Bakterienschleuder Klobrille?

Ursula Schersch
13. April 2011, 11:28
  • Mythen-umrankt kann sich ein Mensch auf dem stillen Örtchen alle möglichen 
Krankheiten "holen".
Foto: www.JenaFoto24.de  / www.pixelio.de
    foto: www.jenafoto24.de / pixelio.de

    Mythen-umrankt kann sich ein Mensch auf dem stillen Örtchen alle möglichen Krankheiten "holen".

    Foto: www.JenaFoto24.de / www.pixelio.de

Öffentliche Toiletten gelten seit jeher als Ort, an dem sich Bakterien nur so tummeln - Ganz falsch ist das zwar nicht, andere Orte sind aber keimanfälliger - Ein Plädoyer fürs Händewaschen

Viele ekeln sich davor und versuchen "es" zu vermeiden: Der Gang auf die öffentliche Toilette. Und wenn es doch einmal sein muss, lautet das Gebot so wenig wie möglich zu berühren. Für den Umgang mit alltäglichen Keimen reichen einfache Hygienemaßnahmen vollkommen aus. "Das wirksamste Mittel ist Händewaschen", betont Elisabeth Presterl, Leiterin des Klinischen Instituts für Krankenhaushygiene an der Medizinischen Universität Wien.

"All jene Orte wo sich sichtbarer Schmutz ansammelt wie in Ritzen, Fugen, Rauheiten oder auch an feuchten Orten können sich Bakterien gut festsetzen und vermehren", erklärt die Medizinerin. Glatte, trockene Oberflächen, die leicht zu reinigen sind, seien hingegen bakterienarm. Die Hygiene sollte deshalb an keimanfälligen Orten nicht zu kurz kommen.

Mythos kontaminierte Toilette?

Ein Ort, an dem Viren, Bakterien und Pilze besonders stark vermutet werden, ist die Toilette. Mythen-umrankt kann sich ein Mensch dort alle auf Erden möglichen Krankheiten "holen". Die Klobrille ist aber aufgrund der relativ hohen Putzfrequenz bei weitem nicht jener Ort, an dem sich die meisten Bakterien tummeln. Laut Studien sind PC-Tastatur und -Maus, Telefonhörer, Einkaufswagen und Spülschwamm um ein vielfaches kontaminierter. "Wie relevant die Toilette in punkto Krankheitsübertragung ist, hängt stark mit ihrer Verunreinigung - also Urin- und Stuhlresten - zusammen", erklärt Presterl. "Es erscheint mir auch durchaus machbar, einen - hoffentlich sauberen - Klobesen zu benutzen, um die Toilette so zu hinterlassen, wie man sie vorfinden möchte. Und anschließend: Hände waschen!"

Schmierinfektionen

Findet eine Übertragung von Erregern statt, etwa von Fäkalkeimen, geschieht dies mittels Kontakt- bzw. Schmierinfektion. Dabei muss nicht unbedingt der direkte Kontakt zu infizierten Menschen gegeben sein, es reicht das Berühren von mit Krankheitserregern kontaminierten Gegenständen - wie WC-Spülungen oder Türschnallen. Über die Hände kommen Durchfallerreger als sogenannte Schmierinfektion in Mund und Nase, und schließlich in den Magen-Darm-Trakt. Ganz selten können die Keime über eine kleine Wunde in der Haut eindringen. Ein Beispiel: „Rein hypothetisch wäre es möglich, dass eine Person, die zu Harnwegsinfektionen neigt, durch die Benützung einer verunreinigten Toilette Bakterien erwirbt - allen voran E.coli - die zu einer Infektion führen", so Presterl. Panik ist allerdings übertrieben, denn die Wahrscheinlichkeit für eine Übertragung ist in Whirlpool oder Dampfbad um ein vielfaches höher.

Dennoch: Ist die Möglichkeit Papiersitze zu benutzen in öffentlichen Toiletten gegeben, sei dies sinnvoll. Diese mechanische Schutzbarriere verhindert den Kontakt mit eventuell verunreinigten Klobrillen. Sichtbare Verunreinigungen sollten gleich durch den Verursacher selbst entfernt werden - ein Händewaschen nach dem Toilettenbesuch ohnehin als Selbstverständlichkeit betrachtet werden, um sich und andere Personen vor Krankheitserregern zu schützen. Damit ist aber nicht gemeint, die Fingerspitzen für zwei Sekunden unter den Wasserhahn zu halten, sondern ein gründliches Händewaschen mit schäumender Seife. "Zum Abtrocken sind Einweg-Handtücher oder solche, die den Teil einer frischen Stoffbahn anbieten wesentlich hygienischer als hängende Stoffhandtücher", betont die Hygienikerin. Auch zu Hause sollten diese regelmäßig gewechselt werden - ebenso der Spülschwamm und die Zahnbürste. "Zahnbürsten soll man nach Gebrauch ordentlich spülen und gut trocknen lassen. Dadurch kann man schon viele Keime beseitigen. Gegebenenfalls - etwa nach Krankheiten im Mundraum - häufiger wechseln", so die Medizinerin. Eine Keimfreiheit wird auf diese Weise zwar auch nicht erreicht werden, einem gesunden Menschen können die Bakterien auf der Zahnbürste grundsätzlich aber nichts anhaben.

