Josef Pröll hatte Glück

"Insbesondere Zweitereignisse sind hochgefährlich"

Regina Philipp, 13. April 2011, 15:18
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    foto: apa/hans klaus techt

    Josef Pröll hatte im März dieses Jahres eine Lungenembolie - heute nahm er von der Politik Abstand.

Josef Pröll hatte Glück: Eine Lungenembolie im März dieses Jahres hat er überlebt. Über seinen gesundheitlichen Zustand wurde in den letzten Wochen heftig spekuliert. Sein Rückzug aus der Politik ist seit heute fix.

Ein Langstreckenflug - Pröll war zuvor in Peking gewesen - war vermutlich schuld an dem bedrohlichen Ereignis, denn das stundenlange Sitzen mit angewinkelten Beinen im Flieger bietet ideale Voraussetzungen für die Bildung von Blutgerinnseln. Wirklich gefährlich wird es für Passagiere allerdings erst nach dem Aufstehen oder noch später. Mitgerissen vom Blutstrom verstopfen die Blutgerinnsel plötzlich Lungengefäße.

"Der Patient spürt oft nur einen diskreten Schmerz und einen Hustenreiz", erklärt Ernst Pilger, Gefäßspezialist an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Graz. Von den Betroffenen wird die kurzanhaltende Symptomatik als etwas Vorübergehendes interpretiert und nicht zwingend als Anlass genommen, einen Arzt zu aufzusuchen. "Genau das ist auch die Problematik hinsichtlich der Therapie", weiß Pilger. Denn um adäquat therapieren zu können, darf eine Lungenembolie nicht länger als drei Tage zurückliegen. Danach ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich mit Hilfe einer Lysetherapie das Gerinnsel auflösen lässt, schon äußerst gering. Andererseits: Bleibt die Lungenembolie vollkommen unbemerkt, dann stehen die Chancen gut, dass es sich um ein sehr kleines Blutgerinnsel handelt und der menschliche Organismus es schafft, dieses selbsttätig mithilfe der körpereigenen Fibrinolyse zu zersetzen.

Stumme Embolie

Der Patient bekommt davon nichts mit, völlig unbemerkt hat er eine Lungenembolie überstanden. Die Dunkelziffer solcher unbemerkten Ereignisse ist hoch und erweckt den Eindruck einer harmlosen Erkrankung. Die "Ruhe" einer stummen Embolie ist jedoch trügerisch, denn Lungenembolien neigen zu Rezidiven und zeigen sich dann mitunter nicht mehr ganz so bedeckt. "Insbesondere Zweitereignisse sind hochgefährlich. Hier sind Todesfälle besonders häufig", so Pilger.

In Prölls Krankengeschichte findet sich bereits im Dezember 2009 eine tiefe Beinvenenthrombose und als übergewichtiger Mensch ist sein Risiko für die Entwicklung einer Lungenembolie per se schon erhöht. Seine Beschwerden im März waren zudem nicht von kurzer Dauer. Angeblich erfolgte die Einlieferung in die Innsbrucker Uniklinik erst nach mehreren Tagen anhaltender Atemprobleme.
Neben dem Ringen nach Luft, stellt erhöhtes D-Dimer den Verdacht auf eine Lungenembolie in den Raum. Der Parameter im Blut ist ein Spaltprodukt des Gerinnungsfaktors Fibrinogen. Er ist positiv, wenn der Körper selbst schon darum bemüht ist, ein Gerinnsel aufzulösen. Die Crux dabei: "D-Dimer ist sehr unspezifisch. Das bedeutet, es gibt viele Erkrankungen, die mit einer Erhöhung des Parameters einhergehen", betont der Grazer Angiologe. Als Beweismittel eignet sich das D-Dimer nur im umgekehrten Fall. Ist es nämlich negativ, dann darf man sicher behaupten, dass der Patient keine akute Lungenembolie hat.

Computertomografie und Ultraschall ließen bei Pröll wahrscheinlich den Verdacht erhärten. Für eine Lysetherapie war es vermutlich zu spät und von einer Rechtsherzbelastung, die ebenfalls als Voraussetzung für eine gerinnselauflösende Behandlung gilt, war in der medialen Berichterstattung nichts zu lesen. "Liegt das Ereignis länger zurück und ist die Tätigkeit des rechten Herzens normal, dann verschiebt sich das Therapieziel von der Auflösung eines vorhandenen Gerinnsels in Richtung Verhinderung eines Folgeereignisses", weiß Pilger. Erreicht wird dieses Behandlungsziel mit der Gabe blutverdünnender Medikamente.

