Es war alles - fast - perfekt geplant

12. April 2011, 19:48
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Gerhard P. ist angeklagt, seine ehemalige Geliebte neben dem gemeinsamen Baby mit einem Eisenrohr erschlagen zu haben

Wien - "Ich hab das so geplant ghabt." Doch zunächst sprach der 43-jährige Gerhard P. von den Familienplänen, die er schon fast perfekt verwirklicht hatte: "Dass i ein Haus hab, dass i a Frau hab, ein Kind und ein Auto."

Die Frau hatte er im Zug kennengelernt, geküsst hatten sie sich das erste Mal am Weihnachtsabend. Sie heiraten, bauen ein Haus. Zwei Zimmer hatten sie eingerichtet: "Ein blaues fürn Buam, ein rosanes fürs Menschi." Das Glück schien perfekt, als die Frau schwanger wurde - doch sie verlor das Baby. Das hatte Gerhard P. nicht geplant, "da war ois hin, auf einmal", erinnert er sich. "Was uns stark gmacht hat, is verlorengangen." Der Verlust des Kindes "hat uns verfremdet".

In dieser Situation stellte ihnen sein Schwager seine neue Freundin vor, die 38-jährige Bettina G. Man verstand sich gut, traf sich öfter - und irgendwann verabredeten sich Gerhard P. und Bettina G. in Wien. Sie gingen essen, "mir ham endlos lang gredet". Das Weitere "hat sich dann so ergeben, wir ham miteinander gschlafen". Es beginnt eine On-off-Beziehung. Sie trennen sich, treffen sich wieder, landen im Bett - "i hab ihr net widerstehen können". Sie verbringen einen gemeinsamen Urlaub.

Und dann geschah das, was Gerhard P. immer geplant hatte: Er wurde Vater. Aber es war Bettina G., die schwanger wurde. Gerhard P. ist inzwischen gut verdienender Prokurist einer Baufirma und sieht seine Existenz bedroht. Er will eine Abtreibung. Doch Bettina G. bringt das Kind zur Welt. Und fordert Gerhard P. auf, seinen Unterhaltspflichten nachzukommen. Sie weiß auch, wie gut er wirklich verdient, hat Listen über Preisabsprachen und seine Schwarzgeld-Einnahmen. Er beginnt die Frau zu stalken, passt sie vorm Haus ab, aber beobachtet sie nur. Sie geht nur noch mit Trillerpfeife und Pfefferspray auf die Straße. Und der penible Prokurist beginnt wieder zu planen. Entwirft ein nahezu perfektes Alibi, dessen Abläufe er sogar zweimal probt.

Ausschau gehalten

Am 7. April 2010 ist es so weit: Seine Schwester fährt mit seinem Firmenauto, das automatisch gepeilt und registriert wird, in Niederösterreich herum. Einen Freund bittet Gerhard P., Ausschau zu halten, wann Bettina G. das Haus verlässt. Als sie mit dem Baby zum Kinderarzt geht, schleicht sich der ehemalige Geliebte laut Anklage ins Stiegenhaus und versteckt sich dort.

Wenig später kommt die Mutter mit dem Kind zurück, sperrt die Tür auf - und dann ist Gerhard P. plötzlich da. Schlägt auf die Frau mit einem Eisenrohr ein, zertrümmert ihr mit 14 Schlägen den Schädel. Dann gibt er via Wertkartenhandy seiner Schwester das Signal - und diese ruft mit seinem Handy von Niederösterreich aus das Handy von Bettina G. an. Nur einen Fehler begeht Gerhard P. - er vergisst einen Handschuh mit seiner DNA am Tatort.

"Ich bekenne mich schuldig - des Totschlags", gesteht Gerhard P. am Dienstag die Tat vorm Schwurgericht in Wien. Aber er habe im Affekt gehandelt: Er habe eigentlich nur den Computer mit den Schwarzgelddaten mitnehmen wollen. Doch dann habe sie ihn einen "Versager" genannt, den sie "fertigmachen" werde.

Der Prozess wird fortgesetzt. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD-Printausgabe, 13.4.2011)

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    Gerhard P. vor dem Schwurgericht: Er gesteht, seine ehemalige Geliebte mit einem Eisenrohr umgebracht zu haben. Aber er sagt, es sei Totschlag im Affekt gewesen: "Ich konnte nicht mehr anders."

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