Konflikte: 1.444 Euro pro Manager und Monat

13. April 2011, 16:29
  •  Unterschiedliche Wertvorstellungen und Unzufriedenheit mit der Leistung anderer sind die häufigsten Gründe für Konflikte in der Arbeitswelt
    foto: apa/dpa/lübke

    Unterschiedliche Wertvorstellungen und Unzufriedenheit mit der Leistung anderer sind die häufigsten Gründe für Konflikte in der Arbeitswelt

  • V.l.n.r.: Anselm Eder, Soziologe an der Uni Wien, Elvira Hauska, "inCoop"-Begründerin und Konflikt-Managerin, und Roland Graf, Generalsekretär des Wirtschaftsforums der Führungskräfte.
    foto: wolfgang lusak

    V.l.n.r.: Anselm Eder, Soziologe an der Uni Wien, Elvira Hauska, "inCoop"-Begründerin und Konflikt-Managerin, und Roland Graf, Generalsekretär des Wirtschaftsforums der Führungskräfte.

Führungskräfte müssen 20 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Konfliktlösung verbringen - Initiative "inCoop" verspricht Abhilfe

"Ich bin immer mit zwei Fragen konfrontiert", sagt Elvira Hauska, "was kostet es und was bringt es?" Hauska ist Konflikt-Managerin und Initiatorin von "inCoop". Einer Initiative, die zur "Förderung des kooperativen Zusammenlebens" gegründet worden ist. Mit dem Ziel, Unternehmen für das Thema Konflikte und deren Management zu sensibilisieren.

Teamgeist-Barometer

Um die Problematik in der Öffentlichkeit breiter zu verankern, hat sich Hauska Unterstützung aus der Wissenschaft geholt - und den an der Uni Wien lehrenden Soziologen Anselm Eder engagiert. Er hat im Tandem mit Hauska den sogenannten "Teamgeist-Barometer" entwickelt. "Um Reibungsverluste durch betriebsklimatisch bedingten Stress zu messen", wie es heißt. Die Daten basieren auf einer Befragung von rund 300 Managern und wurden am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. Getestet und als Befragungsinstrument eingesetzt wurde der "Teamgeist-Barometer" vom Wirtschaftsforum der Führungskräfte.

Elvira Hauska spricht von vielen Betriebsmillionen, die aufgrund von unbemerkten und unbearbeiteten Konflikten flöten gehen. Sie kritisiert mangelndes Problembewusstsein: die Behauptung vieler Manager, bei ihnen gäbe es keine Streitpunkte, sei eine Verdrängung der Realität. Diese "Verdrängung" lasse sich jetzt erstmals in Zahlen gießen, so Hauska. Pro Führungskraft und pro Monat kommt die Studie auf einen durchschnittlichen "Konflikt-Kostenfaktor" von 1.444 Euro.

20 Prozent der Arbeitszeit

Ein Betrag, der sich laut den Studienautoren wie folgt zusammensetzt. Im Schnitt müssen Manager 20 Prozent ihrer Arbeitszeit in Konfliktlösung investieren. Multipliziert mit dem Gehalt ergibt sich daraus ein monatlicher Schaden von 1.444 Euro. Ein weiteres Ergebnis: Führungskräfte, die im unteren und oberen Entlohnungssegment angesiedelt sind (Verdienst bis 2.000 Euro bzw. ab 10.000 Euro), müssen sich öfters mit Reibungsverlusten herumschlagen als Manager, die zwischen 2.000 und 10.000 Euro pro Monat lukrieren.

Neben dem Ausmaß an Konflikten wurde auch ein Indikator für das Betriebsklima erstellt, um "valide Hinweise auf die klimatische Gesamtsituation des Betriebes" geben zu können, erläutern die Initiatoren. Dieser Teamgeist-Barometer setzt sich aus vier "Klimafaktoren" zusammen: "Lebensqualität, Arbeitsbewältigung, Konfliktanteil und Stressbelastung."

Als Reibungsverluste wurden bei der offenen Befragung etwa Faktoren wie unnötige Verwaltungsarbeiten, Kontrolle von anderen Mitarbeitern, unnötige Meetings, überbordende Reportings, fehlende Entscheidungen oder die Übernahme von Arbeiten aufgezählt.

Falsch interpretiert

"Konflikte müssen auf jeden Fall reguliert werden", ist Anselm Eder überzeugt: "Manche soll man haben, manche gehören weg", meint der Soziologe. Konflikte würden fälschlicherweise sehr häufig als Indiz für Überforderung oder Versagen interpretiert. In Wirklichkeit seien sie der Normalfall, mit dem Unternehmen professionell umzugehen haben.

