Weisungen

Bandion-Ortner greift bei Staatsanwälten durch

11. April 2011, 18:41
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    foto: apa/pfarrhofer

    Will mehr Ergebnisse rascher sehen: Justizministerin Claudia Bandion-Ortner erteilt erstmals Weisungen - allerdings nur im Hinblick auf Verfahrensabläufe, nicht auf Inhalte.

Weisungen zu Buwog und Neonazi-Website - SPÖ ruft nach Generalstaatsanwalt

Wien - Bis zum Sommer muss die Staatsanwaltschaft die Anklage im Fall der Buwog-Privatisierung vorlegen. Oder sie muss den Fall mit einer überzeugenden Begründung zurücklegen. Das hat Justizministerin Claudia Bandion-Ortner am Montag entschieden.

Es ist die erste Weisung, die die Ministerin erteilt hat - und sie macht klar, dass dieser noch weitere folgen werden. Bisher hatte sie die Arbeit der Justiz stets öffentlich verteidigt, angesichts des Vertrauensverlustes in das Funktionieren ihres Ressorts hat sie allerdings einen neuen Kurs eingeschlagen: Künftig will sie regelmäßige Berichte in allen "clamorosen" , also wegen prominenter Beteiligter in der Öffentlichkeit Causen. Dabei handle es sich in Wahrheit nur um eine Handvoll Fälle, erläuterte Bandion-Ortners Sprecher Gerald Fleischmann.

Aber gerade in denen müssten rasche Fortschritte erzielt und gegebenenfalls Anklage erhoben werden. Einer dieser Fälle betrifft die im Verdacht neonazistischer Wiederbetätigung stehende Website Alpen-Donau.Info beziehungsweise deren Betreiber. Hier muss vom zuständigen Staatsanwalt innerhalb von zwei Wochen ein Bericht erfolgen. In spätestens drei Monaten soll entschieden werden, ob Anklage erhoben wird.

Ferner strebt Bandion-Ortner an, die Überprüfung der Einstellung des Eurofighter-Verfahrens voranzutreiben. Bis Mai soll diese abgeschlossen sein. In der Sache greift die Ministerin allerdings nicht ein: Gerade in diesemFall hatte es ja heftige Kritik daran gegeben, dass die Konten der Beschuldigten - unter anderem Gernot Rumpold und Generalmajor Erich Wolf - nicht geöffnet wurden. Der Staatsanwalt hatte argumentiert, dass das erwartbare Ermittlungsergebnis den Grundrechtseingriff der Kontenöffnung nicht rechtfertigen würde. Eine Weisung, dies nun nachzuholen, hat die Ministerin nicht erteilt.

Weisungsrecht wiederentdeckt

Mit der Ausübung des - nie abgeschafften - Weisungsrechts vollzieht die Ministerin nicht nur eine Wende in ihrer persönlichen Haltung gegenüber ihrem Ressort. Sie markiert auch ein justizpolitisches Umdenken: Jahrzehntelang hatte das Weisungsrecht, dem die Staatsanwälte unterliegen, für massive Kritik gesorgt. Einige der bedeutendsten Wirtschaftskriminalfälle der Zweiten Republik - Bauring, AKH, Lucona - wurden von der weisungsgebundenen Staatsanwaltschaft unter Oberstaatsanwalt Otto F. Müller nur zögerlich verhandelt, politische Deckung kam von den damaligen Justizministern Christian Broda (SPÖ) und Harald Ofner (FPÖ).

In der großen Koalition 1987 bis 2000 versuchte man diese politische Einflussnahme durch die Bestellung der parteifreien Minister Egmont Foregger und Nikolaus Michalek zu entschärfen. Zuletzt haben die (seit 2000 wieder aus Parteivorschlägen bestellten) Justizminister bei Weisungen Zurückhaltung geübt.

