Häuslkommentare

12. April 2011, 20:41
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Avigdor Lieberman ist, wie man weiß, nicht so schnell etwas peinlich

"Dort, wohin auch der Kaiser zu Fuß geht", hat man früher das stille Örtchen genannt, aber seitdem ist viel Wasser die Muschel heruntergeflossen. Zu Fuß wird der Ort in der Regel noch immer aufgesucht, auch von den Mächtigen der Welt, aber still ist es längst nicht mehr dort. Musste man früher, um Wartezeiten zu verkürzen, auf - auch anderweitig verwertbare - Zeitungen zurückgreifen, so bietet sich jetzt ein Schwätzchen mit der Schwiegermutter am Handy an, man muss ihr ja nicht unbedingt sagen, wo man gerade sitzt.

Was das hier zu suchen hat, fragen sich die Leser und Leserinnen, die sich immer so lieb um das Geisteswohl ihrer Einserkastl-Schreiberin sorgen? Es ist nämlich so, dass der israelische Außenminister Avigdor Lieberman am Häusl nicht nur mit der Schwiegermutter schwatzt, sondern auch Interviews gibt. Nicht einer Zeitung zum Mitschreiben, sondern im Radio, live. Nein, keine Sorge, es kommt jetzt nicht ganz so schlimm, wie Sie denken, er war halt irgendwann fertig (womit, wissen wir ja auch nicht so genau) und hat getan, was ein ordentlicher Mensch zu tun pflegt: Und die Lieberman'sche Toilettenspülung floss rauschend durch den Äther.

Dem Mann ist, wie man weiß, nicht so schnell etwas peinlich. Aber man könnte sogar die Theorie aufstellen, dass es sich nicht um ein Versehen, sondern um einen politischen Kommentar handelte: Er sprach nämlich im Interview über die Hamas. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 13.4.2011)

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    Avigdor Lieberman, Saubermann

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