Jonker fordert Zusammenhalt

11. April 2011, 21:17
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Der Niederländer übernimmt bis Saisonende die Verantwortung für den am Sonntag entlassenen Louis van Gaal, den Franz Beckenbauer noch einmal kritisierte

München - Er soll der Gegenentwurf zum autoritären Louis van Gaal sein - doch auch für Andries Jonker gibt es bei Bayern München als neuer Cheftrainer auf Zeit nur ein Ziel. "Wir müssen gewinnen und Punkte holen - mehr als Hannover. Es ist ganz klar, dass wir den dritten Platz und die Qualifikation zur Champions League erreichen müssen", sagte der 48 Jahre alte Niederländer bei seinem "Amtsantritt" und appellierte nach wochenlanger Unruhe beim deutschen Fußball-Rekordmeister "mit Nachdruck an Fans, Spieler, Stab und Vorstand, dass wir zusammenhalten müssen. Dann schaffen wir es auch".

Von Zusammenhalt bei den Bayern, die im Saisonendspurt zwei Spiele auf Superstar Arjen Robben verzichten müssen, war zunächst aber noch nicht so viel zu spüren. Nach Präsident Uli Hoeneß kritisierte auch Franz Beckenbauer noch einmal den Führungsstil von van Gaal. Für den "Kaiser" stellte vor allem das zerrüttete Verhältnis zwischen dem Trainer und Hoeneß in den vergangenen Wochen eine enorme Belastung für den FC Bayern dar.

Beckenbauer und der Schneeball

"Louis van Gaal hat den Uli immer ein bisschen abserviert, und das macht man einfach nicht. Das war wie bei einem Schneeball, der immer größer und größer wird - und nun ist er auseinandergebrochen", sagte Ehrenpräsident Beckenbauer bei Sky90: "Wir beim FC Bayern brauchen schwierige Charaktere, aber dass er so schwierig ist, hätten wir auch nicht gedacht." Selbst Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff warf van Gaal "ein paar handwerkliche Fehler" und einen "Tick Eitelkeit" vor.

Wer jedoch bei der Pressekonferenz am Montagnachmittag an der Säbener Straße von Jonker große Sprüche, markige Ankündigungen in der Torwartfrage oder sogar eine Abrechnung mit dem entlassenen van Gaal erwartet hatte, wurde enttäuscht. Der Niederländer präsentierte sich im überfüllten Presseraum äußerst sachlich und betonte dabei, dass er nach wie vor ein gutes Verhältnis zu seinem langjährigen Vorgesetzten habe. Jonker hatte sich am Sonntag bei seiner Entscheidung sogar das Okay von van Gaal geholt.

Über Jahre habe er "eine sehr starke Verbindung zu Louis van Gaal gehabt. Wir haben bei Ajax, beim niederländischen Verband, beim FC Barcelona und jetzt auch beim FC Bayern erfolgreich und mit Vergnügen zusammengearbeitet", sagte Jonker, der van Gaal deshalb auch ermöglichte, sich am Montag vor dem Training von der Mannschaft zu verabschieden.

Im Gegensatz zu van Gaal, den Hoeneß oft als "beratungsresistent" bezeichnete, will Jonker aber die Kommunikation mit der prominent besetzten Führungsetage des Rekordmeisters suchen. "Der Vorstand hat einige Mitglieder, die viel im Fußball erreicht haben. Eine der Konsequenzen davon ist, dass sie eine Meinung haben. Das dürfen sie auch. Ich werde versuchen, mir diese Meinungen anzuhören und Vorteile daraus zu ziehen", sagte er diplomatisch.

Doch trotz der harschen Kritik von Hoeneß an van Gaal distanzierte sich Jonker, bisher Chefcoach beim FC Volendam, MVV Maastricht und Willem II Tilburg und ab der neuen Spielzeit Trainer der zweiten Mannschaft bei den Bayern, keineswegs von seinem Landsmann. "Selbstverständlich" stecke in ihm ein gutes Stück van Gaal, verdeutlichte der Vater von drei Kindern. Van Gaal habe "sehr gute Arbeit" geleistet.

Seine Mannschaft sieht er vor dem vorentscheidenden Spiel am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) gegen den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen trotz der jüngsten Enttäuschungen intakt: "Sie ist zusammen." Was er in den kommenden Tagen mit Franck Ribéry und Co. vorhat, was er verändern will, welche neue Ideen er umsetzen will, wollte Jonker jedoch nicht verraten: "Ich mache das auf meine Weise, man wird sehen, was es gebracht hat."

Auch die heiß diskutierte Torwartfrage - für Hoeneß Ausgangspunkt der "ganzen Scheiße" - ließ er am Montag noch offen: "Es ist sehr viel passiert. Ich muss meine Gedanken ordnen. Ich mache mir am Dienstag darüber Gedanken." Es gilt aber fast als sicher, dass Jonker im Endspurt wieder den erfahrenen Jörg Butt in Tor stellt. Der junge Thomas Kraft, der am Montag wegen Rückenproblemen mit dem Training aussetzen musste, würde wieder ins zweite Glied rücken.

Definitiv wird Jonker bei seiner Premiere auf Holger Badstuber (5. Gelbe Karte) verzichten müssen. Der Niederländer wurde vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen Schiedsrichterbeleidigung für zwei Spiele gesperrt. Außerdem muss Robben nach seiner Roten Karte beim Derby in Nürnberg (1:1) eine Geldstrafe in Höhe von 15.000 Euro zahlen. Über die Sperre der beiden sei er "nicht froh", meinte Jonker.

Weniger interessierte ihn dagegen, dass es am Sonntag gegen Leverkusen zum pikanten Duell mit Jupp Heynckes kommt, der die Bayern ab der kommenden Saison betreuen wird. Er habe Heynckes als sehr, sehr guten Stürmer in Erinnerung. Aber ansonsten habe er "keine Relation zu ihm. Dass Jupp Heynckes bei Bayer Trainer ist, geht weit an mir vorbei. Es ist ein Gegner wie andere Gegner auch, den wir schlagen müssen." (SID)

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    Andries Jonker über Ex-Bayern-Coach Van Gaal: Er habe "sehr gute Arbeit" geleistet.

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