Soziales Engagement rund um den Globus

13. April 2011, 12:22
2 Postings

Zivilcourage, Hilfsbereitschaft und soziale Kompetenz: Beim Wettbewerb "We are the heroes" zeigten Jugendliche aus ganz Österreich, wie sie sich gegen Armut und Ausgrenzung starkmachen

Wien - "Alle haben gesagt: Mit dem kann man nicht spielen, der kann nicht einmal Deutsch. Ich habe dann mit ihm gelernt", sagt eine Schülerin, die beim Wettbewerb "We are the heroes" mitgemacht hat. Auf die Beine gestellt von den Jungen Europäischen Föderalisten Österreich (JEF) in Kooperation mit dem SchülerStandard, standen bei diesem Wettbewerb vor allem das soziale Engagement sowie der Gedankenaustausch der Jugendlichen im Vordergrund.

Zu den vier Siegern zählt die HTL Mödling, die gleich mit zwei Projekten punkten konnte. Eines ist das "Corporate Social Responsibility Projekt Ruanda", wobei die Schüler durch eine Spendenaktion die Materialkosten für eine Fotovoltaikanlage in Mwendo auftreiben konnten, die 2012 erbaut werden soll. Nach der Kick-off-Veranstaltung mit der ruandischen Projektpartnerin Marie Claire Wiesenhofer, die das Projekt vor Ort koordiniert, erzählt die HTL-Lehrerin Renate Reisch: "Die Schüler waren beeindruckt von Wiesenhofers Engagement und der tiefen Menschenliebe, die aus jedem ihrer Worte sprach."

Hilfe zur Selbsthilfe

Der Bau der Solarstromanlage wird von den Schülern der Abteilung Elektrotechnik übernommen. In Mwendo wurde kürzlich in einem Schulzentrum eine Krankenstation errichtet, da die nächstgelegenen Spitäler mit einem tagelangem Marsch durch den afrikanischen Busch verbunden sind. Der Bau dieser Station wurde unter anderem von der Steiermark finanziert. Das hat die Schüler inspiriert. "Es macht Spaß, Sozialprojekte anzupacken, und man kann einiges bewegen", erzählen die Schüler über ihre Erfahrungen. Gut finden sie auch, dass die Fotovoltaikanlage von den Einheimischen vor Ort weiterbetrieben wird. "So leisten wir Hilfe zur Selbsthilfe und auch einen Beitrag zum Umweltschutz."

Das "Sozialprojekt Wetschehaus Rumänien" ist das zweite Projekt der HTL Mödling. Seit dem EU-Beitritt Rumäniens entsprach das Waisenhaus in der Ortschaft Wetschehaus nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. Um die Trennung zwischen Mädchen und Burschen nach EU-Richtlinie zu ermöglichen, planten die Schüler ein zweites Gebäude. Der Plan wurde dann vor Ort von dem Projektteam realisiert. Vom Hochbau, Innenausbau bis zur Gebäudetechnik waren Schüler der verschiedensten Fachabteilungen involviert. Als man das erste Gebäude fertiggestellt hatte, nahm man bereits den Bau eines weiteren in Angriff: das Generationenhaus. Das Passivhaus soll Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten für die Heimbewohner schaffen. Abgeschlossen ist dieses Projekt für die Schule noch lange nicht.

Auch das Projekt der Informatikhauptschule Jennersdorf ist unter den Gewinnern. Die Schüler beschäftigen sich mit der Armutsbekämpfung in der Dritten Welt und sozialer Ausgrenzung in ihrer eigenen Schule. "Wie geht es wohl den ausländischen Schülern an unserer Schule?", fragten sich die Kinder im Religionsunterricht.

Um ein breiteres Bild darüber zu erhalten, erstellten sie einen Fragebogen mit 17 Items, anhand derer sie ihre Mitschüler mit Migrationshintergrund interviewten. Nach der Ergebnispräsentation zeigen sich die jungen Forscher sehr betroffen. "Eigentlich dachte ich, es geht ihnen gut - aber ich habe mich getäuscht. Ich finde es toll, dass alle so ehrlich geantwortet haben", sagt Katharina. Auch Anika überdenkt ihre Erfahrungen: "Mir ist aufgefallen, dass es eigentlich allen schlecht gegangen ist. Alle werden verspottet und hatten Probleme mit der Sprache. Ich habe jetzt gelernt, dass ich diese Schüler besser aufnehmen werde und sie öfters frage, ob sie Hilfe brauchen. Ich werde ihnen helfen, dass sie sich in der Schule zurechtfinden."

Der Religionslehrer Ernst Mayer ist begeistert von der Wirkung des Projekts: "Es war für mich einzigartig, wie konzentriert und betroffen die Schüler ihre Gedanken niedergeschrieben haben. Es war in der Klasse eine ganz außergewöhnliche Atmosphäre."

Wirtschaftlich denken

Auch die Vienna Business School zählt zu den Gewinnern. Für die "Teambildungstage 2009" suchten die Schüler um einen Mikrokredit beim Vienna Business Circle an, den sie bis Ende des Schuljahres durch verschiedenste Tätigkeiten zurückzahlen sollten. Wirtschaftliches Denken war gefragt - und erfolgreich.

"Genau ein Jahr später konnten wir mit dem Buffet am Tag der Offenen Tür die 3000-Euro-Marke überschreiten", erinnert sich Projektbetreuerin Sigrid Bittner. Durch die Planung von zwei Buffets und die Erstellung eines multikulturellen Kochbuchs verbrachten die Schüler viel Zeit miteinander. "Trotz des großen Aufwands denke ich mir jedes Mal, wenn ich in die Klasse gehe und die großartige Klassengemeinschaft sehe, dass ich diese Arbeit jederzeit wieder auf mich nehmen würde", sagt Bittner.

Dass innerhalb eines so kurzen Zeitraums ein so starker Zusammenhalt entstanden ist, in einer Klasse, in der Jugendliche mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen sitzen, könnte Vorbildwirkung haben.(Alicia Prager, Clara Heinrich, STANDARD, Printausgabe, 13.4.2011)

Bis 27. Mai können Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren ihre Sozialprojekte in der 2. Runde des Wettbewerbs einreichen. www.jef.at

Ebenfalls in die Vorjury gekommen sind folgende Projekte:

"Milch und Brot", BORG Dornbirn-Schoren

"Billroth for Ecuador", Billrothgymnasium Wien

"Gelebtes soziales Lernen, HLW Hollabrunn

"Kanyon kauft Kühe", AHS Kenyongasse

Fachbereichsarbeit zum Thema Armut von Natalie Raidl, BG Babenbergerring Wiener Neustadt

Share if you care.