Stanglbar

    12. April 2011, 14:02
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    Das Rotlicht-Pendant zum Schachtelwirt

    Unlängst hörte ich jemanden über einen gemeinsamen Bekannten, Herrn H., sagen, dass dieser gerne hin und wieder eine "Stanglbar" besuche. Die p.t. Leserinnen und Leser werden unschwer erkennen, dass es sich bei dieser sprachlich gewissermaßen um das Rotlicht-Pendant zum Schachtelwirt handelt. Da wie dort wird ein besonders hervorstechendes Merkmal des jeweiligen Betriebes herangezogen, um diesen näher zu kennzeichnen. Im einen Falle sind es die Schachteln, in denen Hamburger oder Fritten an die Kundschaft ausgefolgt werden; im anderen Falle sind es die Stangen, an denen meist knapp bekleidete Damen anregende Tänze aufführen. Durch die Verwendung des Diminutivs "Stangl" anstatt der stattlicheren Stange erhält der Ausdruck eine speziell gemütliche Note, für die das Wienerische ja bekannt ist. Leser aus dem Auslande seien darauf hingewiesen, dass das Verbum "stangeln" aber nicht "am Stangl tanzen" bedeutet. Vielmehr bedeutet "stangeln" soviel wie "schwänzen", also "Schule stangeln" = "Schule schwänzen". Wie auch immer: Ich ersuche die verehrten Wörterbuchkonsumenten, jetzt nicht zu stangeln, wo es darum geht, in einem Akt der Schwarmintelligenz möglichst viel erhellende Assoziationen zum Thema Stange im allgemeinen und Stanglbar im besonderen zusammenzutragen.

    Von Christoph Winder
    Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
    Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbetenan christoph.winder@derStandard.at

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