Illegaler Fisch soll nicht auf Europas Tisch

13. April 2011, 12:02
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Im Kampf gegen illegalen Fisch­fang geht die EU nun verschärft vor: Umweltsünder verlieren über kurz oder lang ihre Lizenz

Brüssel - Illegal gefangener Fisch soll künftig nicht mehr auf europäischen Tellern landen. Dafür will die EU-Kommission mit ihren am Dienstag vorgestellten schärferen Regeln sorgen. Sie geben der EU-Kommission neue Befugnisse an die Hand, mit denen sie die gesamte Lieferkette besser kontrollieren will - "vom Netz bis auf den Teller", wie EU-Kommissarin Maria Damanaki sagte. "Wenn der Fisch die Ladentheke erreicht, kann der Verbraucher sicher sein, dass es sich um legal gefischte Ware handelt", hieß es.

In Europa werde nahezu doppelt so viel Fisch gefangen, wie erlaubt ist. Damaniki: "Die Fischbestände in der EU werden um mehr als 72 Prozent überfischt." Das zerstöre Lebensräume im Meer, verzerre die Märkte und benachteilige ehrliche Fischer. Damit europäische Fischer unter vergleichbaren Bedingungen arbeiten können, werden Verstöße jetzt überall und unabhängig von der Staatsangehörigkeit mit gleich strengen Strafen verfolgt. Dazu gilt ein neues Punktesystem - ähnlich wie es deutsche Autofahrer kennen. Fischer, die wiederholt beim illegalen Fischen erwischt werden, verlieren letztlich die Zulassung.

Neu ist auch, dass alle die Fischerei betreffenden Daten künftig elektronisch gesammelt werden müssen. Bisher hatten Kapitäne viel Papierarbeit: Per Hand mussten sie zum Beispiel Logbücher und Angaben über verkaufte Fischmengen eintragen und die Daten dann in Formulare der Mitgliedsstaaten übertragen. Das soll sich ändern: Elektronische Logbücher sind vom Sommer an für alle Schiffe ab 15 Metern Länge zwingend, ab Jahresende auch für Boote über 12 Metern Länge. Für größere Schiffe gilt diese Reglung bereits.

Die elektronischen Daten können von den Mitgliedsstaaten und der Europäischen Fischereiaufsichtsagentur im spanischen Vigo eingesehen und geprüft werden. Die EU finanziere 85 Prozent der Kosten, um die neuen Technologien an Bord zu bringen, hieß es. So wollen sie die Kassen der 27 EU-Mitgliedsländer entlasten. Von den rund 83.600 europäischen Schiffen müssen bis Jahresende rund 13.800 aufrüsten. Die meisten Schiffe in der EU sind aber weniger als zehn Metern lang. Für sie gelten keine entsprechenden einheitlichen Regeln. 

Gleiche Kontrollen in ganz Europa

Die Kommission will, dass Kontrollen künftig in ganz Europa gleich ablaufen. Um das zu garantieren, bekomme sie nun mehr Befugnisse, sagte Damanaki. Erweisen sich Kontrollen eines Mitgliedstaats als unwirksam, kann die EU-Kommission die Quoten für den Fischfang senken und EU-Mittel reduzieren, aussetzen oder ganz entziehen. Spanien ist ein erster Fall: Das Land habe 2010 um 80 Prozent überfischt und müsse nun Beihilfen zurückzahlen. Die Kommission beobachte derzeit 70 Schiffe wegen möglicher Verstöße, darunter fünf aus EU-Ländern. Welche das sind verriet Damanaki nicht, da die Ermittlungen andauern.

In Kraft getreten ist das EU-System für Fischereikontrollen schon Anfang 2010. Erst jetzt aber sei es technisch voll einsatzbereit. Es gilt für alle in die EU eingeführten Fischfangerzeugnisse, sowie für alle aus der EU ausgeführten.

Konsumenten wollen Fisch aus nachhaltigen Quellen

Die meisten Menschen in der EU wünschen sich Fisch aus nachhaltigen und nicht überfischten Quellen. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die im Auftrag des WWF in 14 Staaten durchgeführt wurde. Knapp 90 Prozent gaben laut der Umweltorganisation an, es sei ihnen wichtig, dass die vermarkteten Fischprodukte aus nicht überfischten Beständen stammen.

Dieses Interesse ist laut WWF auch in den Fischereinationen Südeuropas überdurchschnittlich hoch. "Die Europäer haben genug vom Katastrophenmanagement in der Fischerei. Sie fordern die EU auf, die Überfischung jetzt zu stoppen. Die anstehende Reform der Fischereipolitik ist dafür eine einzigartige Chance und zugleich Verpflichtung", wurde WWF-Meeresexperte Georg Scattolin in einer Aussendung der Organisation zitiert.

Europa als weltweit größter Importmarkt für Fisch und Fischereiprodukte stehe besonders in der Verantwortung für die Fangbedingungen, erklärte der WWF. Die europäischen Fischbestände seien derzeit zu 72 Prozent überfischt. "Wichtige Arten wie der Blauflossenthunfisch im Mittelmeer stehen am Rande des Kollaps, weil die Fischerei in unverantwortlicher Weise die Bestände wichtiger Speisefische dezimiert. Schätzungsweise die Hälfte des in EU-Gewässern gefangenen Fisches wird tot wieder über Bord geworfen und bleibt ungenutzt", kritisierte die Organisation. (APA)

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    Die EU-Kommission beobachtet derzeit 70 Schiffe wegen möglicher Verstöße, darunter fünf aus EU-Ländern.

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