Justiz

Staatsanwälte üben scharfe Kritik an Weisungen der Justizministerin

12. April 2011 08:20

Präsident Jarosch: Bandion-Ortner agiert "naiv und realitätsfern" und befindet sich "in einer Vertrauenskrise"

Nachdem Justizministerin Claudia Bandion-Ortner Weisungen bei Großverfahren erteilt hat (derStandard.at berichtete), reagieren die Staatsanwälte mit heftiger Kritik. Die Vorgangsweise der Ministerin sei "naiv und realitätsfern", so der Präsident der Staatsanwälte-Vereinigung, Gerhard Jarosch in der ZiB2 und im Ö1-Morgenjournal.

Jarosch: "Wir sind in eine tiefe Vertrauenskrise geschlittert und auch die Justizministerin ist in einer Vertrauenskrise, weil wir viele Dinge nicht gut genug erklären und weil alle in der Öffentlichkeit glauben, dass es parteipolitische Einflussnahme auf die Justiz gibt. Das kann nicht sein, das darf nicht sein in einem funktionierenden Rechtsstaat. Dagegen müssen wir etwas tun."

"Wann sollen wir arbeiten?"

Zur Aufforderung Bandion-Ortners, dass die ermittelndenden Staatsanwälte wöchentlich Berichte abliefern sollen, fragt Jarosch: "Und wann sollen wir dann arbeiten?" Auch die Deadline für die Causa Buwog, die die Justizministerin für den Sommer angesetzt hat, hält der Präsident der Staatsanwälte-Vereinigung für nicht realistisch, da nicht klar sei, bis wann die Ermittlungen abgeschlossen werden können.

Auch die Kritik an Korruptions-Staatsanwalt Walter Geyer durch Bandion Ortner, von dem die Ministerin Ergebnisse statt Interviews einforderte, weist Jarosch zurück, weil es in dieser Behörde tatsächlich einen Personal-Engpass gäbe.

Jarosch spricht sich dezidiert gegen ein Weisungsrecht des Justizministers aus, da dieser von einer Partei gestellt werde und deshalb in der Öffentlichkeit der Anschein bewirkt werde, dass diese Partei in die Justiz mit hineinregiere.

VP attakiert Staatsanwälte

Indes wird die Debatte um die Effizienz und Unabhängigkeit der österreichischen Justiz immer heftiger. Nachdem Jarosch die Politik kritisiert hatte, wurde er am Dienstag von der ÖVP heftig attackiert. Die Staatsanwaltschaft sei offenbar "ein Staat im Staate mit der Neigung zur Präpotenz", sagte ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf in einer Aussendung wörtlich. 

Kopf sprach weiters von einem "unhaltbaren Zustand", der durch die von Jarosch geforderte Einsetzung eines Generalstaatsanwaltes noch verstärkt würde. Stattdessen brauche es dringend die Kontrolle der Staatsanwälte durch das Parlament. Diese Kontrolle könnte in Form eines Unterausschusses zum Justizausschuss nach dem Modell des Unterausschusses zum Innenausschuss stattfinden, so der VP-Klubobmann, der von der Staatsanwaltschaft zudem "mehr Tempo in den evidenten Großverfahren" verlangte. 

Cap kann sich Untersuchungsausschuss vorstellen

SPÖ-Klubobmann Josef Cap hält den Vorschlag von ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf für "durchaus überlegenswert". Wie eine derartige Kontrolle gestaltet wird, sei aber gerade in Hinblick auf die Verfassungskonformität detailliert zu besprechen, so Cap am Dienstag in einer Aussendung. Die Absicht von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (ÖVP), Verfahren beschleunigen zu wollen, begrüßt Cap. Zeitlimits zu setzen, ohne gleichzeitig mehr Ressourcen zur Verfügung zu stellen sei jedoch nicht zielführend. (APA/red, derStandard.at, 12.4.2011)

Kommentar posten
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ulysses007
13.04.2011 10:12
halali, da dicke Konrad...

...muass a immer wieder in Erscheinung treten...bis er fällt...jo die Buben übertreiben olle a wengerl, worscheinlich zuviel Watschen kriagt im Sandkasten...do muass ma daunn als ois Erwachsener ordentlich kompensieren...

kuschi-futschi
12.04.2011 19:18

anscheinend hab ich mich nicht so richtig ausgedrückt

staatsanwälte--dürfen nie private interessen des staates wahrnehmen--

privatstaat

kuschi-futschi
12.04.2011 19:02

es muss doch deadlines und milestones geben
sonst werden verfahren zum nimmerleinstag verzögert
ausgelaugt und nach jahren verzimmert
hypo
buwog
eurofighter

da war gor nix

kuschi-futschi
12.04.2011 18:34

man darf doch uns nicht verübeln , wenn wir nach jahren nachfragen was aus buwog , eurofighter und hypo so rechtens war

rudolf habsburg
12.04.2011 18:29
Lt. parlamentarischer Anfrage soll Bandion-Ortner im Juli 2008 vom Raiffeisenbank Boss Dr. Konrad den Posten des Justizministers angeboten bekommen haben.....

