politisch", darüber hinaus aber sicher nicht. geht natürlich auch nicht.
ich bezweifle aber grundsätzlich die tendenz der ausstellung. was will sie eigentlich? reeducation ist sicher nicht nötig. es gibt in china ja sozusagen aufklärerisches gedankengut, das land ist nicht gerade für irgendeinen ideologischen fundamentalismus bekannt. das einzige problem: eine partei und deren machtansprüche. dagegen hilft nicht aufklärung, sondern fortgesetzter mut zu demokratisierung und individuellem denken.

no go
14.04.2011 10:34
könnte es sein

daß wir alle eigentlich nicht allzu viel wissen, was in china wirklich los ist?

FREIHEIT FÜR AI WEI WEI!

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