Als größte Belastung wurde von über 30 Prozent der Befragten "unterschiedliche Wertvorstellungen" genannt, gefolgt von "Unzufriedenheit mit der Leistung anderer", "Verständigungsschwierigkeiten" und "unklare Aufgabenverteilung". Am unteren Ende der Skala rangiert mit 15 Prozent der Konkurrenzdruck.

Nicht greifbares Thema

Für die meisten Firmen sei das Thema Konfliktkultur ein klassischer "Soft-Faktor", sagt Roland Graf, Generalsekretär des Wirtschaftsforums der Führungskräfte. "Unliebsame Kinder, mit denen man sich lieber nicht beschäftigen will." Mediation komme zumeist erst ins Spiel, wenn es schon zu spät ist, bedauert er, dass der Problematik in der Wirtschaft bis dato nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wird. Durch die Initiative hofft er, einen Sensibilisierungsprozess in Gang setzen zu können. Das reale Bild sei nämlich noch drastischer, als es in der Studie zum Ausdruck komme. Problemfelder werden oftmals nicht als solche deklariert, so Graf. Zumindest nicht öffentlich.

Kosten-Nutzen

Um das Messinstrument für das Betriebsklima bei Unternehmen zu bewerben, kann sich "inCoop"-Gründerin Hauska Kooperationen mit der Gewerkschaft, der Arbeiterkammer und anderen Mediatoren vorstellen. Die Studie über Führungskräfte war nur der erste Schritt, erzählt sie, in weiterer Folge soll das Instrumentarium auch auf untere Ebenen ausgedehnt werden - und etwa bei Mitarbeiterbefragungen zum Einsatz kommen. Und die Kosten? Die sind vergleichsweise gering, betont Hauska. Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern müsse mit Ausgaben von rund 1.000 Euro rechnen. (om, derStandard.at, 13.4.2011)

Siehe
Konfliktlösung: Den Weg des größeren Widerstandes gehen - Mitarbeiter reagieren auf Konflikte mit Verdrängung, gehen auf Sündenbocksuche oder geben das Problem nach oben weiter

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so ein schwachsinn

kann ich überhaupt nicht bestätigen. wenn dies so wäre mit den 20 % könnten wir unser geschäft einstellen....

In einer Firma, wo es einen Boss gibt, gibts wohl kaum Konflikte. Hier sind eher etwas grössere Firmen gemeint.

Danke für die beiden Postings. Ich hab mir die Daten der Stichprobe nochmals genauer angesehen. 57 von 292 Antworten kamen von Personen aus Firmen mit 1 - 50 MA. Hier liegt der durchschnittliche Konfliktanteil mit rund 12 % deutlich unter dem Gesamtschnitt. In Kosten sind das 'nur' mehr € 787.

Aus meiner Erfahrung gibt es durchaus auch in kleinen Firmen wertvernichtende Konflikte, vor allem bei Übergaben (in der eigenen Familie), bei Uneinigkeiten zweier oder mehrerer Gesellschafter über Investitionsentscheidungen, ... mag sein, dass die Firmen dann wirklich nicht lange überleben.

hmm

professionelle konfliktlöser positionieren konflikte als großes, teures problem.

wahnsinn.

morgen, an dieser stelle:
professionelle motivationstrainer sehen großen bedarf an motivationsseminaren.

und und und

Unnötige Konfliktmanager

Glauben Sie auch, dass Konfliktmanager unnötig sind, weil es keine (teuren) Konflikte gibt ?

Stimmt. Unverschämt, dass Mitarbeiter immer noch so viel Mühe machen

Indem sie noch immer viel zu menschlich sind und sich weigern, zu 100%ig angepassten Maschinen zu werden!!!

Falscher gehts nicht mehr

Ich habe das genau ausgerechnet.

Die Kosten für Konflikte betragen in Wirklichkeit exakt 1.734,65 Euro pro Manager.

In der Zeit in der sie Konflikte lösen müssen, könnten sie um 1.734,65 Euro Waren und Dienstleistungen verkaufen oder andere Dinge machen, die exakt 1.734,65 an Erträgen brächten.

"... die Gewerkschaft, die Arbeiterkammer und andere Mediatoren..."

Selten so gelacht ;-)

Das ist ja in wahres Dream-Team, das jetzt auf die bösen Manager losgelassen wird.

Und welche Beratung kann was bringen, die nur 1.000€ kostet?

€ 1000

Dieser Faktor beinhaltet nur die Befragung - keine Beratung

In Wahrheit kosten Konflikte ja noch mehr, wenn durch sie die Arbeit(smoral) der Mitarbeiter gesenkt wird und der Output in Folge sinkt. Diese Zahl lässt sich aber nicht so plakativ darstellen und ist vermutlich auch nicht so genau analysierbar.