Den bereits oftmals vermuteten unseligen Zusammenhang zwischen Strafjustiz und Banken auf, und würde erklären, warum die Justiz (Staatsanwälte) die Strafanzeigen der verzweifelten Betrugsopfer der Banken trotz dringendem Tatverdacht zurücklegen und damit mutm. Straftäter aus den Reihen der Banken decken und umgekehrt gegen solche Bürger sogar mit erfunden und konstruierten Straftaten losziehen, um den mutm. betrügerischen Bankern die "lästigen" Kunden vom Hals zu halten und ihnen für ihren Betrug so den Rücken freihalten..........Im Justiz + Innenministerium sitzen (korrupte?) höchste Beamte die schon längst vor eine "UNABHÄNGIGE" Untersuchung gehören!! Es stinkt an der Spitze des Rechtsstaates schon viel zu lange.........

Sugar for my honey
12.04.2011 18:27
Der blondgelockte Brillenständer ist einfach rücktrittsreif. Punkt. Ende Gelände.

SIE hat dem Ansehen der Justiz den endgültigen Todesstoß verpasst.

Das System ist für alle Beteiligten schon Zumutung genug, aber anstatt dass sich die Schickse hinstellt und was sinnvolles macht, wie der Weisungsgewalt endgültig den Gar auszumachen, gibt sie auch noch eine!?

Diese Weisung jetzt ist nichts als billige Effekthascherei und heißt: die 'Justizministerin' vertraut nicht mehr auf den Rechtsstaat und der Staatsanwaltschaft nur soweit, wie sie sie werfen kann, nämlich gar net.

Wie blond kann man sein!?

kuschi-futschi
12.04.2011 18:19

die frage ist doch
sind alle staatsanwälte noch unabhängig
oder politisch beeinflusst?

müssen sie sich weisungen beugen? oder nicht?
agieren sie frei , oder doch nicht so frei?

die ganze republik soll das wissen einmal

bugsbunny30
12.04.2011 18:11
Das österr. Rechtssystem

ist NICHT vollständig. Siehe Korruption. Hier herrscht eklatanter Nachholbedarf.
Strasser, Grasser und Konsorten MÜSSEN endlich zur Rechenschaft gezogen werden. Ein Strasser soll Gehaltspfändung und Enteignung exemplarisch erfahren. Aber seine Politfreunde werden da sicher was drehen können.
Der Schlag von Bandion ist schon längst überfällig. Die Staatsanwälte und Richter sind nicht überfordert. Die Anwälte freuen sich, weil Ihre Klienten länger "draussen" sind.
Was aber noch passieren muss ist, dass noch ein paar Gefängnisse gebaut werden.
Grasser und Co, werden dort bald eine neue Wohnstätte haben.

-joB
12.04.2011 18:01
Es ist völlig egal, ob Bandion-Ortner überfordert ist oder nicht,

die demokratisch gewählten Gremien haben die Kontrolle über die Beamtenschaft wahr zu nehmen und auszuüben.
Unfähige Politiker sind vom Wahlvolk abzuwählen und nicht von den Untergebenen zu mobben, wobei Kritik auf alle Fälle erlaubt sein muss und auch erwünscht sein sollte.

grun gie
12.04.2011 18:10
unabhängigkeit der justiz?

klingelt da gar nichts?
nix politiker müssen über staatsanwälte bestimmen.

kuschi-futschi
12.04.2011 17:40

ein prozess , der über eine generation dauert
ist auf sehr schwammigen und sauren gesetzen aufgebaut
und politisch sehr fragwürdig

sysiphos
 
12.04.2011 17:19
zweischneidig

natürlich sind solche weisungen problematisch, denn auch wenn sie in den aktuellsten fällen nicht unangebracht erscheinen, haftet ihnen doch der makel der willkür an, wo wird gas gegeben, wo wird gebremst, wo wird niedergeschlagen, wo wird herbeigeurteilt im krassesten fall, wie etwa chodorkovski in russland. andererseits muss die justiz irgendwie auch verstehen, dass sie ihre unabhängigkeit kein absolutistischer freibrief für ineffizienz sein kann, nach dem motto: wir brauchen so lang, wie wir eben brauchen, und wenns bis zum stnimmerleinstag ist. denn das gejammere über personalmangel etc ist nur eine halbe wahrheit, es fehlt dort nach wie vor einfach auch an output-orientierung, die beste qualität hilft nichts bei ewigen verzögerungen.

