Ferrari legt Boxenstopp in Maranello ein

12. April 2011, 15:38
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Chef-Triumvirat auf der Suche nach fehlenden Sekunden, Weiterentwicklungen sollen nach enttäuschendem Saisonstart beschleunigt werden

Shanghai - Für die Jagd auf Sebastian Vettel nehmen die Teamverantwortlichen von Ferrari zusätzliche Reisestrapazen in Kauf. Rennstallchef Stefano Domenicali, der Technische Direktor Pat Fry und Designchef Aldo Costa unternahmen vor dem dritten Formel-1-Saisonrennen in China von Malaysia aus einen Umweg in die Teamfabrik nach Maranello. Die Scuderia hofft, die für einen späteren Zeitpunkt geplant gewesenen Weiterentwicklungen schon am Sonntag in Shanghai einsetzen zu können.

"Ich bin definitiv nicht zufrieden damit, wie die Saison begonnen hat", stellte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo klar, "aber ich habe vollstes Vertrauen in die Leute hier. Dass sie wissen, wie sie auf so eine schwere Situation zu reagieren haben". Platz fünf für Fernando Alonso und Rang sechs für Felipe Massa in der Fahrerwertung - nach den ersten beiden Rennen fährt die "Scuderia" dem Ziel WM-Titel klar hinterher.

Dass die Italiener schon in China entscheidend zu Red Bull und WM-Spitzenreiter Vettel aufschließen können, glaubt allerdings selbst Di Montezomolo nicht. "Ich denke, Ferrari kann nicht in einer Woche die Wende schaffen", meinte er auf der Homepage des Traditionsrennstalls. Während die Crew bereits in Shanghai ist, sollen die Chefs am Firmensitz herausfinden, warum die Leistung auf dem Asphalt nicht der im Windkanal entspricht. "Ein kniffliges Unternehmen", räumte der Rennstall selbst ein.

Die wunderbare Reise des Herrn Newey

Bei Red Bull ist Chefdesigner Adrian Newey ein Gutteil des Erfolgs zuzuschreiben. Das weiß auch die Konkurrenz. Unter anderem soll sich auch Ferrari bemüht haben, den Sieggaranten abzuwerben - vergeblich. Nicht nur Vettel band sich weiter bis 2014 an Red Bull, auch Newey soll einen langfristigen Kontrakt unterzeichnet haben. Er erstellt seine Entwürfe nicht am Computer, sondern am Reißbrett. Dem ersten Raunen und Staunen über Neweys Geistesblitze folgt jedoch nicht selten Argwohn.

Auch in dieser noch so jungen Saison äußerte Rivale McLaren bereits Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Red-Bull-Frontflügels. Verdacht unbegründet, stellte der Internationale Automobilverband aber klar. "Man muss die Regeln studieren und schauen, welche Möglichkeiten sie eröffnen und welche Gebiete man dadurch erkunden kann", lautet das Credo des 2006 zu Red Bull gekommenen Newey.

Gut vier Jahre später ist der studierte Luftfahrtingenieur wieder dort, wo er mit Williams und McLaren schon war: Ganz oben. "Eine fantastische Reise", sagte der 62-Jährige nach dem Double mit dem Fahrer- und Konstrukteurstitel für Red Bull im vergangenen Jahr. "Wir alle wissen, was wir an ihm haben", sagte Vettel über Newey: "Wenn ich bei ihm in England in der Fabrik vorbeischaue und all die Schablonen, Lineale und Zirkel auf dem Tisch liegen sehe, dann ist das schon was Besonderes."

Dass Newey selbst leidenschaftlich gerne Rennen fährt, macht das Verständnis für die Bedürfnisse der Piloten noch größer. Besonders willkommen sind Newey gravierende Regeländerungen. "Das erlaubt es einem, sich mit einem weißen Blatt Papier in der Hand zurückzulehnen, um von den ersten Grundlagen ausgehend die besten Lösungsmöglichkeiten zur Umsetzung dieser Regeln auszutüfteln", erklärte der aus der Shakespeare-Stadt Stratford upon Avon stammende Brite. (APA/red)

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    Erwischt! Dieser Ferrari-Prototyp wird in China jedoch noch nicht am Start sein...

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