Das war immer wieder auch von der SPÖ kritisiert worden: Deren Geschäftsführer Günther Kräuter hatte Ministerin Bandion-Ortner mehrfach aufgefordert, in Großverfahren "endlich" per Weisung Dampf zu machen. Am Montag las man es allerdings anders: Kräuter lehnte in einer Aussendung den verstärkten Gebrauch des Weisungsrechts ab. Deren Absicht, wöchentlich auf brisante Verfahren Einfluss zu nehmen, sei "mitnichten geeignet, das öffentliche Vertrauen in eine unabhängige Justiz in den Fällen Buwog mit Grasser, Meischberger, Plech und Hochegger oder Eurofighter mit Rumpold, Wolf, Steininger und Mensdorff-Pouilly zu verbessern" . Kräuter wünscht sich einen unabhängigen Generalstaatsanwalt, der vom Nationalrat mit Verfassungsmehrheit gewählt werden müsste.

Auch der grüne Justizsprecher Albert Steinhauser ist über die Weisungen der Ministerin unglücklich: Sie könne damit zwar Zeitdruck erzeugen, aber gerade das könnte bei der geringen personellen Ausstattung dazu führen, dass zu wenig ermittelt werde. Bandion-Ortner selbst ist der Kritik über mangelnde Mittel müde: Dem Leiter der Korruptionsstaatsanwaltschaft, Walter Geyer, richtete sie aus, sie erwarte von ihm weniger Interviews und mehr Ergebisse. (Conrad Seidl, DER STANDARD; Printausgabe, 12.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 162
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aiuto
00
12.4.2011, 11:25
wann geht diese Frau endlich in die Wüste ?

... damit man von ihr nichts mehr hört und sieht. Die Ertäglichkeitsgrenze ist da längst übetrschritten.

Standard deviation
00
12.4.2011, 18:43
Das Einzige was man der Ministerin vorwerfen kann ....

ist eine gewisse Naivität. Als Ministerin auf einem
ÖVP-Ticket beim tiefroten Wiener Magistrat anzu-suchen, die Busspur in der Neustiftgasse zu benutzen, kann nur eine Ablehnung mit Spott und
Hohn zur Folge haben.

aiuto
00
13.4.2011, 09:51
wenn <Sie das als das Einzige sehen, dann würde ich Ihnen empfehlen,

die diversen Pressemeldungen der letzten Monate druchzusehen.... es könnte ja sein, dass Sie dabei noch einiges andere finden.

H. G. Wells
01
12.4.2011, 09:44
Freibrief für die Angeklagten?

Kann man das nicht nur so lesen, dass die Verzögerungstaktik von z.b. khg in Liechtenstein jetzt ein voller Erfolg wird? Der Gerechtigkeit scheint mit dieser Weisung nicht gedient oder?

Bitte Ich Weiß Was
11
12.4.2011, 09:43
Nur der Raiffeisen-Sektor hält brav die Medien-Stange für die Schutzpatronin für Grasser & Co

(Es gilt die Unschuldsvermutung)

http://kurier.at/interakti... 089329.php

Nix vom Gegenwind zu vermelden, lieber Raiuka-Sektor?

Im ORF wird BO auch zerzaust (und dann schimpfen alle über ihre Frisur - da kann sie doch nichts dafür ;-)

FC Raika-ÖVP unter 20%! Net amal den Bezirksschulrat von Götzis sollen's mehr kriegen. Erst dann ist eine Reform mögllich, die beim Staat und beim Apparat spart anstatt beim Bürger und Steuerzahler!

Bitte Ich Weiß Was
11
12.4.2011, 09:14
Und jetzt noch ein Schauferl für den bladen Pepi!

Wer hat nicht schon vorher mitgekriegt, dass die Marek in Wien nix reisst?

Wer hat nicht schon vorher gewusst, dass Strasser ein mieser Korrupteur ist?

Wer hat nicht schon im Bawag-Prozess bemerkt, dass Bandion-Ortner (und "ihr" Staatsanwalt K.) "vergessen hat", herauszufinden, wohin Flöttl das Bawag-Geld verzockt hat.

(Remler ist da maximal ein Beistrich in der Aufzählung . . .)

Richtig: Der blade Pepi! Jede Personalauswahl ein Querschläger!

