AMS sieht Betriebe bei Fortbildung gefordert

12. April 2011, 17:19
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Ausbildungspflicht: Mitterlehner plädiert für Anreize statt Sanktionen

Wien - Wenn AMS und Firmen zusammenkommen, dann decken sich die Interessen nicht zwangsläufig. Wegen der verbesserten Lage am Jobmarkt und der gleichzeitigen Budgetknappheit gibt es heuer deutlich weniger Förderungen für Schulungen und Fortbildungsmaßnahmen.

Hier hätte man aber gern noch mehr Unterstützung für die Betriebe, meinte Aleksandra Izdebska vom Computerfachgeschäft DiTech am Dienstag bei einem Betriebsbesuch von AMS Wien-Vizechefin Inge Friehs. Diese sieht in Zeiten der anziehenden Wirtschaft in Sachen Weiterbildung aber verstärkt die Betriebe gefordert. "Wir konzentrieren unsere Mittel auf jene, die es am schwersten haben." Gemeint sind Kurse für Arbeitslose, nicht Weiterbildung für Menschen, die ohnehin schon im Erwerbsleben stehen. Trotz Kürzungen gibt es allein beim Wiener AMS heuer ein Budget von 330 Millionen Euro.

Beworben wird im Zuge einer Tour durch die Unternehmen gerade das elektronische AMS-Konto. Über dieses Tool können die meisten Dienstleistungen des Arbeitsmarktservice seit einigen Monaten auch dann genutzt werden, wenn man nicht persönlich bei einer AMS-Stelle vorspricht. 1000 Betriebe wurden heuer schon von 100 AMS-Beratern besucht, 27.000 offene Stellen dabei entgegengenommen.

Lehrlinge vermitteln

Dankbar sind mittelständische Betriebe wie DiTech für die AMS-Aktivitäten im Bereich Lehrlinge. Die Diskussion ist ja seit Jahren dieselbe: Trotz neunjähriger Schulpflicht beklagen viele Betriebe die mangelhafte Ausbildung der Jugendlichen. Aktuell wird auf Vorschlag von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) gerade diskutiert, ob man nicht auch nach der Schule eine Ausbildungspflicht - verbunden mit einem Streichen der Familienbeihilfe bei Verstößen - einführen sollte. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) schlägt statt Sanktionen Anreize wie etwa Coaching-Maßnahmen für Jugendliche vor.

Bei DiTech greift man bereits jetzt oft auf AMS-Dienstleistungen zurück. Wird eine Lehrstelle ausgeschrieben, übernehmen AMS und Wirtschaftskammer Vorauswahlen. Von 350 Bewerbungen bleiben so nur mehr rund 100 Jugendliche über, mit denen dann tatsächlich Bewerbungsgespräche geführt werden. Wobei der Andrang dennoch riesig ist: 350 Bewerbungen gab es auf drei ausgeschriebenen Stellen. Wer nicht in der Privatwirtschaft unterkommt, wird in einer Lehrwerkstätte ausgebildet. Das AMS lässt sich das einiges kosten: 15.000 Euro pro Platz, rechnet Friehs vor. (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 13.4.2011)

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