Zweitereignis und Lungenhochdruck

Über Patienten mit unbemerkten Lungenembolien schwebt das Damoklesschwert also in zweierlei Hinsicht. Neben dem hohen Risiko eines Zweitereignisses, gesellt sich die drohende Entwicklung eines Lungenhochdrucks. Diese sogenannte pulmonale Hypertonie ist eine schwerwiegende Komplikation der Lungenembolie und bedarf einer genaueren Erklärung: Der Verschluss einer beziehungsweise mehrerer Lungenarterien durch einen Thrombus oder thrombotische Anteile zwingt das Herz gegen einen steigenden pulmonalen Widerstand zu arbeiten. Die rechte Herzkammer muss das sauerstoffarme Blut daher mit erhöhtem Druck in die Arterien der Lunge pumpen. Um das zu bewerkstelligen, beginnt der rechte Herzventrikel sich zu vergrößern. "Wir sehen oft Patienten mit pulmonaler Hypertonie, bei denen sich nur durch sehr diffiziles Fragen vermuten lässt, dass eine Lungenembolie schon Jahre früher vorausgegangen ist", erzählt der Gefäßspezialist. Die Betroffenen kommen dann primär wegen Herzbeschwerden zu Pilger. Schwer belastet hat das Herz ihre körperliche Leistungsfähigkeit reduziert und führt unbehandelt über Kreislaufbeschwerden schließlich zum Rechtsherzversagen.

Medizinische Herausforderung

Die Anamnese ist demnach der erste und auch wichtigste Schritt in der Diagnostik einer Lungenembolie. Die korrekte Diagnose ist ganz entscheidend, verhindert doch die medikamentöse Verdünnung des Blutes die Bildung neuer Thromben, Embolien und damit die sekundäre pulmonale Hypertonie. "Mit Atemnot und Druck in der Brust wird in den meisten Fällen ein Herzinfarkt assoziiert. Deshalb ist das daran Denken die größte Herausforderung für Mediziner", so Pilger und empfiehlt bei einem bestehenden Lungenembolieverdacht auch die Becken- und Beinvenen hinsichtlich einer Thrombose zu untersuchen. (Regina Philipp, derStandard.at, 13.04.2011)

Kommentar posten
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Doc Steel
02
14.4.2011, 18:55
torberg:

"gott behüt' uns vor allem, was grad noch ein glück ist"

coherence
62
14.4.2011, 13:21

weniger glück haben sicherlich die steurzahler, die die mißlungenen freizeitspiele des ex-vizekanzlers sicherlich teurer bezahlen müssen.
das ganze ist ja eine frechheit und zumutung für jeden bürger der seine familie durch redliche arbeit ernähren muß.

Zotto
11
14.4.2011, 12:20

Ich mein, ich glaub die meisten Leute im politischen Umfeld werden das größte Kompliment dieser Riege gedacht haben: "Na den Tod hab ich ihm net gewünscht."
Dementsprechend wirklich kein schlechter Politiker.

Ich glaub aber auch, dass sich ein Vaupi-Spin-Doc denkt "Hm, wie komm ich aus dem Strasser Problem raus...? Ah! Ok, aaaaaah Herr Jarolim! ... Zieht net... Was is mim Peppi? Super! Soll sich auskurieren und gesunden - wen wollen wir haben. Mizi is hoat, Mittersteiger tut was er soll, Spindl-öaab-egger, den krieg ich durch und der Erwin mag mich noch.
und jetzt lancieren wir, dass das der Kopf auch geht damit ich weniger Konkurrenz hab."

Leo Dawee
00
14.4.2011, 12:01
schwer vermittelbar

ist ER jedenfalls nicht !

systemfehler1
00
15.4.2011, 06:24
Doch.

Aber bei den Beziehungen bekommt jeder Stocki einen Job.

In diesem Fall wirs die Raiffeisen.

Ich wünsch´ihm baldige Besserung, aber sorgen um seine berufliche Zukunft mach´ ich mir keine.

Presumption of Innosence
02
14.4.2011, 11:10
Chinaflug mit angewinkelten Beinen? Fliegt die Regierung "Economy"?

Christine-Michèle
25
14.4.2011, 10:32
Jeder, der auch nur eine Lungenembolie überlebt hat,

hatte Riesenglück!
Egal ob er nun Pröll oder Meier heißt!
Einziger Unterschied: Letzterer kann seinen Job nicht einfach hinwerfen und binnen kurzem einen "der Gesundheit erträglicheren" antreten.

Daniel Dillinger
 
20
14.4.2011, 23:03

Auch Herrn Meier steht es frei sich jederzeit einen anderen Job zu suchen.

