Lungenembolie: Potenziell tödliche Gefahr

13. April 2011, 16:15
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Pro Jahr sterben in der EU rund 500.000 Menschen an Thromboembolien

Wien  - Die akuten Gesundheitsprobleme von Österreichs bisherigem Vizekanzler Josef Pröll sind kein "Einzelfall". Pro Jahr sterben in der EU rund 500.000 Menschen an Thromboembolien. Dazu gehört auch die "Reise-Thrombose". Immobile Lebensweise, Übergewicht und verschiedenste Grunderkrankungen - in Fällen auch Operationen (besonders orthopädische Operationen) - gehören zu den Risikofaktoren.

Die venöse Thromboembolie kann den potenziell letalen Lungeninfarkt auslösen. "Venöse Thromboembolien sind eine sehr häufige Erkrankung. Bei Frauen unter 45 Jahren erkranken pro Jahr ein bis zwei pro 10.000, in der Allgemeinbevölkerung sind es ein bis zwei pro 1.000 Personen und Jahr. Doch bei Personen über 70 Jahren erkrankt pro Jahr eine von hundert", sagte Expertin Sabine Eichinger-Hasenauer von der Universitätsklinik für Innere Medizin I am Wiener AKH erst vor wenigen Wochen bei der jährlichen Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden.

Thrombus in Lungenarterie

Bei venösen Thrombosen kommt es zur Bildung eines Blutgerinnsels, zumeist im Bereich vor einer Venenklappe. Bei einer Thrombophlebitis (Venenentzündung) ist bloß eine oberflächliche Vene betroffen. Die Komplikation dieser Erscheinungsform ist die tiefe Venenthrombose, die sehr häufig an den Beinen auftritt. Die Expertin: "Eine Lungenembolie entsteht, wenn der Thrombus oder Teile davon abreißt und mit dem Blutstrom über die rechte Herzkammer in die Lungenarterie gelangt." Die Lungenarterien werden in ihrer Länge enger, deshalb bleibt dort der Thrombus stecken. Das dahinter liegende Lungenareal fällt aus, es kann durch den erhöhten Widerstand zum Rechtsherzversagen kommen.

Sabine Eichinger-Hasenauer: "Pro Jahr sterben in der EU 500.000 Menschen an Thromboembolien. Das sind mehr als bei Verkehrsunfällen, durch Brustkrebs und Aids zusammen sterben. Zehn Prozent aller Todesfälle in Krankenhäusern werden durch Pulmonalembolien verursacht. 25 Prozent der Patienten versterben im Laufe eines Jahres nach dem Auftreten einer solchen Embolie."

Risikofaktoren

Risikofaktoren für das Auftreten von Thromboembolien sind neben erblichen Faktoren vor allem das Alter, Übergewicht, eine Operation, eine bösartige Erkrankung, Chemotherapie, Schwangerschaft und die Einnahme der "Pille". Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich durch neue Arzneimittel in den vergangenen Jahren deutlich gebessert.

Weitere Thrombosen verhindern

Nach einer Thromboembolie ist zumeist auch eine weitere Prophylaxe notwendig. Hier haben Wiener Wissenschafter erst vor kurzem eine international beachtete Neuentwicklung lanciert. In der Fachzeitschrift "Circulation" wurde von ihnen entwickeltes Online-Instrument zur Berechnung des Risikos von Patienten für neuerliche Venenthrombosen und eventuell auch Lungenembolien publiziert. Es basiert auf den Arbeiten von Paul Kyrle und Sabine Eichinger von der Universitätsklinik für Innere Medizin I (Abteilung für Hämataologie und Hämostaseologie) sowie von Georg Heinze (Institut für Klinische Biometrie).

Das System wurde als "Vienna Prediction Model" vorgestellt und soll das Risiko möglicher neuer Thrombosen bzw. Embolien bei Patienten leichter berechenbar machen. Das ist für eine möglichst maßgeschneiderte Therapie wichtig.

Der Hintergrund: Patienten mit Venenthrombose oder Lungenembolie, bei denen keine auslösende Ursache für dieses Ereignis gefunden werden konnte, haben ein hohes Risiko für neuerliche derartige Zwischenfälle. Innerhalb von fünf Jahren kommt es etwa bei einem Drittel zu einer weiteren Thrombose bzw. Embolie. Das Sterberisiko liegt bei etwa zehn Prozent. Es ist daher von größtem Interesse, jene Betroffenen zu identifizieren, die ein besonders hohes Risiko haben und von einer langandauernden blutverdünnenden Behandlung profitieren würden.

Mit dem neuen Vorhersagemodell ist es unter Berücksichtigung des Geschlechts, der Lokalisation der Thrombose (Unterschenkel, Oberschenkel/Becken oder Lungenembolie) und eines Laborbefundes (D-Dimer) möglich, das Rezidivrisiko nach ein bzw. fünf Jahren zu berechnen und die Dauer der blutverdünnenden Therapie entsprechend anzupassen. (APA)

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