Größeres Hirn macht Wespen schlauer

12. April 2011, 19:10
21 Postings

Zusammenhänge zwischen Genen und Lebensstil sowie Hirn und Intelligenz entdeckt

Washington/Wien - Der Hinweis, es wie die Bienen zu tun, kann - wenn es nicht ums Liebemachen, sondern ums Zusammenleben geht - missverständlich sein. Denn je nach Art leben die Tiere in einem Königspalast zusammen (Honigbienen), in einer Art Hippie-Kommune (Hummeln) oder, wie etwa die Blattschneiderbienen, überhaupt in völliger Einsiedelei.

Wie aber kommt es, dass einige Bienen komplexe Staaten bilden und also "eusozial" sind, andere hingegen mit der Hippie-Variante auskommen oder überhaupt solitär sind? Tragen die Bienen ihre jeweiliges Gesellschaftsmodell in den Genen? Um diese Fragen zu beantworten, haben Forscher um US-Insektenforscher Sydney Cameron (University of Illinois) die aktiven Gene von neun Bienenarten analysiert, die alle Lebensstile der Insekten repräsentieren.

Tatsächlich zeigte sich in ihrer im Fachblatt PNAS veröffentlichten Untersuchung, dass es in der DNA der Bienenarten signifikante Unterschiede je nach Sozialität gibt. Cameron und seine Kollegen leiten daraus indes keinen evolutionären Trend in Richtung höherer Eusozialität ab.

Wie aber ist es mit den geistigen Fähigkeiten von sozialen Insekten bestellt? Von vielen Tiergruppen weiß man, dass intelligentere Arten ein größeres Gehirn haben. Doch kommt es nur auf das Gesamtvolumen des Hirns an oder die Größe bestimmter Regionen?

Dieser Frage ging eine andere Gruppe von US-Forschern nach, die zehn Wespenarten aus Ecuador und Costa Rica auf ihre Hirne und Verhaltenskomplexität untersuchten. Wie sie (ebenfalls in PNAS) berichten, fanden sich eindeutige Zusammenhänge sowohl zwischen Körper- und Hirngröße wie auch zwischen globalem und speziellem Hirnvolumen und Intelligenz. Die einzige Überraschung: Königinnen haben ein größeres Hirn als die komplexer agierenden Arbeiterinnen. Die Forscher vermuten, dass die Königinnen ihr größeres Hirn zur Statusabsicherung brauchen. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12. April 2011)

  • Kollektive Nachmittagssiesta der nachtaktiven Wespenart Apoica pallens aus Südamerika. Ihre Königin hat ein größeres Gehirn als die Arbeiterinnen.
    foto: s. o'donnell

    Kollektive Nachmittagssiesta der nachtaktiven Wespenart Apoica pallens aus Südamerika. Ihre Königin hat ein größeres Gehirn als die Arbeiterinnen.

Share if you care.