Japan leistet Abbitte bei Nachbarstaaten

13. April 2011, 12:53
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Anrainerstaaten verärgert – Arbeiter pumpen weiterhin verstrahltes Wasser ab – Nachbeben der Stärke 5,8

Tokio – Der Strom radioaktiv verseuchten Wassers in den Pazifik belastet Japans Beziehungen zu seinen Nachbarn. Außenminister Takeaki Matsumoto gab am Mittwoch zu, dass Japan erst nach Beginn der Einleitung die Botschaften der Pazifik-Anrainerstaaten informiert habe, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete.

China, Russland und Südkorea hatten diese Entsorgung von schwach verstrahltem Wasser aus den Unglücksreaktoren wiederholt massiv kritisiert und umfassende Schutzmaßnahmen gefordert. "Es ist wahr, dass unsere Benachrichtigung erst versendet wurde nachdem der Wasserabfluss begonnen hatte", sagte Matsumoto im Parlament. Inzwischen seien die Kommunikationskanäle verbessert worden. "Wir bedauern, dass wir bei der Weitergabe der Informationen zwei Minuten zu spät waren."

Nachbeben erschwerte Pumparbeiten

Am Mittwoch hat ein starkes Nachbeben die japanische Katastrophenprovinz Fukushima und benachbarte Regionen heimgesucht. Auch in der Hauptstadt Tokio gerieten am Mittwoch Häuser ins Schwanken. Berichte über mögliche Schäden oder Verletzte durch das Beben der Stärke 5,8 lagen zunächst nicht vor. Die Behörden gaben keine Tsunami-Warnung aus, wie der Fernsehsender NHK berichtete.

Arbeiter im zerstörten Kernkraftwerk Fukushima haben indessen weiterhin hochgradig verseuchtes Wassers am Reaktor 2 abgepumpt. Mit Hilfe von Behelfspumpen leiten sie Wasser, das sich in einem Tunnelschacht des Reaktors angesammelt hat, in einen Auffangbehälter des Turbinengebäudes, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press meldete. Das Wasser stammt demnach aus dem Reaktor und war in das Untergeschoß des Turbinengebäudes sowie angeschlossene unterirdische Tunnel gesickert. Der Betreiber der Atomruine schätzt die Menge an Wasser dort auf rund 20.000 Tonnen.

Wirtschaft soll sich bis Jahresende erholen

Die verseuchten Brühe behindert die Bemühungen zur Kühlung der Reaktoren. Japan hatte am Vortag die Strahlengefahr genauso hoch eingestuft wie bei der ukrainischen Reaktorkatastrophe vor 25 Jahren. Es gibt jedoch auch Experten, die der japanischen Einschätzung widersprechen. So ist die Gefahr, die von den japanischen Reaktoren ausgeht, aus Sicht der Internationalen Atomenergie-Behörde IAEA nicht so groß wie in der Sowjetunion 1986.

Die japanische Regierung hat sich zuversichtlich gezeigt, dass die wirtschaftlichen Folgen der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in relativ kurzer Zeit überwunden werden können. Wirtschaftsminister Kaoru Yosano sagte am Mittwoch, er rechne mit einer Wirtschaftserholung gegen Jahresende. Yosano räumte aber ein, dass die Wiederherstellung der Energieversorgung und die weitere Bewältigung der Atomkatastrophe mit erheblichen Unsicherheiten verbunden seien. Auch werde es Jahre dauern, die zerstörten Regionen des Landes wieder aufzubauen. "Die Auswirkungen des Bebens werden vorübergehend sein. Es wird indirekte Folgen geben, wie eine Dämpfung der Konsumlaune, aber die Konjunktur wird zum Jahresende wieder anziehen", sagte Yosano vor Journalisten in Tokio.

Flughafen Sendai wieder teilweise geöffnet

Der weltgrößte Autobauer Toyota muss wegen Engpässen beim Teilenachschub in Folge der Katastrophe die Fertigung auch an fünf europäischen Standorten vorübergehend einstellen. Betroffen sind Montageanlagen und Motorfabriken in Großbritannien, Montagewerke in Frankreich und der Türkei sowie ein Motorenwerk in Polen betroffen. Der Betrieb werde zwischen dem 21. April und 2. Mai für fünf Tage ausgesetzt, hieß es.

Der in der Katastrophenregion gelegene Flughafen Sendai hat am Mittwoch wieder teilweise seinen Betrieb aufgenommen. Am Morgen landete wieder eine Maschine aus Tokio, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Der Flughafen war vor gut einem Monat vom Tsunami überschwemmt worden. Die Wiedereröffnung des Flughafens macht es für Helfer aus dem Großraum Tokio und dem Westen einfacher, in die Unglücksregion zu gelangen.

Japan hatte am Dienstag die Strahlengefahr von Stufe 5 auf die höchste Stufe 7 - und damit auf das selbe Niveau wie Tschernobyl im Jahr 1985 - heraufgesetzt. (APA/red)

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