100% des Salärs bei Führungskräften

gehen für Führung auf. Ist das nicht ein bissel viel?
Überhaupt - mir geht das Geseire über die "zu teuren" Führungskräfte auf die Nerven: Führung ist ein Provisionsgeschäft, orientiert sich an Gewinnen und die allenthaben beklagten hohen Gehälter von Managern rühren mich zu Tränen - womöglich sind die tatsächlich an den _wahren_ Gewinnen orientiert, nicht an dem, was Finanzämter so erfahren..? Sollte Management den Eigentümer zu teuer kommen - niemand hindert sie daran, selbst zu führen.

ha! provisionsgeschäft...

träumens weiter :)

Führungskraft bis 2000 €?

Führungskraft bis 2000 €?

'
Naja, wenn Sie unter sich die Putzfrau und zwei Praktikanten haben, sind Sie eine Führungskraft...

Führungskräfte mit niedrigem Gehalt

In der Studie waren 3 Nennungen mit einem Gehalt unter € 2.000. 2 davon gaben an, für 1-5 MA verantwortlich zu sein. 1 Nennung war ohne MA

facility-manager, back office manageriInnen usw. ;-)

vor allem datenmanager

was da alles an integritäts-konflikten zu lösen gilt.
tag für tag, - das geht ins geld.

Haben die Mitarbeiterverantwortung, oder woher kommt das "Führungs"kraft?

'Führungs'kraft

Die dazugehörige Frage zu den Zahlen oben lautete:
Wie viele Personen sind Ihnen in direkter Linie
unterstellt?

Da sind sie alle soooooo stolz auf den sozialen Aufstieg und dann findet man in den Betrieben nichts anderes als schlechte Laune und Unzufriedeheit.

Dann war der Karriere-Aufstieg wohl doch nicht so sozial. Braucht man sich nichts einbilden darauf.

Konflikte anzgehen hat nichts mit schlechter Laune zu tun.

Die Konflikte werden ja nicht weniger, und die Stimmung nicht besser, wenn an alles unter den Tisch kehrt.

sozialer Aufstieg

20 % Konflikt-Arbeits-Zeit bedeutet auch 80 % konfliktfreie Arbeitszeit. Persönlich glaube ich, dass die subjektiv wahrgenommene konfliktfreie Arbeitszeit bei nicht 'führenden' Mitarbeitern deutlich kleiner ist. Diese Meinung vertrete ich besonders bei Betriebsräten, daher würde mich die Befragung über den ÖGB besonders interessieren. Denn valide Daten dazu gibt es aktuell noch nicht. ... und als wissenschaftlich orientierte Praktikerin gebe ich gern fundierte Erfahrungen weiter.

Bei den leitenden MAs und in der Führungsebene wird Konflikt als Kulturgut verstanden und ist nicht nur akzeptiert, sondern hoch angesehen. Was nicht (immer) gut ankommt ist backstabbing, crying und screaming. Obwohl letzteres aufgrund der dunklen Vergangenheit (WW2) besondes in ländlichen Regionen durchaus in den Toleranzbereich fällt. Es wundert mich aber nicht, dass Konflikte ab dem "sozialen" Aufstieg vorhanden sind, denn Aufsteigen kann nur jemand, der in diesem Konflikt-Ambiente leben kann. Ich verweise auf die öffentlich (wenn auch theatralisch) zur Schau gestellte Konfliktkultur der TV Sendungen "Apprentice", deren USA, UK und Irland Versionen man auf youtube findet. Der eigene Vorteil steht beim "sozialen" Aufstieg im Vordergrund.

Helfen würde, seine "Erfahrungen" nicht aus Fernsehsehren ins reale Leben zu übertragen. Für jene, die das wirklich nicht wissen: Das im Fernsehen ist nur gespielt.

(Un)nötige Konflikte

Ich bin überzeugt, dass Konflikte Teil unseres Lebens, und so per se weder gut noch schlecht sind.
Darüber hinaus bin ich auch überzeugt, dass es grundsätzlich besser ist, Konflikte professionell (das ist für mich so gewaltfrei wie es die Situation zulässt) zu behandeln. Das Ergebnis eines 'guten' Konfliktmanagements mM ist die Reduktion der Konfliktzeit auf ein Minimum und eine möglichst hohe Zufriedenheit mit dem Ergebnis bei möglichst vielen Beteiligten des Konflikts. Das fördert wiederum die Kooperationsfähigkeit, Leistungsfähigkeit, usw.

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