Fast jeden Tag ein Drogenlenker in Wien

13. April 2011, 16:03
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Problem: Es lässt sich nur schwer feststellen, wie stark beeinträchtigt jemand durch Suchtgiftkonsum ist

Wien  - Die Zahl der erwischten Drogenlenker steigt - der Grund liegt aber in der dichteren Kontrolle. Die Zahl der Drogentests nach Verkehrskontrollen ist in Wien seit 1996 von jährlich 100 auf 350 gestiegen, fast alle (98,7) verliefen positiv.

Im Jahr 2010 ist die Zahl der erwischten Drogenlenker um 16,4 Prozent gestiegen. Woran es hierzulande immer noch mangelt, ist die Feststellbarkeit der Beeinträchtigung durch Suchtgifte bei Verkehrskontrollen. Derzeit müssen Beamte auf der Straße abschätzen, ob ein Lenker beeinträchtigt ist oder nicht. Alle bis dato geprüften Testgeräte - hauptsächlich handelte es sich um Speicheltests - "waren für unsere Beamten nicht brauchbar", sagt Reinhard Fous, Chefarzt der Wiener Polizei.

Gesetz ist unscharf

Während die Beeinträchtigung durch Alkohol leicht messbar ist, stellt sich die Situation bei Drogen schwieriger dar. Bei Anhaltungen im Straßenverkehr darf ein Alkoholtest ohne begründeten Verdacht an Ort und Stelle durchgeführt werden. Beim Suchtgift bedarf es einer Vermutung, dass eine mögliche Beeinträchtigung vorliege, schilderte Brigitte Nedbal-Bures, Polizeijuristin der Bundespolizeidirektion Wien. Ist dies der Fall, muss der Lenker zur amtsärztlichen Untersuchung. Das Gesetz kennt allerdings keine Regelung über den Umfang der klinischen Untersuchungen.

Die rechtlichen Vorschriften sind diesbezüglich "unsauber", bemängelte auch ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer. Wer unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug lenkt, hat zum Teil mit den gleichen Sanktionen zu rechnen wie ein Alkolenker.

Cannabis Nummer eins

Laut Fous machen die größte Gruppe der Drogenlenker in Wien die Cannabiskonsumenten aus (65 Prozent), gefolgt von Opiaten - vorwiegend Heroin - (48 Prozent), Kokain (36 Prozent) und Amphetaminen (zwölf Prozent). Für diese Angaben wurden 3.038 Fälle ausgewertet.

Von Cannabiskonsumenten müsse man die -patienten unterscheiden, deren Anzahl in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Darauf wies Ilsemarie Kurzthaler, Fachärztin für Psychiatrie, hin. Etwa 700 Patienten bekommen in Österreich Cannabis "auf Rezept".

Patienten sind fahrtauglich

Eingesetzt werde die Droge bei multipler Sklerose, neuropathischem Schmerz, bei HIV oder Spastiken. Unter ärztlich kontrollierter Medikation sei beim Patienten die Fahrtauglichkeit grundsätzlich gegeben. Anders als beim Alkohol könne der Konsument die Intensität der Wirkung durch sein Rauchverhalten steuern. Somit bleibe er in der Lage, Abstand zu halten oder Geschwindigkeiten rechtzeitig zu reduzieren. Auch die Kritikfähigkeit bleibt erhalten. "Cannabis-positive Fahrer weisen aber ein erhöhtes Unfall- und Verursacherrisiko auf", so Kurzthaler.

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) und die Wiener Polizei arbeiten derzeit an einem Pilotprojekt für Drogenvortests mittels Frenzelbrille. Das Projekt steckt allerdings noch in der Kinderschuhen. Beim KfV rechnete man damit, zehnmal mehr Drogenlenker durch Vortests stoppen zu können. (APA)

 

  • Von den Cannabis-KonsumentInnen sind die Cannabis-PatientInnen, wie hier im Bild, zu unterscheiden: Letztere bekommen die Droge auf Rezept und zur Schmerzlinderung verabreicht. PatientInnen seien grundsätzlich fahrtauglich, heißt es
    foto: epa/abir sultan israel out

    Von den Cannabis-KonsumentInnen sind die Cannabis-PatientInnen, wie hier im Bild, zu unterscheiden: Letztere bekommen die Droge auf Rezept und zur Schmerzlinderung verabreicht. PatientInnen seien grundsätzlich fahrtauglich, heißt es

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