Gelbe Post breitet sich mit oranger Post aus

12. April 2011, 17:26
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Zettelverteiler Feibra zieht Billigschiene für Massenbriefsendungen auf

Wien - Die Post macht sich bald selbst Konkurrenz und züchtet sich einen hauseigenen "Rosinen-Picker". Der heißt Feibra, ist seit 2002 eine Post-Tochter und Österreichs größter Werbezettelverteiler. Feibra hat bei der Regulierungsbehörde eine Lizenz für die Zustellung adressierter Sendungen (Briefe) beantragt und will mit selbiger eine Billigschiene aufziehen, bestätigte Post-Generaldirektor Georg Pölzl am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Das freilich nur in Ballungsräumen, an denen der Werbemittelverteiler präsent ist, also in Ostösterreich. Zielgruppe sind Banken, Telekomfirmen und Energieversorger, also Betriebe, die regelmäßig Rechnungen oder Kontoauszüge verschicken. Ihnen will die Post billigere Dienstleistungen anbieten, insbesondere adressierte Massensendungen, die nicht am Tag nach der Abgabe auf dem Postamt oder dem Einwurf in den Postkasten (E plus 1) dem Empfänger zugestellt werden müssen.

Dass sich die Post damit ihr eigenes Kerngeschäft kannibalisiert, fürchtet Pölzl nicht. Im Gegenteil, man sichere sich so ein Marktsegment, ehe die Liberalisierung des Postmarkts auch in Österreich richtig losgehe. "Feibra wird sicher nicht das Geschäftsmodell der Post kopieren und dann unter Kosten Briefe austragen", versicherte Pölzl.

Die Postgewerkschaft sieht das nicht so entspannt. Ihr sind Bezahlung und Werkverträge der selbstständigen Werbezettelverteiler schon lang ein Dorn im Auge. Verhindern kann sie die Ausbreitung der Feibra aber nicht. Im Gegenteil, nicht einmal die Anwendung des vor knapp zwei Jahren ausverhandelten neuen (und für den Dienstgeber billigeren) Post-Kollektivvertrags in der Feibra ist ausgemacht. Laut Postmarktgesetz muss ein Unternehmen mit Brief-Zustell-Konzession einen in Österreich gültigen KV anwenden; welchen, bleibt ihm selbst vorbehalten.

"Wir beobachten das mit Argusaugen", sagt der Vorsitzende des Zentralausschusses der Post, Helmut Köstinger, man habe auch keine Freude mit der Entwicklung. Aber ohne Billigschiene würde das Geschäft wahrscheinlich die Konkurrenz machen. Das Post-Management habe aber zugesagt, dass keine Mengen im großen Stil von der klassischen Briefzustellung abgezogen würden. "Hält sich die Post nicht daran, wissen wir uns zu verhalten", stellt Köstinger auf Standard-Anfrage klar.

Verkürzen will die Post die Wartezeiten an den Schaltern in den Postämtern - primär aber nicht durch mehr Personal, aber durch bessere Personaleinsatzplanung und Kundenführung, wie Pölzl verspricht. Auch die IT-Systeme sollen verbessert werden, um Abläufe zu beschleunigen. (ung, DER STANDARD, Printausgabe, 13.4.2011)

  • Werden neben Prospekten bald auch Telefonrechnungen oder Kontoauszüge 
austragen: die Zettelverteiler der Post-Tochter Feibra.
    foto: urban

    Werden neben Prospekten bald auch Telefonrechnungen oder Kontoauszüge austragen: die Zettelverteiler der Post-Tochter Feibra.

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