Die ersten Galaxien entstanden noch früher als gedacht

12. April 2011, 16:11
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Weltraumteleskop "Hubble" entdeckt mit Hilfe des Gravitationslinsen-Effekts 13,5 Milliarden alte Sterne

Washington/Paris - Eine aktuelle Entdeckung gewährt Kosmologen neue Einblicke in die Entstehungszeit der allerersten Galaxien des Universums; möglicherweise müssen durch den Fund bisherige Annahmen über die Entwicklungsgeschichte des Alls revidiert werden.  Die Sterne einer nun entdeckten Galaxie bildeten sich nämlich offenbar bereits vor 13,5 Milliarden Jahren, also 200 Millionen Jahre nach dem Urknall, wie Astronomen der amerikanischen und europäischen Weltraumorganisationen NASA und ESA aus Daten des Weltraumteleskops "Hubble" schließen. Die Galaxie selbst zählt somit zu den jüngsten bekannten Sternsystemen.

Erst im Jänner hatte "Hubble" eine Galaxie gefunden, die rund 13,2 Milliarden Jahre alt ist. Für die Astronomen weist die neue Entdeckung darauf hin, wie früh sich nach dem Urknall Sterne und Galaxien gebildet haben. "Die ersten Galaxien müssen schon viel länger da sein, als wir zunächst dachten", erklärte Dan Stark vom internationalen Forscherteam.

Die neu entdeckte Galaxie war für die Wissenschafter nur mit Hilfe einer kosmischen Lupe, einer sogenannten Gravitationslinse, zu erkennen. Das Sternsystem liegt hinter einem Galaxiehaufen namens Abell 383, der mit der Kraft seiner Masse Lichtstrahlen ablenkt und damit verstärkt. Selbst die größten heute verfügbaren Teleskope hätten die lichtschwache Galaxie ohne den Gravitationslinsen-Effekt nicht wahrnehmen können. Die Astronomen untersuchten das Lichtspektrum der Galaxie und konnten so ihre Entfernung und das Alter ihrer Sterne ermitteln.

"Hubble"-Nachfolger soll weitere Erkenntnisse  bringen

Mit der Erforschung der ersten Galaxien hoffen die Wissenschaftler auch das Rätsel zu lösen, wie sich nach dem Urknall ultraviolettes Licht im finsteren Weltraum ausbreiten konnte. Davor - im sogenannten Kosmischen Dunklen Zeitalter - schluckte ein diffuser Nebel aus Wasserstoffgas nahezu jedes Licht. Die Astronomen vermuten, dass die ersten Sternsysteme mit ihrer Strahlung das Gas ionisiert und damit den Nebel gelichtet haben. Endgültige Erklärungen erwarten sie mit der Technik des "Hubble"-Nachfolgers "James Webb", der frühestens 2014 ins All gebracht werden soll. (red/APA)

  • Der Galaxien-Cluster Abell 383 vereint so viel Masse, dass er dahinter liegende, weit entfernte und lichtschwache Objekte um ein Vielfaches heller und dadurch von der Erde aus beobachtbar macht.
    foto: nasa, esa, j. richard (cral) and j.-p. kneib (lam)

    Der Galaxien-Cluster Abell 383 vereint so viel Masse, dass er dahinter liegende, weit entfernte und lichtschwache Objekte um ein Vielfaches heller und dadurch von der Erde aus beobachtbar macht.

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