Tag der offenen Türen in der Causa Buwog

12. April 2011, 19:05
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In der Schweiz und in Liechtenstein wurden acht Gesellschaften und Wohnungen von Involvierten in die Causen Buwog und Meinl gefilzt

Am Dienstag schwärmten Staatsanwälte und Ermittler der Causa Buwog und Meinl über die Grenzen hinweg aus. In der Schweiz und in Liechtenstein wurden acht Gesellschaften und Wohnungen von Involvierten gefilzt.

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Zufall oder nicht: Kaum hatte Justizministerin Claudia Bandion-Ortner am Montag von ihrer Weisungslust in aktuellen brisanten Causen gesprochen, war der Dienstag der Tag der Hausdurchsuchungen.

Nach "lange geplanten" Vorbereitungen fanden ab 10 Uhr in den Causen Buwog und Meinl insgesamt acht Hausdurchsuchungen in der Schweiz und Liechtenstein statt. Gesucht wurde lange: Auch am späten Nachmittag war die großangelegte Aktion noch im Gange. Bekanntgegeben wurde die Hausdurchsuchung von der Staatsanwaltschaft Wien. Sie berief sich dabei (so weit zum Thema Zufall) auf Rechtshilfeersuchen an die Schweiz und Liechtenstein von November 2010.

In beiden Causen hätten sich "Personenidentitäten ergeben", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Thomas Vecsey. Welche Gesellschaften wo durchsucht wurden, wurde nicht erörtert. Der Sprecher betonte allerdings auch, dass Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser "nicht direkt betroffen sei". Grasser ist bekanntermaßen Beschuldigter in der Causa Buwog. Er soll bei der Privatisierung der Bundeswohnungsgesellschaften unerlaubten Einfluss genommen haben. Seine Freunde Peter Hochegger und Walter Meischberger kassierten 9,6 Millionen Euro Honorar von Buwog-Käufer Immofinanz - versteuert haben die zwei das Geld nicht.

Die Konten, die im Ausland geöffnet wurden, sollen Aufschluss über Geldflüsse und etwaige Treuhänder - allenfalls auch Grassers - geben. Aus dem Kontoöffnungsbeschluss der Liechtensteiner ergibt sich, dass Hocheggers Anteil am Honorar (2,19 Mio. Euro) damals bei dessen zypriotischer Firma Astropolis "verblieben ist".

Suche nach Treuhändern

An der Stelle kommen im Rechtshilfeersuchen Treuhänder ins Spiel: Der Geldfluss lief nämlich über ein Konto der Omega in Delaware und von dort aus weiter an die Hypo Investmentbank AG (HIB) in Liechtenstein. Die zwei Omega-Treuhänder Alexander B. und Johann G. hätten das Geld bei der HIB in bar behoben und auf Meischbergers HIB-Konten überwiesen. Dafür sollen die Treuhänder fünf Prozent "Kommission" kassiert haben. Die Namen der Konten sind österreichweit bekannt: Karin, Natalie und Walter.

Auf Konto Karin ist laut Meischbergers Aussagen die gesamte Familie Plech zeichnungsberechtigt - allerdings nur im Fall seines Ablebens; Ernst Plechs Frau heißt Karina. Meischberger (Ex-Abgeordneter der FPÖ) selbst pflegt den Kontonamen Karin so zu erklären: Von diesem Konto habe er Immobiliendeals finanziert. Als Eselsbrücke zum Kontonamen (Landerwerb) habe ihm Karin Landauer gedient. Sie war einst blaue Wiener Landtagsabgeordnete.

Auch Konten der Mandarin Group Ltd. bei der Raiffeisen Bank Liechtenstein könnten von den Ermittlern unter die Lupe genommen worden sein. Ihr hat Meischberger seine Zertifikate der Meinl International Power (MIP) übertragen. An dem Punkt trifft der Handlungsstrang wieder mit Grasser zusammen. Die Hausdurchsuchung soll nämlich auch dem Zweck gedient haben, Licht ins Dunkel rund ums Investment von Grassers Schwiegermutter in die Hypo Alpe Adria zu bringen. Sie habe 500.000 Euro in Genussscheinen der Tilo Berlin Gruppe angelegt. Der Geldfluss nach dem Verkauf der Bayern (783.000 Euro) soll von einem Konto der Schweizer Ferint Treuhand auf ein Konto der Mandarin Group in Liechtenstein gegangen sein. Beim Schweizer Vermögensverwalter von Grassers Schwiegermutter dürften die Ermittler gestern auch gewesen sein - er steht der Mandarin Group nahe.

Meischberger selbst kämpft immer noch mit der Finanz. Laut Informationen des Standard soll er rund 3,3 Mio. Euro Steuern zahlen, Ratenzahlung gibt es nicht - und die Zeit drängt. Sein Haus im 19. Bezirk hat er inzwischen versilbert, weiteres Geld wird noch gesucht. (Renate Graber, Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 13.4.2011)

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