Der exquisite Lebensstil der Römer am Magdalensberg

12. April 2011, 17:09
1 Posting

Die Kärntner, die zur Zeit der Römer in der Stadt am Magdalensberg lebten, pflegten die mediterrane Küche und wollten durch Verschwendung imponieren

Das und mehr haben Archäologen aus Steinfunden abgelesen.

* * *

Die Lage war vor allem in strategischer Hinsicht günstig: In rund 1000 Metern Höhe gründeten oberitalienische Siedler 30 bis 40 vor Christus am Hang des Magdalensbergs in Kärnten eine kleine Stadt. Sie florierte vermutlich rund 75 Jahre lang als Handelsplatz und Zentralort, bis das damalige Königreich Noricum als Provinz in das Römische Reich eingegliedert wurde.

Ab diesem Zeitpunkt war eine militärische Verteidigung der Kommune anscheinend nicht mehr erforderlich. Man baute im nahegelegenen Zollfeld die neue Provinzhauptstadt Virunum und gab die Bergsiedlung auf. Sie geriet in Vergessenheit, bis 1502 ein Bauer dort eine antike Statue fand, den berühmten "Jüngling vom Magdalensberg" .

Wissenschaftliche Grabungen haben seit dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche Siedlungsreste ans Tageslicht gebracht, sowohl im Zollfeld als auch am Magdalensberg. Am letzteren Standort hat das Kärntner Landesmuseum eine Zweigstelle eingerichtet. Viele Funde wie Gebäudefundamente, Kunstwerke, Töpferwaren und Metallgegenstände wurden bereits eingehend untersucht. Die beiden Städte hatten es dank Metallhandels und der Verarbeitung von "norischem Eisen" zu Wohlstand gebracht. Doch einiges ist noch unerforscht. Jetzt nimmt die Archäologin Alexandra Steiner mit Unterstützung durch den Wissenschaftsfonds FWF erstmals sämtliche Steinobjekte vom Magdalensberg unter die Lupe.

Das Projekt ist klassische Basisforschung. Steiner katalogisiert die Funde, fotografiert und zeichnet sie und überprüft die Grabungstagebücher, um jedes Artefakt möglichst genau einordnen zu können. Zudem müssen die Fundstelle und die Datierung abgeglichen werden - fast schon eine Herkulesarbeit. Bislang hat die Forscherin mehr als 1000 Objekte wissenschaftlich erfasst. "Ich erwarte eigentlich noch so zweitausend mehr" , berichtet sie dem STANDARD.

Selbstversorger

Die Anzahl der Alltagsgegenstände ist außergewöhnlich hoch, betont Steiner. Früher wurden diese Objekte in der Forschung kaum beachtet, doch genau sie offenbaren soziale Aspekte des damaligen Lebens in der Siedlung. Ein interessantes Beispiel sind die zahlreichen Mühlsteine und Mörser, die in der Bergsiedlung gefunden wurden. Erstere sind meist nur klein und wurden von Hand betrieben, wahrscheinlich zum Mahlen von Getreide. Fast jedes Haus hatte offenbar ein solches Werkzeug sowie einen Mörser, erklärt Steiner. "Am Magdalensberg scheint man Selbstversorger gewesen zu sein." In großen Teilen des Römischen Reiches dagegen aß die Bevölkerung vor allem in Garküchen, so die Archäologin.

Die Menschen in der Bergstadt pflegten anscheinend einen mediterranen Lebensstil. Etwa die Hälfte der ausgegrabenen Amphorenreste weist noch Spuren von Olivenöl auf. Importiert wurde das begehrte Gut aus Istrien. Dort gab es bereits vor 2000 Jahren ausgedehnte Olivenhaine. Auch Garum, die berühmte römische Würzsauce aus vergorenem Fisch, ließen die Bewohner des Magdalensbergs aus dem Süden kommen.

Die Geologie wird in Alexandra Steiners Forschungsprojekt eine wichtige Rolle spielen. "Das Material, welches verwendet wurde: Ist es einheimisch oder importiert?" Auch diese Information gibt Aufschluss über das wirtschaftliche Leben in der Stadt am Magdalensberg. Die Archäologen haben diverse Marmorobjekte gefunden. Der Rohstoff, aus dem diese gehauen wurden, stammte vornehmlich aus Steinbrüchen in der Region. Bei Gummern westlich von Villach zum Beispiel wird schon seit der Antike Marmor abgebaut.

Laut petrochemischen Analysen wurde Gestein von dort in Virunum und auf dem Magdalensberg verarbeitet. Das Material stand im damaligen Kärnten offenbar reichlich zur Verfügung. Der Marmorluxus spiegelt sich auch im alltäglichen Leben wider, da das Material nicht nur für Statuen und Grabsteine verwendet, sondern auch für profane Zwecke genutzt wurde.

Bei den Virunumer Götterstatuen sah das anders aus. Hier kam auch Importware zum Einsatz. "Griechischer Marmor aus Tharsos war natürlich viel teurer" , betont Steiner. Doch die Hälfte der Statuen aus dem Tempelbezirk wurde aus solchem kostbaren Gestein gefertigt. Schöner ist es zwar nicht, und auch nicht verwitterungsbeständiger. "Es ist eine Prestigesache, wenn man in der Provinz einen solchen Marmor verwendet, der sich optisch nur wenig vom einheimischen unterscheidet" , sagt Steiner. Mit anderen Worten: Die Noriker wollten imponieren. Durch Verschwendung. Die Herstellung der Objekte fand aber vor Ort statt. Es wurden Halbfabrikate, Werkzeuge sowie Marmor-Abschlag gefunden. Statuen und dergleichen zu importieren wäre zu schwierig gewesen, also holte man entweder die Bildhauer ins Land, oder es gab einheimische Künstler. Am Magdalensberg, so Alexandra Steiner, lag somit die früheste römische Steinmetzwerkstätte Österreichs. (Kurt de Swaaf/DER STANDARD, Printausgabe, 13.04.2011)

 

  • Diese römische Büste zählt zu den früheren Funden aus Magdalensberg.
    foto: aus g. piccottini, „die römer in kärnten“ (klagenfurt 1989)

    Diese römische Büste zählt zu den früheren Funden aus Magdalensberg.

Share if you care.