Keine Desinfektion im Haushalt

Im Laufe eines Tages kommen die Hände mit vielen Dingen in Berührung: Computertastaturen, Lichtschalter, Türklinken oder Haltestangen in öffentlichen Verkehrsmitteln. "Keime die man mit nach Hause nimmt, überleben nicht ewig, ein Händewaschen ist daher vor allem auch zu Hause wichtig", rät die Medizinerin.

Jegliche Keime als eine Art Bedrohung zu betrachten ist aber die falsche Einstellung. Die meisten Bakterien nützen dem menschlichen Organismus und schützen ihn vor krankheitserregenden Keimen. Von der Verwendung desinfizierender Mittel im Haushalt raten Experten deshalb ab. Die mit antibakteriell, desinfizierend, hygienisch und bakterizid bezeichneten Mittel töten alle Bakterien im Haushalt ab, egal ob nützlich oder schädlich. Normale Reinigungsmittel genügen daher völlig - auch wenn diverse Werbungen anderes propagieren. (urs, derStandard.at, 13.04.2011)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 165
1 2 3 4
Howard Hughes.........

entgegnete seit seinem 18. Lebensjahr keinen Händedruck mehr. Hughes und Adrian Monk dürften an meiner Wiege gestanden haben. Denn auch ich bin seit Jahren nur mehr mit Feuchttüchern bewaffnet.

Also ich wasche die Hände VOR und NACH dem Gang zur Toilette

Und auch bevor ich etwas esse.

Eben wegen dem oben beschriebenen.

Wer es mit dem Händewaschen übertreibt, schädigt seine Haut und erleichtert es damit erst recht Bakterien. Alles mit Maß und Ziel.

es geht doch nichts über die Abfahrtshocke...

Gründliches Händewaschen hilft nicht viel wenn man beim Verlassen des Toilettenraums wieder die Türschnalle angreift.
Entweder man drückt sie mit dem Ellenbogen runter oder wenn die Tür ziehend zu öffnen ist legt man einen Klopapierfetzen(nicht benutzt! *fg*) auf die Schnalle drauf.
Ich hasse Häusln wo es im Vorraum kein Papier fürs Händeabtrocknen gibt sondern nur diese Heißluftgebläse.

gut, dass ich meine zahnbuerste nach dem kloputzen schon seit jeher abgespuelt habe.

zu ende gedacht...

ist wahrscheinlich die Berührung des Klobesengriffs praktisch letal ;-))

Es ist ganz einfach:

Oefter die Haende gruendlich waschen und auf oeffentlichen Haeusln die Schranz-Hocke (gut fuer die Oberschenkel). Dann passiert gar nix.

Diese Taktik beantwortet vielleicht teilweise meine lang gehegte Frage wie man Toiletten ueberhaupt erst so zusauen kann wie man sich manchesmal vorfindet. :)

eine Bekannte war 1 Jahr in Indien.
Die stellt sich auf die Klomuschen. Keine Ahnung wie gut sie zielen kann, besonders wenn betrunken.

die haben sowieso oft Hock-Klos.

Der Durchschnittsinder kann in der Sitzposition nämlich nicht gacken.

Falsche Hygiene von unten

Besonders praktisch finde ich das Zurück-spritzen der neuen geruchsarmen Klos, also die ohne Steg, dafür mit abgestandenem Wasser, das einem beim Wurzenfallen in das Rektum direkt wieder hineinspritzt.

Ein immer wieder frischer Bakterieneinlauf sozusagen. Man will ja schließlich dazugehören.

Tipp: Ein paar Blätter Klopapier flach reinfallen lassen, verringert das Raufspritzen enorm.

stimmt!!! furchtbar.

STIMMT, aber nur zum Teil, wir haben gerade so ein neues "Teil" in unserem Haus bekommen, KEIN SPRITZEN beim "HINEINFALLEN" Keramik-Oberfläche veredelt (Schmutz hält kaum) dafür leider recht teuer (Sitzhöhe 45 cm)

Hat jemand Benutzererfahrung mit diesen arabischen Klos?

Klar.

Ich mag sie. Für "ausser Haus - Geschäfte" sind sie praktisch, weil berührungsfrei. Ist aber eher nix für zuhause, weil in Socken will ich mich da nicht draufstellen.

Ist eigentlihc schon mal jemand an einem Besuch einer öffentlichen Toilette gestorben? Wenn ich mir die Kommentare hier durchlese frage ich mich in was für einer Welt wir eigentlich leben!

Schon mal darüber nachgedacht, dass sich die Menschheit mit ihrem Desinfektionswahn vielleicht nichts gutes tut?

Bakterien hats immer schon gegeben... und wenn der Mensch wirklich so Anfällig wär, dann wär er schon längst ausgestorben!!!

Ich finde öffentliche Toiletten z.T. auch eklig... aber deshalb sind sie nicht sofort gesundheitsgefährdend.

George Michaels

Ruf.

So ist es, empfinde ich so ein WC als unsauber lege ich auf die Clobrille Toilettenpapier ...

ja eh
solang man die klobürste nicht zum zähne putzen verwendet, ist alles nicht so tragisch
;-)

roter baron

hm

hab noch nie auf eine klobrille gesetzt. geniese das schöne gefühl vorher ein paar minuten lang und dann gehts aber zack. bin noch nie auf den gedanken gekommen, mich auf eine klobrille zu setzen, schon als kind nicht

Die Kommentare zeugen von manchen leichteren und schwereren Neurosen. Ob die auch ansteckend sind?

Schon mal mit Zelt auf einem mehrtägigen Festival verbracht?

Posting 1 bis 25 von 165
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.