Krank oder nicht: Rücktrittsreifissimo - der Fisch beginnt beim Kopf zu stinken!

ÖVP unter 20%!

Standard deviation
00
12.4.2011, 18:51
Blödsinn von "Bitte Ich Weiß Was"

Es war kein Gegenstand des BAWAG-Verfahrens
festzustellen, auf welche Art Flöttl das Geld verspekuliert hat. Derartige Erörtungen von Helmut
Elsner sind schwachsinnig. Aber Elsner ist ja sozialistisches Urgestein ...

Zwie Ferl
 
01
12.4.2011, 10:27
Kleine Korrektur betreffs letzten Satzes:

"Der Fisch begann am Kopr zu stinken." Inzwischen riecht auch der Hals und der obere Brustkorb schon ein wenig unangenehm.

Wolfgang Lederbauer1
00
12.4.2011, 08:28
Es ist die erste Weisung, die die Ministerin erteilt hat - und sie macht klar, dass dieser noch weitere folgen werden. Künftig will sie regelmäßige Berichte in allen "clamorosen" , also wegen prominenter Beteiligter in der Öffentlichkeit Causen...

Teil 2:

Ein interessantes Beispiel:

Im Zuge der Ermittlungen über den Verkauf der " BUWOG" bzw den "Verkauf der Bundeswohnbaugesellschaften" wurden den Ermittlungebehörden im Herbst 2010 klare Hinweise auf den Inhalt der relevanten Wahrnehmungsberichte des Rechnungshofs gegeben. Es stellt sich die Frage, ob - und wenn ja in welcher Weise - diesen Hinweisen nachgegangen wurde.

http://so-for-humanity.com2000.at SFH-3781 etc.

Hudri Wudri
00
12.4.2011, 08:55
Keine Frage,

dass in unseren Staat Einiges schleppender als vielleicht noetig verlaeuft, egal warum jetzt.

Mich stimmt nur sehr sehr bedenklich, wenn einer Gruppe der Rechtsvertretung, die ja politisch neutral sein sollte, von einer Repraesentantin einer Partei "Weisungen" erteilt bekommt. Das hat mich bereits bei Boehmdorfer sehr irritiert. Bezeichnend auch, dass ausgerechnet das BZOe fuer diesen Vorstoss ist.

Wolfgang Lederbauer1
00
12.4.2011, 08:28
Es ist die erste Weisung, die die Ministerin erteilt hat - und sie macht klar, dass dieser noch weitere folgen werden. Künftig will sie regelmäßige Berichte in allen "clamorosen" , also wegen prominenter Beteiligter in der Öffentlichkeit Causen...

Teil 1:

Die Weisung, bis zu einem bestimmten Termin einen Bericht der Staatsanwaltschaft über den Ermittlungsstand vorzulegen, ist ein erster berkenswerter Schritt.

Offen bleibt ein Grundsatzproblem: Die Kontrolle der Vollständigkeit und der Qualität der Arbeit der Staatsanwaltschaften und der Ermittlungsbehörden. Auch hiefür trägt die BMJ die politische Verantwortung.

Wie könnte dies sicher gestellt werden?

Ein möglicher Lösungsansatz:

Eine Art " Controllingstelle" in unmittelbarer Nähe der BMJ, die auch den wesentlichen inhaltlichen Verlauf der Behördentätigkeit überblickt und - wenn notwendig - entsprechende Weisungen erteilt.

http://so-for-humanity.com2000.at SFH-3781 etc.

double standard
00
12.4.2011, 08:15

unklar ist auch wie bo einen rechtschutzbeauftragten auffasst. dient jene/r dem schutz des rechts oder dem schutz vor dem recht?

Jambala Magdalena
00
12.4.2011, 08:03

Die Justiziministerin ist der Boss der Richter und Staatsanwälte und darf sehr wohl Weisungen erteilen. Und sie muss verlangen, dass rasch und effizient gearbeitet wird, das wird ja auch von jedem anderen Arbeitnehmer gefordert oder er wird gekündigt.

die elster
 
00
12.4.2011, 10:25
im prinzip eh richtig.

aber wenn sich das management beschwert, dass sieben oder acht hanseln nicht die arbeit von dreißig oder vierzig in der selben zeit erledigen, dann liegt der denkfehler nicht bei den ausführenden. von anderen rahmenbedingungen, die in ihrer amtszeit eher verschlechtert als verbessert wurden, mal ganz zu schweigen.

