Riskante Informationstaktik

11. April 2011, 18:38
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Zögerliche und widersprüchliche Informationen nähren Zweifel

Endlich ein konkreter Schritt: Die Evakuierungszone rund um das havarierte AKW Fukushima in Japan wird ausgeweitet, wenigstens fünf weitere Ortschaften werden geräumt. Die Regierung hatte den Bewohnern außerhalb der Sperrzone im 20-Kilometer-Radius ums Kraftwerk bisher nahegelegt, ihre Häuser freiwillig zu verlassen oder sich darin einzuschließen. Viele Menschen wagten weder das eine noch das andere. Die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, wog schwerer - und war wohl auch konkreter.

Denn die Informationen, die in diesem einen Monat seit dem Beben, der darauffolgenden Flutwelle und dem Atomunfall im Kernkraftwerk Fukushima die Öffentlichkeit erreichten, dürften bei vielen Betroffenen mehr diffuse Unruhe als greifbare Angst hinterlassen haben, stellen doch die Angaben über Strahlenwerte, die der Kraftwerksbetreiber Tepco oder Behörden seither veröffentlichten, ob ständig wechselnder Messwerte selbst Atomenergieexperten immer wieder vor Rätsel.

Zynisch gesagt: Panikmache kann man den Verantwortlichen nicht vorwerfen. Diese Art von Informationspolitik lädt aber dazu ein, sämtliche Angaben zur Lage anzuzweifeln. Sie gibt Grund zur Annahme, dass bei der Krisenkommunikation auch taktische Überlegungen mitspielen. Diese sind aber absolut fehl am Platz, wenn von Informationen die Gesundheit tausender Menschen abhängt. (Gudrun Springer, DER STANDARD-Printausgabe, 12.4.2011)

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