Zeuge verteidigt umstrittenes Deutschland-Gutachten

12. April 2011, 13:46
posten

Wiener Neustadt - Am heutigen 25. Verhandlungstag des Libro-Strafprozesses wurden die Zeugeneinvernahmen fortgesetzt. Mitarbeiter des mitangeklagten Libro-Wirtschaftsprüfers Bernhard Huppmann wurden zu Details seiner Prüfungen der bald nach dem Börsegang in die Insolvenz geschlitterten Buchhandelskette befragt - und gaben, soweit sie sich noch an die Vorgänge vor über einem Jahrzehnt erinnern konnten, darüber auch Auskunft. Der damalige Zweitunterzeichner der Libro-Jahresabschlüsse und Huppmanns Partner als Wirtschaftsprüfer bezeichnete das umstrittene KPMG-Gutachten für Libro Deutschland als "Start-up-Gutachten" für ein Unternehmen der "New Economy", das nach dem damaligen Stand der Technik angefertigt worden sei.

Die Anklage wirft den Beschuldigten vor, unter anderem mit einem zu positiven Gutachten für Libro Deutschland die Libro-Bilanz geschönt zu haben und eine Sonderdividende für die "Altaktionäre" vor dem Börsegang von Libro im November 1999 aus der Handelskette geholt zu haben. Die Ex-Libro-Manager Andre Rettberg und Johann Knöbl, Ex-UIAG-Chef und Ex-Libro-Aufsichtsratspräsident Kurt Stiassny, AR-Vizepräsident Christian Nowotny sowie der frühere Libro-Wirtschaftsprüfer Bernhard Huppmann weisen die Vorwürfe zurück.

Der nunmehr im Zeugenstand stehende Partner von Huppmann war im Verfahren auch schon selber als Beschuldigter geführt worden. Richterin Birgit Borns verwies auf seine damaligen Notizen, in denen er Huppmann mit Fragen konfrontierte. "Hast du ein 'gutes Gefühl' bei der Bewertung der Librodisk Rosenheim?", hatte er damals seinen Partner gefragt. Die Aufwertung von Libro Deutschland sei bei weitem der größte Posten gewesen, und seine Aufgabe als begleitender Partner sei es eben gewesen, große Positionen in der Bilanz zu hinterfragen, meinte der Zeuge heute. Er habe die Prüfung nur zweitunterzeichnet, Prüfungshandlungen habe er selber keine gesetzt.

Das Kind beim Namen nennen

Weiters hatte der Zeuge damals Huppmann gefragt: "Warum verstecken wir uns hinter Paragrafen und nennen das Kind nicht beim Namen?" Er habe damals eben ausdrücken wollen, dass es sich um eine Einbringung mit Aufwertung gehandelt habe, erläuterte er heute im Zeugenstand. Auch auf Bedenken des Zweitunterzeichners hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage der Libro-Handelskette wies Richterin Borns hin. So hatte er damals notiert: "Der Erwerb des Landesverlags hat offenbar viele Kennzahlen deutlich verschlechtert."

Die als erste Zeugin geladene frühere Mitarbeiterin von Huppmann kam zu spät ins Landesgericht, weil sie keinen Parkplatz rund ums Gerichtsgelände mehr finden konnte. Sie sei damals in Ausbildung zur Revisionsassistentin gewesen, so die nunmehrige Steuerberaterin. Richterin Borns befragte sie zur Bewertung eines Schweizer-Franken-Kredits, zum Mietvertrag mit dem Steffl und einem Pre-Opening-Zuschuss von 8 Millionen Schilling, sowie zur "Filiale 99", wo die Restwaren gebucht wurden. "Die Letztentscheidung hat immer Dr. Huppmann getroffen", sagte sie. Die Vorgänge habe sie nur dank der von der Richterin geschickten Unterlagen rekonstruieren können.

Auch eine weitere Zeugin, ebenfalls frühere Mitarbeiterin des Libro-Wirtschaftsprüfers, konnte sich nur mehr mit Hilfe der Unterlagen an die umstrittenen Bilanzierungsvorgänge erinnern. Dass in einem Memo zum Jahresabschluss vom 28. Februar 2000 bei Libro Deutschland auch von möglicher Zahlungsunfähigkeit die Rede gewesen sei, das wusste sie nicht.

Morgen, Mittwoch, wird das Verfahren mit Protokollberichtigungen fortgesetzt. Der mitangeklagte Ex-Libro-Finanzvorstand Knöbl will eine Erklärung zum Verfahrensstand abgeben. Dann geht der Prozess am 23. Mai mit Zeugenbefragungen weiter. (APA)

Share if you care.