"Schade, dass viele Freie Software-Leute kritisch zu Android stehen"

12. April 2011, 15:05
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Ubuntu-Gründer: Es wird zu viel Energie auf Differenzen verwendet - Wenig Geld mit Enterprise-Angeboten

In einem aktuellen Interview mit der britischen Linux User zeigt sich Ubuntu-Gründer und Software-Milliardär Mark Shuttleworth über die oft negative Herangehensweise der Linux-Welt auf unterschiedliche Softwareansätze enttäuscht: "Es ist seltsam, dass wir so viel Energie darauf verwenden, unterschiedliche Unternehmenskonzepte herabzusetzen, anstatt einfach weiter zu machen und uns an den resultierenden Früchten zu erfreuen".

Android

Die Aussage von Shuttleworth fällt dabei im Zusammenhang mit Android. Der Ubuntu-Gründer betont zudem, dass es sehr schade sei, dass so viele Leute aus dem Umfeld der freien Software Google - und vor allem der Art der Android-Entwicklung - kritisch gegenüber stehen. Er selbst bevorzuge zwar auch den "klareren" Linux-Stack wie ihn Ubuntu einsetzt - Google hat hier ja einige umstrittene Anpassungen für Android vorgenommen - aber es sei an sich einfach nur großartig, dass es ein dermaßen konzentriertes Investment in freie Software gibt, wie es Google mit Android praktiziert. Jeder Hersteller habe unterschiedliche Einschränkungen und Herangehensweisen, keine davon sei implizit "moralischer" als eine andere.

Red Hat

So würden ja selbst das oft als Open-Source-Vorbild hingestellte Red Hat mittlerweile diverse Einschränkungen vornehmen. Shuttleworth verweist darauf, dass das Unternehmen die Patches für seine Enterprise-Linux-Distribution mittlerweile nicht mehr einzeln dokumentiert, sondern als großen Code-Drop zur Verfügung stellt. Damit wolle man das direkte Kopieren durch Unternehmen wie Oracle oder Novell verhindern, interpretiert der Ubuntu-Gründer die Motivation des Mitbewerbers. Er selbst hält diesen Schritt für falsch, jene die nur nachahmen würden auf Sicht ohnehin keine Chance im Markt haben.

MeeGo

Diplomatisch gibt sich Shuttleworth, wenn er auf Intel und Nokias MeeGo angesprochen wird: "Wir wünschen ihnen alles Gute", heißt die Antwort des Südafrikaners. Die eigenen Ambitionen rund um MeeGo hat man mit dem Wechsel des mobilen Linux zu einem RPM-basierten Paketsystem und weg von Ubuntu als Basis ja schon vor einiger Zeit begraben.

Finanzen

Die kommerziellen Erfolge Canonicals im Enterprise-Bereich halten sich derzeit noch in engen Grenzen, das Support-Angebot sei noch nicht sonderlich lukrativ. Gleichzeitig wachse die eigene KundInnenliste aber rasch, dies vor allem in den USA und EU. Finanziell ist Canonical also auch auf absehbare Zeit weitgehend von den Zuwendungen Shuttleworths abhängig. (red, derStandard.at, 12.04.11)

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