Lippenbekenntnisse

12. April 2011, 19:23
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Für Hank-Darsteller David Duchovny muss die Rolle eine späte Genugtuung sein - Spielart des American Gigolo

Wie zu erwarten war, hat sich die Situation des unglücklichen Schriftstellers Hank Moody in "Californication" (Montag, ORF 1) nicht verbessert. Die Schreibblockade hat es sich in ihm ebenso gemütlich gemacht wie die Sehnsucht nach intaktem Familienleben bei gleichzeitig ungehindert ausgelebter Triebstärke. Gut, genau so wollten wir das sehen.

Californication präsentiert eine völlig neue Spielart des American Gigolo, der nach dem Motto folgt, wenn er die eine nicht kriegen kann, will er wenigstens alle anderen haben. Das soll's geben. Schon lange nicht waren Neurosen klarer gezeichnet.

Für Hank-Darsteller David Duchovny muss die Rolle eine späte Genugtuung sein. Die Enthaltsamkeit in Akte X ging so weit, dass irgendwann nicht mehr die Frage interessierte, ob es Außerirdische, Seelenwanderung und Besessenheit gibt, sondern wann Agent Mulder mit Agent Sully in die Betten geht. In Californication stellt sich diese Frage erst gar nicht, denn GV passiert wie das Amen im Gebet. Aufschlussreicher sind die Stellungen vor, während und nach dem Unvermeidlichen: Faustschläge und Gehirnerschütterung als Liebestatschkerl oder peinliche Befragungen, die es so vor einigen Jahren noch nicht gegeben hätte: Hank muss nicht nur einer seiner Bettgefährtinnen sagen, wie er deren Brüste, Lippen - nicht die Lippen! - findet.

Die hinreißendste Rolle spielte Duchovny übrigens in Twin Peaks. Aus aktuellem Anlass - Arte wiederholt die stilbildende Serie ab 18. April - sei an Dennis/Denise Bryson erinnert. Dale Coopers FBI-Kollege war drei Folgen Gast und hatte genug vom Mannsein: Er wurde zum "Anti-Hank." (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 13.4.2011)

  • David Duchovny als Hank Moody.
    foto: orf

    David Duchovny als Hank Moody.

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