Zettelverteiler Feibra zieht Billigschiene für Massenbriefsendungen auf
Wien - Die Post macht sich bald selbst Konkurrenz und züchtet sich einen
hauseigenen "Rosinen-Picker". Der heißt Feibra, ist seit 2002 eine Post-Tochter
und Österreichs größter Werbezettelverteiler. Feibra hat bei der
Regulierungsbehörde eine Lizenz für die Zustellung adressierter Sendungen
(Briefe) beantragt und will mit selbiger eine Billigschiene aufziehen,
bestätigte Post-Generaldirektor Georg Pölzl am Dienstag im Klub der
Wirtschaftspublizisten.
Das freilich nur in Ballungsräumen, an denen der Werbemittelverteiler präsent
ist, also in Ostösterreich. Zielgruppe sind Banken, Telekomfirmen und
Energieversorger, also Betriebe, die regelmäßig Rechnungen oder Kontoauszüge
verschicken. Ihnen will die Post billigere Dienstleistungen anbieten,
insbesondere adressierte Massensendungen, die nicht am Tag nach der Abgabe auf
dem Postamt oder dem Einwurf in den Postkasten (E plus 1) dem Empfänger
zugestellt werden müssen.
Dass sich die Post damit ihr eigenes Kerngeschäft kannibalisiert, fürchtet
Pölzl nicht. Im Gegenteil, man sichere sich so ein Marktsegment, ehe die
Liberalisierung des Postmarkts auch in Österreich richtig losgehe. "Feibra wird
sicher nicht das Geschäftsmodell der Post kopieren und dann unter Kosten Briefe
austragen", versicherte Pölzl.
Die Postgewerkschaft sieht das nicht so entspannt. Ihr sind Bezahlung und
Werkverträge der selbstständigen Werbezettelverteiler schon lang ein Dorn im
Auge. Verhindern kann sie die Ausbreitung der Feibra aber nicht. Im Gegenteil,
nicht einmal die Anwendung des vor knapp zwei Jahren ausverhandelten neuen (und
für den Dienstgeber billigeren) Post-Kollektivvertrags in der Feibra ist
ausgemacht. Laut Postmarktgesetz muss ein Unternehmen mit
Brief-Zustell-Konzession einen in Österreich gültigen KV anwenden; welchen,
bleibt ihm selbst vorbehalten.
"Wir beobachten das mit Argusaugen", sagt der Vorsitzende des
Zentralausschusses der Post, Helmut Köstinger, man habe auch keine Freude mit
der Entwicklung. Aber ohne Billigschiene würde das Geschäft wahrscheinlich die
Konkurrenz machen. Das Post-Management habe aber zugesagt, dass keine Mengen im
großen Stil von der klassischen Briefzustellung abgezogen würden. "Hält sich die
Post nicht daran, wissen wir uns zu verhalten", stellt Köstinger auf
Standard-Anfrage klar.
Verkürzen will die Post die Wartezeiten an den Schaltern in den Postämtern -
primär aber nicht durch mehr Personal, aber durch bessere Personaleinsatzplanung
und Kundenführung, wie Pölzl verspricht. Auch die IT-Systeme sollen verbessert
werden, um Abläufe zu beschleunigen. (ung, DER STANDARD, Printausgabe, 13.4.2011)