EU-Streit um Flüchtlinge

Rom startet Abschiebungen nach Tunesien

11. April 2011, 18:32
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    foto: lefteris pitarakis/ap/dapd

    In Libyen halten sich rund zwei Millionen Menschen ohne libyschen Pass auf, die meisten davon Arbeitsmigranten (hier bei der Essensausgabe in einem Lager nach der libysch-tunesischen Grenze). Rund 11.000 wollen nach Auskunft der EU-Kommission in Europa um Asyl ansuchen.

Auf Druck der EU-Innenminister muss Italien die Praxis beenden, Flüchtlingen EU-weite Aufenthaltserlaubnis zu erteilen

Tunesier werden abgeschoben. Wenige Staaten sind zur Aufnahme weniger Menschen bereit.

***

Wohlverhalten im Sinne von Hartbleiben wird im Kreis der Innenminister der EU belohnt: Diese Erfahrung konnte Carmelo Mifsud Bonnici, der Vertreter des kleinen Malta, am Montag beim Treffen in Luxemburg zum Flüchtlingsproblem mit Nordafrika machen.

Sein Land bitte um Hilfe, trug er vor. 800 Menschen, vorwiegend aus Tunesien, bräuchten Schutz. Malta mit seinen 400.000 Einwohnern schicke sie nicht weiter auf den Kontinent, sei aber überfordert. Rechnete man den Flüchtlingsstrom auf Deutschland hoch, entspräche das fast einer halben Million Menschen.

Damit hatte der Malteser zwar etwas übertrieben, aber die Herzen auf seiner Seite. Deutschlands Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte sofort zu, 100 Flüchtlinge "abzunehmen". Die Slowakei nimmt 10 Tunesier aus Malta. Denn: Solidarität sei wichtig, lautete der Tenor - zu Malta.

Empörung über Aufenthaltsgenehmigungen

Dass das Gebot der Solidarität in gänzlich anderem Sinn verstanden werden kann, das musste dann der italienische Innenminister Roberto Maroni zur Kenntnis nehmen. Über ihn entlud sich eine Welle der Empörung zum Umstand, dass die italienische Regierung rund 25.000 in Lampedusa gestrandete Tunesier mit einer befristeten Aufenthaltgenehmigung ausstattete. Damit können sie sich völlig legal in allen EU-Ländern frei bewegen, wie das für Mitglieder des Schengen-Raums vorgesehen ist.

Frankreich, Deutschland oder Belgien protestierten heftig dagegen. Italien möge sich "solidarisch zeigen mit jenen Ländern, in die die (französischsprachigen) Tunesier dann weiterreisen", hielt man Maroni vor. Innenministerin Maria Fekter erklärte: "Italien putzt sich ab."

Grenzkontrollen

Frankreich und auch Bayern haben vor dem Wochenende bereits erste Maßnahmen durchgeführt, um Kontrollen an den Grenzen nach Süden wieder einzuführen. Frankreich weist Tunesier in einer Notstandsmaßnahme zurück, was nach Expertenerkenntnis in der EU-Kommission jedoch zweifelhaft sein soll.

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström forderte die Mitgliedstaaten auf, den Anlassfall dazu zu verwenden, um endlich Fortschritte zu einer gemeinsamen Asyl- und Migrationspolitik zu erzielen, wie das seit Jahren geplant sei. Die Möglichkeit, von einer EU-Richtlinie zum Schutz von Flüchtlingen im Falle eines Massenansturmes Gebrauch zu machen, will Malmström aber noch nicht nützen.

Barroso reist nach Tunesien

Dafür sei es angesichts der Flüchtlingssituation zu früh. Löst die EU-Kommission diesen Mechanismus aus, dürfen EU-Staaten Flüchtlinge nicht mehr in die Herkunftsländer zurückführen.

Maroni berichtete seinen Ministerkollegen, dass bis Montag etwa 30.000 Flüchtlinge aus Tunesien in Italien gelandet seien, fast nur junge Männer von 16 bis 30 Jahren, die nicht um Asyl ansuchten, sondern Arbeit wollten. Nur wenige wollten in Italien bleiben. Maroni forderte seinerseits Hilfe und Solidarität von der Union ein.

Die EU-Innenminister bestehen jedoch darauf, dass Italien selber die Probleme lösen müsse. Die EU-Behörde Frontex zur Kontrolle der EU-Außengrenze wird jedoch ihre Tätigkeit im Mittelmeer verstärken, die italienischen Behörden werden bei ihrer Arbeit unterstützt. Nach Erkenntnis der EU-Kommission warten in Libyen 11.000 Menschen auf die Gelegenheit, in Europa um Asyl anzusuchen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso wird Dienstag nach Tunesien reisen, um über ein Rückführungsabkommen der EU mit Tunesien zu verhandeln. (Thomas Mayer, DER STANDARD-Printausgabe, 12.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 131
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Yossarian
03
12.4.2011, 17:11

Italien, Frankreich, GB und alle anderen Staaten, die sich am Krieg beteiligen, sollten auch die Flüchtlinge aufnehmen.

Poldi Fesch
10
12.4.2011, 18:10
welcher Krieg,

welche Fluechtlinge ?

Yossarian
00
13.4.2011, 09:42

Die Flüchtlinge, die auf dem Bild oben abgebildet sind und sich um Essensrationen anstellen.

Der NATO-Krieg gegen Libyen ist gemeint.

e.kronberg
11
13.4.2011, 12:07
die <Rebellen haben um diese Unterstützung

die Sie jetzt Krieg nennen gebettelt.
Also bitte.

tilt
00
14.4.2011, 09:27

Wer sind diese "Rebellen"? War eine rethorische Frage, die Antwort kennen wir bereits.