Selbständiger
12.04.2011 17:02
Das kann nicht sein, das darf nicht sein in einem funktionierenden Rechtsstaat

Dieser verlogene Heuchler. Seine Korruptionsstaatsanwaltschaft hat die Anzeigen trotz erwiesenen Amtsmissbrauch in Zusammenhang mit dem Verfassungsbruch (Artikel 51) gegen die SPÖ und ÖVP Regierungsmitglieder niedergeschlagen. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft ist eine Verbrecherschutzorganisation, wenn es um Verbrechen von Politikern und Parteiangehörigen geht.

Er ist genau so rücktrittsreif, wie die gesamten sich im Amt befindlichen Regierungsverbrecher.

M Ivan Undso
12.04.2011 16:52
Unterausschusses zum Justizausschuss nach dem Modell des Unterausschusses zum Innenausschuss

na bam...

gue galie
12.04.2011 16:30

endlich gibt es eine ministerin die dieser gruppe von unfähigen staatsanwälten einen in den "ar.." tritt.
es ist einfach unglaublich was diese damen und herren alles falsch manchen. da stecken tausende und aber tausende stunden für die untersuchung der tierschützervereinigung ein um auf der anderen seite über personalmangel zu "jammern". der erstaunte staatsbürger kann über diese "verhältnismassigkeiten" nur noch staunen (denn bei diesem prozess kam der mafiaparagraf(ph) zum einsatz "WIRKLICH"). bitte liebe frau minister: kämpfen sie weiter gegen diesen unfähigen apparat danke

Michael Wagner8
12.04.2011 16:21
das was wir in österreich nun die längste zeit schon erleben ist nichts anderes wie ein sich selbst prüfender täterkreis, welchen BO u. Kopf definitiv auch angehören.

es darf einfach um jeden preis nichts raus kommen.

Michael Wagner8
12.04.2011 16:23
....es sei denn, der täter kommt aus dem poltischen konkurrenzdunstkreis... stichwort elsner.

Kritiker1A
12.04.2011 18:08
Es ein den die "Gegner" sind bereits pensioniert (haben keine Lobby mehr) und man braucht ein Bauneropfer, oder

dieser Böse hat die Partei nicht mitnaschen lassen.

Michael Wagner8
12.04.2011 16:45
wetten, würden die diversen verantwortlichen für buwog, eurofigther, meindl, skylink, .. aud dem dunstkreis spö kommen hätte elsner schon längst eine grosse runde zum kartenspielen.

Kritiker1A
12.04.2011 18:10
Nein die haben alle noch Beziehungen und man braucht nicht unbedingt ein Bauernopfer, wei in dem Fall wo der ganze Streiktopf einer Gewerksschaft verpokert wurde.

Norbert Müller
 
12.04.2011 16:16
und nach sovielen jahren aktivem ermitteln nun hausdurchsuchungen durchzuführen find ich buzzig!

da hat der grösste messi schon mal gründlich ausgemistet :)

glauben die wirklich nach so langer zeit noch etwas zu finden?

badblackguy.blogspot.com
 
12.04.2011 16:10
Echt komisch hier...

Staatsanwaltschaft unter die Kontrolle des Parlamentes - sprich unter die Kontrolle aller Parteien, warum nicht? Ich finde die Idee gut, endlich ein guter Vorschlag von Kopf!

Das Parlament hat ja eine Kontrollfunktion oder nicht?

Die Staatsanwaltschaft unter der Kontrolle des Justizministers-in und es schreien wieder alle Vertuschung. Ich frage mich was hier die User eigentlich wollen - nur schreien und die ÖVP anpatzen....

Wenn Pilz ein U-Ausschuss Staatsanwaltschaft fordern würde jubeln alle hier in diesem Forum... obwohl dieser nur ein Bühne für den Selbstdarsteller Pilz wäre und nichts bringen würde.

briefträger
12.04.2011 17:20

Mit Parlament meint Kopf einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss.
Was glauben Sie welche Parteien da für und welche gegen einen Untersuchungsausschuss stimmen.
Das haben wir ja schon jetzt, dass interessante Untersuchungsausschüsse nicht zustande kommen, weil die Regierungsparteien nein dazu sagen.

Krampert
 
12.04.2011 16:00
gut möglich, dass die weisungen kontraproduktiv sind.

aber es kommt mir schon seltsam vor, dass jetzt plötzlich so viele razzien und hausdurchsuchungen stattgefunden haben. das klingt für mich mehr nach 'ermittelnde beamten waren längst dafür, hatten aber nicht die befugnis, weil staatsanwalt dagegen (warum?)'

?Österreichische Verbrecher Partei !
12.04.2011 15:59
Liebe weisungsgebundene StA Helme kaufen !!!

Für Bandion-Ortner wird sowieso schon ein Versorgungsposten gesucht. Zufällig wird die Präsidiale in Krems frei und Fekter mit ihrem Strasser Team wartet schon in den Startlöchern. Das wird noch eine entspannende Zeit, wenn Strasser´s Schergen im Justizministerium wüten können.

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