Kopf des Tages

Perus First Lady auf dem Weg zur Präsidentin

11. April 2011, 19:54

Fujimori-Tochter Keiko kämpft um Familienehre und Macht

Sie sei zwar erst 35 Jahre alt, verfüge aber über jahrelange Erfahrung in der Politik, rühmte sich Keiko Fujimori, jüngste Kandidatin der peruanischen Präsidentschaftswahlen, in einer TV-Debatte.

Recht hat sie: Mit nur 19 Jahren wurde sie 1994 zur jüngsten First Lady aller Zeiten. Jahrelang tingelte sie in dieser Funktion als offizielle Begleitung ihres berüchtigten Vaters, Alberto Fujimori, durch die Welt, als dieser noch Präsident Perus war. Nach der turbulenten Scheidung von Susana Higuchi, Keikos Mutter, zog er ihr seine erstgeborene Tochter vor. Kleines Detail am Rande: Susana warf ihm vor, er habe sie jahrelang unter Drogen gesetzt, misshandelt und eingesperrt.

Keiko entschied sich für die Seite ihres Vaters. Dort blieb sie auch, als "el Chino" - wie ihn die Peruaner trotz oder gerade wegen seiner japanischen Wurzeln nennen - im Jahr 2009 zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde: wegen des Einsatzes von Todesschwadronen, Verstößen gegen die Menschenrechte und Korruption. Der Richterspruch gegen ihren Vater sei "voller Hass und Rache", wetterte Keiko damals vor dem Sondertribunal in Lima. Sie organisierte landesweite Protestmärsche und Solidaritätskomitees für ihn. Es geht schließlich um die Familienehre - vor allem aber um Machterhalt.

Ihre Widersacher betrachten die Rechtspopulistin als Mitwisserin der dunklen Amtsgeschäfte ihres Vaters, die von Repression und Bestechung geprägt waren. Trotz der Hülle einer modernen Demokratin, die ihre Ansichten auf Twitter kanalisiert - der Duft der Korruption haftet auch an Keiko.

So gibt es Vorwürfe, dass das Stimmverhalten des von ihr geführten Bündnisses "Allianz für die Zukunft" käuflich ist, wenn nur das Angebot hoch genug ist, oder dass ihre Wahlkampagne von Drogenbossen mitfinanziert werde. Seit einigen Tagen gehen peruanische Medien mit E-Mails hausieren, die beweisen sollen, dass sowohl Keikos teure Ausbildung an US-amerikanischen Privatunis als auch die ihrer drei Geschwister aus der Staatskasse bestritten wurden.

Der Mutter einer Tochter werden für die Stichwahl gegen Ollanta Humala im Juni realistische Chancen eingeräumt. 2006 zog sie mit der Unterstützung von 602.000 Landsleuten ins Parlament ein. Sie ist damit die Abgeordnete mit der größten Gefolgschaft. Sollte sie die Wahl gewinnen, will sie nicht nur Gewaltverbrechen bekämpfen und die Todesstrafe wieder einführen, sondern zunächst einmal ihren Vater begnadigen. (Julia Herrnböck/DER STANDARD, Printausgabe, 12.4.2011)

Hans Johann1
10
12.4.2011, 02:36
Keiko Fujimori ist nicht die "First Lady" im besten Fall war sie die Erste Dame!

Auch wenn der Titel missweisend ist so hat Julia Herrnböck weit besser recherchiert als ihre Kollegin Sandra Weiss die ihren Artikel in Bezug auf die Peruwahl mit der unsinnigen Behauptung von Vargas Llosa schmückte, dass des eine Wahl zwischen Krebs und Aids wäre. Das korrupte, repressive Regim von Alberto Fujimori müsste eigentlich ganz im Geschmack von Vargas Llosa gewesen sein, wäre da nicht die direkte Konkurrenz zwischen den beiden erzkonservativen Sozialdarwinisten gewesen. Natürlich würde der Neoliberale Milliardär Kuczynski Vargas Llosa und seinen Freunden der ultrakonservativen "The Trilateral Commission" noch besser gefallen. Um die Situation des einfachen Volkes zu verbessern gibt es nur eine Alternative: Humala

lagrangian
30
14.4.2011, 08:06

Humala... Linksnationalisten sind das letzte von dem wir noch mehr brauchen.

El Chó
12

Sind Ihnen also rechte Massenmörder lieber? Fujimori war nicht nur korrupt bis ins Mark, er ist auch für systemaische Morde, für Folter und Massensterilisation von 300.000 indigenen Frauen verantwortlich.
Sein Tochter ist eine eingeweihte und will dieses Schwein aus den Gefängnis holen. Blut klebt auch an ihren Händen.

Und Sie haben Sorge, dass ein Linksnationalist gewinnt?!? Jeder der noch einen Rest an Gewissen und Meschlichkeit hat, muss bei dieser Wahl zu Humala halten.

Alf von Melmak
 
02
12.4.2011, 08:04
Das korrupte, repressive Regim von Alberto Fujimori müsste eigentlich ganz im Geschmack von Vargas Llosa gewesen sein

'
Diese Aussage ist beweis dafür, daß Sie nicht viel von Vargas Llosa gelesen haben.

Er mag Anhänger wirtschaftlich eher konservativer Politik sein - ein Gegner diktatorischer Regime jeder ideologischen Einfärbung ist er allemal.

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