Österreicher: Sozial abgesichert, wenig tolerant

12. April 2011, 11:25
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OECD: Unbezahlte Arbeit meist Frauensache - Bei Sozialausgaben liegt Österreich an dritter Stelle

Wie hoch ist die Scheidungsrate? Wie viele Arbeitslose gibt es? Was wird gegen Armut getan? Auf Fragen wie diese gibt die OECD-Studie "Society at a Glance" (Gesellschaft auf einen Blick) Antworten. Sie vergleicht alle zwei Jahre (sozial-)politische Entwicklungen in den OECD-Ländern und liefert einen Überblick über den gesellschaftlichen Zustand im jeweiligen Land. Der thematische Schwerpunkt lag 2011 auf der unbezahlten Arbeit: Kochen, die Pflege von Angehörigen oder Kinderbetreuung.

Laut OECD kommt unbezahlte Arbeit bei der Messung des Wohlstands einer Gesellschaft häufig zu kurz, da sie nicht in die Kalkulation des Bruttoinlandsprodukts (BIP) einfließt. Schätzungen der Studie zufolge würde sich das BIP eines durchschnittlichen OECD-Landes um 30 bis 50 Prozent erhöhen (je nachdem, welcher Stundensatz für die erbrachte Leistung zugrunde gelegt wird), würde unbezahlte Arbeit mit einfließen.

Österreich: 3,4 Stunden pro Tag

Insgesamt verbringt der OECD-Durchschnittsbürger fast dreieinhalb Stunden am Tag mit unbezahlter Arbeit, Österreicher liegen mit 3,4 Stunden leicht unter diesem Schnitt. Ein Großteil der Arbeit umfasst Routinetätigkeiten im Haushalt: Kochen, Putzen, Gartenarbeit und Reparaturen. Mit einigem Abstand folgen die Betreuung von Familienangehörigen oder Mitgliedern des Haushalts und Einkaufen.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Der Frauenanteil überwiegt bei der Verteilung unbezahlter Arbeit. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen liegt bei durchschnittlich 2,5 Stunden pro Tag. Zwischen den einzelnen Ländern gibt es aber große Unterschiede. In der Türkei, Mexiko oder Indien verbringen die Frauen um vier bis 5 Stunden mehr mit unbezahlter Arbeit als die Männer, während in nördlichen Ländern der Unterschied bei weniger als einer Stunde liegt. In Österreich liegen die Frauen bei der unbezahlten Arbeit leicht unter dem OECD-Schnitt, die Männer leicht darüber.

Einige weitere Ergebnisse für Österreich:

  • Die Geburtenrate liegt mit 1,39 Kindern pro Frau unter dem Durschnitt (1,74). Österreich hat die viertniedrigste Geburtenrate.
  • In Österreich kommen auf jede Person, die 65 Jahre oder älter ist, nur dreieinhalb Menschen im erwerbsfähigen Alter. Der OECD-Schnitt legt bei 4,2 Erwerbstätigen.
  • Die Arbeitslosigkeit ist vergleichsweise sehr niedrig. Nur 4,8 Prozent der Menschen sind arbeitslos. (OECD-Schnitt: 8,4 Prozent)Vor Österreich liegen Norwegen, Korea, die Niederlande, und die Schweiz. Bei den Sozialausgaben liegt Österreich nach Schweden und Frankreich an dritter Stelle. Die Anzahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, ist mit 7,2 Prozent niedriger als in den meisten OECD-Ländern.
  • Österreicher sind eher wenig tolerant. Nur 54 Prozent sind der Meinung dass Minderheitengruppen, etwa Einwanderer oder Homosexuelle, in ihrem Wohnort gut leben können. Im OECD-Schnitt sind es immerhin 61 Prozent.
  • Die Wahlbeteiligung ist in allen OECD-Ländern im Sinken begriffen, in Österreich seit den 1980er Jahren um 11 Prozent (OECD-Schnitt)
  • Das Vertrauen in die Institutionen ist in Österreich überdurchschnittlich. Die Korruption in Wirtschaft und Regierung sehen die Österreicher nicht weit verbreitet.
  • Österreich liegt von allen OECD-Ländern auf Platz 2, was die Zufriedenheit mit der Wasser- und Luftqualität betrifft.
  • Bei der Lebenserwartung liegt Österreich mit 80,5 Jahren über dem OECD-Schnitt (79,3).

Die österreichischen Daten für die OECD-Studie wurden von der Statistik Austria im Zeitraum zwischen März 2008 und April 2009 erhoben. Es wurden 8234 Personen, die in Privathaushalten leben, befragt. (rwh, derStandard.at, 12.4.2011)

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    54 Prozent der Österreicher sind der Meinung dass Minderheitengruppen, etwa Einwanderer oder Homosexuelle, in ihrem Wohnort gut leben können.

  • Unbezahlte Arbeit.
    grafik: oecd

    Unbezahlte Arbeit.

  • Sozialausgaben.
    grafik: oecd

    Sozialausgaben.

  • Korruption und Vertrauen in Institutionen.
    grafik: oecd

    Korruption und Vertrauen in Institutionen.

  • Toleranz von Minderheiten.
    grafik: oecd

    Toleranz von Minderheiten.

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