Der Fluch der Akribik

12. April 2011, 12:40
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Wie für einen Bankkunden die "astronomische" Summe von 3,20 Euro zum Kampf gegen Windmüh­len führte und wie sich ein Gesetz schnell ins Nichts auflösen kann

"Schön, dass es eine Bank gibt, die mitten im Leben steht", so der Werbeslogan. An Euphorie mangelt es der Bawag jedenfalls nicht. Mitten im Leben - nämlich in dem für Österreich bekannten Bürokratie-Dschungel - fand sich auch Herr Kramer*, Geschäftsmann und jahrzehntelanger Kunde bei der Cerberus-Tochter wieder. Schreck Nummer eins: Das Konto seiner Bekannten wies nach acht Jahren erstmals einen Fehlbetrag von 3,20 Euro auf, die Kreditrate wurde dadurch mittels Abbuchungskonto nicht bedient. Null Kulanz, null Toleranz? "Diese Vorgänge sieht kein Mitarbeiter. Das macht ein Computer", so die Bawag in einer Stellungnahme zu derStandard.at. Schnurstracks macht sich Herr Kramer auf den Weg, um die ausstehende Schuld namens der Bekannten direkt und unverzüglich am Bankschalter einzuzahlen. Mittels Überweisung, wohl gemerkt. Doch damit nahm das Schicksal seinen Lauf und führt zu Schreck Nummer zwei: Er sei nicht zeichnungsberechtigt - das stünde so im Gesetz, lässt ihn die Bankangestellte wissen.

Die Nerven gespannt, doch mit bemühter Freundlichkeit versucht es Herr Kramer mit einer Bargeldeinzahlung. Dafür muss er eine Gebühr von 3,90 Euro ablegen. 3,90 Euro für 3,20 Euro. Angesichts des "astronomischen" Betrags ein Goliath gegen einen David. So empfindet auch der Kunde - der Kleine wird zur Nummer, geschröpft und muss sich einer Obrigkeit beugen. System ist System. Unverständnis beginnt zu keimen - ist es wirklich das Ziel einer Bank, auf Kosten von Menschlichkeit und Kundenservice alles durch zu regulieren, um den kleinen Sparer finanziell auszuquetschen? Doch ein Don Quichote gibt bekanntlich nicht so schnell auf und so wendet er sich, von neuerlichem Ehrgeiz gepackt, telefonisch an die Bawag-Zentrale, Abteilung Beschwerdestelle. Dort weiß man nichts von einem "Gesetz", spricht aber von einer bankinternen Regelung. An selbiger Stelle will man auf derStandard.at-Anfrage nichts von einer solchen wissen. Und das mit der Unmöglichkeit einer Überweisung auf ein Fremdkonto? Auch davon hat die sichtlich bemühte Ombudsdame noch nie etwas gehört. Da müsse schon eine Menge an Kommunikation schiefgelaufen sein. Immerhin: Sie entschuldigt sich für die Pannen bei der Bawag.

"Im Zahlungsverkehr (...) spielt die Bawag P.S.K. seit jeher in der ersten Liga." Ja, ja, es leben die Windmühlen. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 12.4.2011)

*Name von der Redaktion geändert.

  • Wenn der Amtsschimmel drei Mal wiehert...
    foto: standard/matthias cremer

    Wenn der Amtsschimmel drei Mal wiehert...

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