Ein Weltbürger versucht sich als Brückenbauer

12. April 2011, 18:19
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Valentin Inzko gerät mit seinem leidenschaftlichen Eintreten für zweisprachige Ortstafeln fast zum Buhmann der Nation

Klagenfurt - Alle Hoffnungen, die leidige Ortstafelfrage zu "entradikalisieren", ruhten auf Valentin Inzko. Dem 62-jährige Diplomaten und Kärntner Slowenen, geboren in Suetschach/Sveče, im gemischtsprachigen Kärnten, traute man zu, als Chefverhandler der Volksgruppe einen Schlusspunkt unter die jahrzentelangen Ortstafel-Diskussionen zu setzen.

Spätestens nach der verunglückten Fernsehdiskussion im ORF-Zentrum am Sonntag wurde Inzko fast zum Buhmann der Nation. Der in der Kunst der verbindlichen Rede geschulte Spitzendiplomat und Vorsitzende des Rats der Kärntner Slowenen begehrte mit geradezu wilder Leidenschaft auf und versuchte als Anwalt seiner Volksgruppe und der Rechtsstaatlichkeit am Ortstafel-Kompromiss von Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) und Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) zu rütteln. Vergeblich. Schmähung, Isolation und Ablehnung waren die Folge. In Österreich, in Kärnten.

Dem internationalen Beauftragten für Bosnien gilt dagegen weltweiter Respekt. Täglich hat er dort mit Rechtsbeugung und Korruption zu tun, muss das in drei Ethnien zerrissene Land mühsam an demokratische Standards westlicher Prägung heranführen.

In der Heimat ist alles viel schwieriger, vor allem wenn der "Abwehrkampf" der deutschsprachigen "Mehrheit" gegen die slowenische "Minderheit" auch in der eigenen Familie tiefe Wunden geschlagen hat. Inzkos Großeltern wurden verfolgt, weil Oma Marija bei der Volksabstimmung 1920 für das Königreich der Slowenen, Kroaten und Serben optiert und der Großvater es gewagt hatte, eine "großslowenische Agitatorin" zu heiraten. Das prägt.

Bauernschlaue Geschmeidigkeit ist Inzkos Sache nicht. Wohl aber Haltung und Geradlinigkeit. Mag sein, dass er schon allein deshalb polarisiert, weil er als vielsprachiger, feinsinniger Weltbürger und Humanist längst der Kärntner Provinzbühne entwachsen ist. Bodenständig ist er trotzdem geblieben: Oft sieht man den zweifachen Vater am Wochenende mit seiner Frau, der Mezzosopranistin und Kärntner Slowenin Bernarda Fink in Suetschach spazieren gehen oder hemdsärmelig am Elternhaus anpacken.

Versöhnung wurde im Hause Inzko immer großgeschrieben. Schon Valentin Inzko senior machte sich als Brückenbauer für das gemeinsame zweisprachige Kärnten stark. Und für beide galt immer der Grundsatz: Versöhnung ja, aber nicht um den Preis der Unterwerfung. Letzteres wird in Kärnten allzu gern mit "Konsensbereitschaft" verwechselt. (Elisabeth Steiner, STANDARD-Printausgabe, 13.4.2011)

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    Valentin Inzko setzt auf Versöhnung ohne Unterwerfung.

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