Desire Tagro war zentrale Figur im Machtkampf der beiden Präsidenten
Abidjan - Einen Tag nach der Festnahme des langjährigen ivorischen
Staatschefs Laurent Gbagbo ist dessen ehemaliger Innenminister, Desire Tagro,
unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Tagro sei unter den Anhängern
Gbagbos gewesen, die am Montag mit dem Ex-Präsidenten festgenommen worden seien,
hieß es am Dienstag aus Kreisen des international anerkannten Staatschefs von
Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste), Alassane Ouattara, sowie von einem Diplomaten in
Abidjan. Tagro sei gesehen worden, wie er verletzt in das Golf-Hotel gebracht
worden sei, in dem auch Gbagbo untergebracht wurde. Anschließend sei er in eine
Klinik eingeliefert worden, wo er am Dienstag gestorben sei.
Der Chef von Gbagbos Partei Front Populaire Ivoirien (FPI), Pascal Affi
N'Guessan, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Tagro sei "mit einer Kugel im
Golf-Hotel ermordet" worden. Das Lager Ouattaras wies dies vehement zurück. Nach
Angaben des Diplomaten soll der Politiker bei seiner Festnahme versucht haben,
sich mit einer in den Mund abgefeuerten Kugel selbst zu töten.
Einflussreicher Innenminister
Tagro galt als zentrale Figur der nach monatelangem Machtkampf besiegten
Regierung. Nachdem er zunächst Sprecher Gbagbos war, stieg er zum
einflussreichen Innenminister auf und wurde schließlich nach der umstrittenen
Präsidentschaftswahl im November zum Generalsekretär der Präsidentschaft
ernannt. Der oft als Hardliner beschriebene Tagro hatte 2007 zum Friedensvertrag
zwischen Gbagbo und den Rebellen beigetragen.
Die UNO erklärte unterdessen, Gbagbo werde weiterhin in Abidjan festgehalten
und nahm damit eine frühere Äußerung zurück, er sei an einen geheimen Ort in dem
westafrikanischen Land gebracht worden. Entgegen früherer Informationen bleibe
Gbagbo im Golf-Hotel in Abidjan, sagte der stellvertretende UNO-Sprecher Farhan
Haq. Das Golf-Hotel ist auch das Hauptquartier Outtaras. (APA)