Graf Bobby
16
14.4.2011, 10:46

Nur hat der Meier in den wenigsten Fällen einen Job, in dem er mindestens 1x die Woche in Europa udn jede zweite Woche außereuropisch wo hinfliegen muss, sonst JEDEN Abend Termine hat, Wochenende ebenso und sich in einem permanenten Konflikt mit Opposition und anderen Parteifreunden.

Regis 1
02
14.4.2011, 14:12
in dem er mindestens 1x die Woche in Europa udn jede zweite Woche außereuropisch wo hinfliegen muss, sonst JEDEN Abend Termine hat,

kenne sie jemanden, der politiker/in wurde, weil er/sie dazu gezwungen wurde? ausserdem - er hat es ja nicht für einen hungerlohn gemacht ...

Christine-Michèle
01
14.4.2011, 11:33

Sie haben recht: Der Politikerjob kann anstrengend sein, sehr sogar, er hat aber nichts mit einer Prädisposition zu Embolien zu tun.

Ein Versorgungsjob in der Privatwirtschaft kann aber auch sehr anstrengend sein: So von einer Eröffnungsfeier zur nächsten eilen...
Bei UNIQA wäre zB der Posten eines Generaldirektor samt Aufsichtratsfunktionen zu besetzen. Besser als bisher bezahlt, weniger Flüge, keine Konflikte mehr mit der Opposition usw.
Alles Dinge von denen Herr Meier nur träumen kann.

Übrigens: Herr Meier und Herr Pröll stehen nach einer 2.Lungenembolie lebenslang unter Warafin oder in Österreich unter Marcoumar. Damit ist das Risiko einer 3.Lungenembolie nahezu ausgeschlossen.

xxx...yyy...
00
14.4.2011, 12:37
ein wesentlicher faktor

ist langes sitzen und wenig bewegung. das fördert die entstehung von thrombosen, die dann zu einer lungenemoblie führen.

werauchimmer1
 
00
14.4.2011, 10:20
verflucht

komplizierte Angelegenheit. Aber der Artikel hat das sehr informativ aufbereitet.
also hoffentlich passierrt ihm nix mehr und er fliegt weniger

Grün1
51
14.4.2011, 09:48
Dabei hat er immer so gsund ausgschaut

Die erste Embolie hat er bei einem Urlaubsflug im Dez 2009 nach Mauritius erlitten, die zweite jetzt beim Schifahren. Welch ein Schicksal, wo er sich doch immer mit voller Kraft seinem Amt widmete. Wie mein Arzt, der ist auch immer für mich auf Fortbildung in den schönsten Urlaubsregionen.

notanaddict
03
14.4.2011, 13:13

Also innerhalb von 15 Monaten seien ihm nicht 2x Freizeitgestaltung in Form von Urlaub und Erholung vergönnt? Was muss ein Politiker denn machen, 24/7 und das ganze Jahr durch, Ihrer Meinung nach?

Fantastic Fox
53
14.4.2011, 09:28
Was der in China zu tun hat,

möchte ich wirklich gerne wissen.

Fronius von Feynbein
21
14.4.2011, 11:15
sehr gute Frage...

für Fragen der "inneren Sicherheit" wär doch die Schotter-Mizzi weit geeigneter gewesen!

Emeritus
02
14.4.2011, 08:57

Man soll eben das Blut immer schön flüssig halten, mit Zweigelt, Blaufränkischem, St Laurent .......

Da hilft nur Lagavulin!
31
14.4.2011, 08:12
der dicke fliegt aber sicher nicht holzklasse

Walter Tiefenthaler
00
14.4.2011, 06:47
ein erster klasse flug von china?

das ist ja wie zuhause im bett!

Eisenstaedt
07
14.4.2011, 03:22
"Gesundheit",

die härteste Rubrik auf derstandard.at. Die wahren Patienten posten hier.

alt-heli .
01
13.4.2011, 22:10
hoffentlich kriegt er das in den Griff...

Makro 24/7
11
13.4.2011, 22:07

Ja wenn der Schweinsbraten ned imma soooooooooo gut wäre, oder? ;)

politisch verfolgt
03
13.4.2011, 21:38
na super

jezt hab ich das gelesen und hypochondrische gedanken bemächtigen sich meiner: das zwicken im rücken - ist das schon die embolie? :o/

ff ff1
 
121
13.4.2011, 20:34
Und ich saß völlig unbeleckt von jeder medizinischen Erkenntnis t

11 Stunden in einem Flieger auf den engen Sitzen, stand nie auf, trank keinen Schluck, habe nichts gegessen, machte keine Übungen und war übergewichtig. Wegen Flugangst quasi wie gelähmt. Nur knapp vor der Landung trank ich ein achtel Wein aus Erleichterung, dass es bald vorbei ist. Wieso hatte ich nix?

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