Poldi Fesch
00
13.4.2011, 10:52
die sind

aber nicht auf Lampedusa

donaquijote
11
12.4.2011, 16:29

kann man mit fekter auch einmal einer meinung sein? wenn man nur die oberfläche betrachtet: ja!

italien putzt sich ab - aber an den flüchtlingen, denen sie mit den dreitägigen aufenthaltsvisas anlässlich der rigiden situationen in den anderen eu-ländern einen bärendienst erweist.

aber auch die nord-eu putzt sich ab: an den südeuropäischen ländern und an den flüchtlingen, denen eine einzelfallprüfung gewährt sein muss.

wer ein visa-regime führt, dass einen jahrelang auf besuchs- und andere visa warten lässt, ist wohl selbst schuld, wenn menschen vorsintflutlich auf schinakeln über's meer kommen und das ganze system an den rand des zusammenbruchs drängen. da nützen auch fektersche und andere rundumschläge wenig.

Hellcat
00
12.4.2011, 15:44
In der Schweiz...

macht sich die aktuelle Entwicklung bereits bemerkbar.
Die Schweiz ist traditionell das Nummer 1-Zielland für tunesische Asylwerber. Im Vorjahr wurden in der Schweiz 360 Asylanträge von Tunesiern gestellt, das sind durchschnittlich 30 pro Monat.
Im Februar gab es bereits 48 Asylanträge von Tunesiern, im März 159. Die Antragszahlen aus den übrigen (nord)afrikanischen Staaten steigen ebenfalls stark.
Die Boat-People warten gar nicht erst ab, was bei der Visa-Geschichte rauskommt, und ziehen einfach so weiter Richtung Norden.

Poldi Fesch
00
12.4.2011, 18:12
die Ch ist

bitte was ?

Hellcat
00
12.4.2011, 18:35
Tunesische Asylwerber, 2010

Schweiz: 360
Italien: 140
Frankreich: 60
Österreich: 50
EU27: 540
(Quelle: Eurostat)

Italien nimmt Asylanträge von Tunesiern in dem meisten Fällen nicht an, d.h. es gibt gar kein Asylverfahren.

kurt haenel
 
00
18.4.2011, 13:11

also bis 20000 ist's aber noch weit....

Poldi Fesch
00
12.4.2011, 19:36
:) womit

bewiesen ist, wiviel diese Statistiken wert sind

Observateur
316
12.4.2011, 15:34
Alle postwendend retoursenden: dann spricht sich in Nordafrika herum, daß es in Europa für diese Leute nichts zu holen gibt.

prusiner
00
12.4.2011, 16:27
und in den Herkunftsländern

ein Zuwanderungsbüro eröffnen, in dem sich entsprechend qualifizierte Auswanderungswillige bewerben können.

prusiner
01
12.4.2011, 16:25
beim ersten Versuch

.. registrieren, ordentlich versorgen, eventuell sogar kleine Starthilfe und mit einem sicheren Schiff wieder zurück zum Ausgangspunkt

bei weiteren Versuchen: das Ganze ohne Starthilfe

Poldi Fesch
01
12.4.2011, 16:36
geniale Idee

die Starhilfe nuetzen u. Schlepperboote bauen.

prusiner
00
12.4.2011, 18:15
.. wenn sich durchspricht ..

dass das nichts nutzt, ist´s damit schnell vorbei.

Poldi Fesch
00
12.4.2011, 18:23
nutzt ja

was, die Starthilfe kann man kassieren. auszerdem ist das nicht so einfach, die haben auf Lampedusa ein paar tausend von den Typen aber nur rund 300 Polizisten. Umgekehrt btauchens fuer 30 Tusesier im flieger 60 Polizisten.
Hinzu kommt, die erste Charge wurde ausgeflogen, nach Mailand, von dort nach Tunis mit dem Erfolg, dasz der Rest revoltiert
http://www.rai.tv/dl/RaiTV/... 0cf7883406

prusiner
00
12.4.2011, 16:23
beim ersten Versuch:

Peter W1
 
202
12.4.2011, 14:49

Mal ganz nett gefragt: Können die Ewiggestrigen ihren Müll woanders ablassen? Und ist der Red bekannt, das Verhetzung einen Strafbestand darstellt? Und ihr diesem hier eine Bühne bietet.

quod licet Iovi2
00
17.4.2011, 21:22

Herrscht in Österreich Meinungsfreiheit oder Gesinnungsdiktatur?

Sebastian Jacobs
00
18.4.2011, 13:37

Nach geltendem Recht herrscht zumindest keine Meinungsfreiheit. Das ist Fakt und kann nicht widerlegt werden.

badblackguy.blogspot.com
 
01
12.4.2011, 16:29
mal ganz nett gefragt....

Können wir diesen Menschen eine Zukunft geben, ohne sie ihr Leben lang abhängig von Sozialleistungen zu machen?

Können wir diesen Menschen eine Arbeit geben und sie nicht zu Putzfetzen der europäischen Gesellschaft degradieren?

db73
00
12.4.2011, 14:52

Die ewiggestriegen Einwanderungsbefürworter sollten ihren Müll wirklich woanders abladen.

Peter W1
 
31
12.4.2011, 14:47

Klar, erst die Häuser der Menschen niederbomben und sie dann in ihrem Elend alleine lassen. Kolonialmächte am Werk.

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