Konsum am Bahnhof "Okay"

11. April 2011, 18:00
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Bäcker und Lebensmittelketten größte Konkurrenten

Wien - Jan Wiedey drängt es nicht gerade in die Öffentlichkeit. Seine Mini-Supermärkte verteilen keine Werbeflyer. Im Internet sucht man sie vergeblich, die Firmenzentrale in Wien-Döbling könnte unauffälliger nicht sein, ihr jüngstes Geschäft eröffnete still und leise im Getümmel der U-Bahn-Station am Wiener Schottentor. Für kleine Händler sei Werbung verschwendetes Geld, sagt er, Selbstbeweihräucherung und damit unnötig.

Wiedey war einst hochrangiger Konsum-Manager. Ende und Ausgleich des Handelsriesen liegen 16 Jahre zurück. Geblieben sind nur die Bahnhof-Shops unter der Marke Okay. Und ihr Chef Wiedey, der den Nachlass der Genossenschaft verwaltet. Ihre Pleite riskierte die Politik damals nicht - wären dann ja auch Haftungen für die hunderttausenden Mitglieder der Genossenschaft schlagend geworden.

Also lebt Konsum auf Sparflamme weiter: In Form von acht kleinen Convenience-Märkten für den schnellen Hunger. Auf Bahnhöfen in Wien, Krems und Wiener Neustadt wie auf ein paar Verkehrsknotenpunkten der Wiener Linien. Leichter werde das Geschäft nicht, seufzt Wiedey, aber unterm Strich gingen sich schwarze Zahlen. Zudem sei man schuldenfrei, und die 70 Mitarbeiter verdienten aufgrund von Zuschlägen um ein Drittel mehr als Kollegen in anderen Lebensmittelketten. Die Okay-Shops sind täglich bis zu 18 Stunden und sonntags geöffnet. Lieferant ist Großhändler Kiennast.

Rucksacktouristen kauften hier Wein und was zu Knabbern, Pendler Wurstsemmeln und Getränke, wer bis spät in die Nacht arbeite, auch fürs Wochenende - um meist weniger als fünf Euro im Schnitt.

Der Wettlauf ums schnelle Essen ist hart. Bäcker haben Standorte an den Wiener Öffi-Stationen dicht besetzt. Rewe steigt mit der "Billa-Box" in den Ring, vier Mini-Läden gibt es, bis zu 150 könnten es werden, ließ der Konzern 2010 wissen. Rivale Spar sieht Potenzial für 70 neue Convenience-Shops für "mobile urbane Kunden".

Um ein Jahr habe sich der Start am Jonas-Reindl nicht zuletzt aufgrund hoher Auflagen verzögert, sagt Wiedey. Die Kundenfrequenz sei hoch, ob sich die Filiale rentiere, wage er aufgrund hoher Kosten noch nicht zu sagen. Warten heißt es am Südbahnhof: Ob Okay nach dem Umbau dabei bleibt, ist offen. Das gleiche Bild am Westbahnhof: Der provisorische Standort ist bis September begrenzt und wie es danach weiter geht fraglich.

Pläne von großer Expansion mit der ÖBB hat Wiedey ad acta gelegt. "Die meisten Bahnhöfe in Österreich geben das einfach nicht her." (
Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.4.2011)

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