Jambala Magdalena
00
12.4.2011, 14:10

Das kann ich nicht beurteilen, aber mir geht es um was anderes. Da war doch der Fall eines Mörders, hier in Österreich. Er hat nicht gestanden und das Gericht bzw. der Staatsanwalt konnte keine Beweise vorlegen, also musste er(sehr zum Leidwesen der armen Angehörigen) freigesprochen werden. Und so muss das auch bei dieses Korruptionsfällen sein. Entweder man hat was oder man stellt das Verfahren ein. Es kann nicht sein, dass man diese Verfahren hinauszieht wie einen Strudelteig und nach einem unabhängigen Generalstaatsanwalt ruft und gleichzeitig agieren die Staatsanwälte offenbar politisch. So stellt sich das einem Aussenstehenden jedenfalls dar.

otis b. driftwood
00
12.4.2011, 07:59

na da muss es ja echt schön langsam eng werden für die beschuldigten, wenn die bandion-ortner durchgreifen muss bzw. weisungen gibt.

der kleine mann
00
12.4.2011, 07:56
Legalize it!

Was die StA hier macht, ist nichts anderes als die Legalisierung der Korruption. Vier Jahre lang ermittelt man ohne Tiefgang und rechtzeitig bevor man die Begründung veröffentlichen muss, stellt man ein. CBO hat das auch alles brav genehmigt! Heute delegiert sie ihre Verantwortung an den RS-Beauftragten, der aber nur mehr Ansuchen stellen, jedoch nichts entscheiden kann.

Nehmen wir an, die StA hätte recht und alle Rechnungen sind OK. Nachdem auf Pressekonferenzen aber weder goldene Kugelschreiber ausgegeben wurden, noch die Wiener Philharmoniker in der Pause gespielt haben, muss die Kostenstruktur ja jener der Konkurrenz entsprechen. Demnach hätten sich aus diesem Auftrag mind. 6 Mio. Gewinn ergeben. Wurde soviel bei der Steuer angegeben?

RoGo
00
12.4.2011, 07:50
Ein Geniestreich der B-O den ich ihr nie zugetraut hätte

"Bis zum Sommer muss die Staatsanwaltschaft die Anklage im Fall der Buwog-Privatisierung vorlegen. Oder sie muss den Fall mit einer überzeugenden Begründung zurücklegen."
Damit bekommt die Staatsanwaltschaft bis zum Somemr Zeit Gründe für eine Zurücklegung zusammenzutragen und hat damit keinen wirklichen Stress mehr. Genial!!!

sturmy
06
12.4.2011, 07:45
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, ein Fall für den Staatsanwalt...

double standard
00
12.4.2011, 09:53

und den friseur

karl der postler
01
12.4.2011, 07:44
ob hier wirklich etwas passieren wird im sumpfe österreichs?

sainty1
00
12.4.2011, 09:55
wohl eher nicht

sturmy
10
12.4.2011, 08:06
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, neue Moorleiche...

ehschowissen1
01
12.4.2011, 08:01
Vermutlich wie immer

Im Sand verlaufen.

unKritisch
01
12.4.2011, 07:41

die richterin B-O hatte vollkommen recht: das weisungsrecht der ministerin gehört abgeschafft. jetzt damit so offensichtlich ein bisschen politisches kleingeld wechseln zu wollen ist eine beleidigung an die intelligenz der bürger.

Meines Erachtens gehören die (Ober)Staatsanwaltschaften ebenfalls aufgelöst und die Staatsanwälte mit denselben Garantien ausgestattet wie die Richter = Weisungsfrei, Unabsetzbar, Unversetzbar.

Damit wäre der Politik die Möglichkeit genommen, eine schiefe Optik in der Justiz zu erzeugen.

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