Staatsoper bringt "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny"

12. April 2011, 12:38
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Fünf Opern-Premieren und sechs Wiederaufnahmen geplant - "Cosi fan tutte" ist rausgeflogen

Wien - Fünf Opern-Premieren, darunter mit Janaceks "Aus einem Totenhaus" und "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" von Kurt Weill zwei Erstaufführungen im Haus am Ring, bietet die Wiener Staatsoper in der Spielzeit 2011/12, der zweiten der Direktion von Dominique Meyer und Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst. Sechs Wiederaufnahmen sollen dafür sorgen, dass das in der kommenden Saison 52 Titel umfassende Repertoire aufgefrischt wird. Dazu kommen zwei Ballett-Premieren. Wesentliche Neuerungen betreffen den musikalischen Bereich: Mit regelmäßigen Kammermusikabenden von Ensembles der Wiener Philharmoniker und Solistenkonzerten von Spitzensängern wird das Opernhaus auch zum hochkarätigen Konzertveranstalter.

"Wir sind seit einem halben Jahr da und haben schon viel erlebt", sagte Meyer bei der Spielzeit-Pressekonferenz am Dienstag. "Es ist eine große Freude, hier in dieser Stadt zu arbeiten, wo alle mit der Oper atmen, und wo die kleinste Sängererkältung eine Staatsaffäre wird. Es ist etwas anderes, das zu wissen und es dann selbst zu erleben." Es sei vielleicht nicht alles zu 100 Prozent erfolgreich gewesen, so sei etwa über die Mozart-Premieren "mehr diskutiert" worden, doch "die Zahlen sind extrem gut": Mit Stand 7. April betragen die Jahres-Einnahmen 21,182 Mio. Euro und damit rund 1 Mio. mehr als zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr. Mit 2,247 Mio. Euro liegt man derzeit bei den Einnahmen über dem Budgetplan, mit 105.000 Euro Durchschnittseinnahme pro Vorstellung liegt man auch hier über Plan. Die Gesamtauslastung beträgt derzeit 98,58 Prozent, im Opernbereich 99,76 Prozent (ein Prozentpunkt mehr als vor einem Jahr).

Es beginnt mit "La Traviata"

Jean-Francois Sivadier inszeniert die Eröffnungspremiere, "La Traviata" von Giuseppe Verdi (9. Oktober), Bertrand de Billy dirigiert die Koproduktion mit Aix, Natalie Dessay singt die Violetta. Peter Konwitschny inszeniert "Aus einem Totenhaus", eine Koproduktion mit dem Opernhaus Zürich. Unter dem Dirigat von Franz Welser-Möst singt u.a. Ensemble-Rückkehrer Herbert Lippert. "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" wird von Ingo Metzmacher dirigiert und von Jerome Deschamps inszeniert. Regisseur Jürgen Flimm kommt wieder: Mozarts "La Clemenza di Tito" ist eine Koproduktion mit der Berliner Staatsoper, kommt jedoch in Wien heraus (am 17. Mai 2012). Louis Langree dirigiert, es singen u.a. Michael Schade, Juliane Banse, Elina Garanca. Und schließlich dirigiert Franz Welser-Möst Verdis "Don Carlo" (Regie: Daniele Abbado), Rene Pape, Ramon Vargas, Simon Keenlyside und Kollegen werden die italienische Fassung singen.

Die vorgesehene sechste Premiere, Mozarts "Cosi fan tutte", wurde nach vehementen Bedenken des Generalmusikdirektors gestrichen. "Ich bin nicht taub und ich bin nicht blind", meinte Meyer auf Nachfrage: "Wenn es kein Einverständnis gibt zwischen Dirigent und Regisseur kann man ein Projekt nicht weitermachen. Ich kann nicht mit 300 km/h auf der Autobahn fahren und direkt auf eine Mauer zurasen. Die derzeitige "Cosi" sei jedoch für das Repertoire technisch sehr problematisch und benötige viel Umbauzeit. "Wir werden vielleicht noch etwas Zeit brauchen, um die richtige Lösung zu finden, aber ich verstehe auch, wenn etwas nicht geht."

Premieren von Barockopern, an denen bekanntlich das Herz des Direktors hängt, "können wir nicht in jeder Spielzeit machen", sagte Dominique Meyer und freute sich über den Riesen-Erfolg und eine hundertprozentige Auslastung der "Alcina", die in der kommenden Saison im September und Oktober für vier Vorstellungen auf dem Spielplan steht.

Wiederaufnahmen

Unter den sechs Wiederaufnahmen findet sich auch eine von Otto Schenk vorgenommene Auffrischung der alten "Die Fledermaus"-Inszenierung, die Welser-Möst dirigiert. Auch die Konwitschny-Inszenierung von "Don Carlos" kommt wieder (Dirigent: Bertrand de Billy).

Die Wiederaufnahmen zeitigen ungewöhnliche Folgen im Spielplan: "Wenn man den ganzen Tag Beleuchtung macht und technische Einrichtung, müsste man am Abend einen Schließtag haben. Das wollten wir nicht. Wir wollten lieber wichtige Sänger auf der großen Bühne haben." So entstand die neue Reihe der Solistenkonzerte, in der 2011/12 Thomas Quasthoff, Michael Schade, Diana Damrau, Roberto Alagna, Edita Gruberova und Matthias Goerne singen werden. Dennoch werde es mit 229 Opern-Vorstellungen um vier mehr geben als in dieser Spielzeit, versicherte der Direktor.

Konzertantes

Ebenfalls neu ist eine Reihe von Kammermusik-Konzerten der Wiener Philharmoniker, denen im Mahler-Saal zehn Samstag-Vormittag-Termine gewidmet sind: "Das war ein Wunsch des Orchesters seit langem." "Positionslichter" heißt eine neue Matinee-Reihe von Welser-Möst selbst, zu der es drei Termine gibt. Der Generalmusikdirektor, dem "die Verbesserung der Dirigentensituation immer ein großes Anliegen" war, zeigte sich erfreut, "dass junge Kollegen nicht nur Erfolg in der ersten Spielzeit hatten, sondern auch Freude daran haben, Repertoire zu dirigieren. Mir ist es ein Anliegen, die junge Generation nicht nur für Wagner und Alban Berg zu interessieren, sondern auch für Puccini, Donizetti und Gounod."

Christian Thielemann wird in der kommenden Saison nicht nur den "Ring", sondern auch "Parsifal" dirigieren, für die Folgesaisonen versprach Welser-Möst auch Dirigenten wie Simon Rattle, Andris Nelsons, Gustavo Dudamel, Christoph Eschenbach oder Daniele Gatti. Auch Anna Netrebko kehrt erst in der übernächsten Saison wieder. Anderslautende Interviews der Sängerin führte Meyer nachsichtig lächelnd auf einen "kleinen Fehler in ihrem Kalender" zurück.

Zwei Ballett-Premieren

"Unser Ballett hat in wenigen Monaten große Fortschritte gemacht", lobte Meyer seinen Ballett-Chef Manuel Legris. Das Staatsballett tanzt in der Staatsoper mit "La Sylphide" und einer "Hommage an Roland Petit" allerdings nur zwei Premieren. Das Repertoire umfasst neun Ballettproduktionen. Dafür erfährt das junge Publikum wieder verstärkte Aufmerksamkeit. Meyer: "Im Dezember wird wahrscheinlich unsere Probebühne fertig sein. Dann kann man hie und da die Hauptbühne haben, um Kindervorstellungen zu machen. In der nächsten Saison spielen wir aber noch im Kinderopernzelt." "Aladdin und die Wunderlampe" wird wieder aufgenommen, "Die Feen" von Richard Wagner feiert in der Regie von Waut Koeken am 3. März 2012 Premiere.

Mit Apps, die es u.a. möglich machen, sich nicht nur den Spielplan, sondern auch Programmhefte herunterzuladen, sowie regelmäßigen Kino-Übertragungen geht die Wiener Staatsoper mit der Zeit. Speziell der TV- und Kino-Erfolg der jüngsten "Anna Bolena"-Premiere bestärkt Dominique Meyer auf diesem Weg: "Wir wollen ja die Metropolitan Opera nicht alleinlassen auf diesem Markt." (APA)

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