Auferstehung mit Nothelfern

11. April 2011, 17:54
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Politiker mögen im allgemeinen eher unbeliebt sein, erkranken sie aber öffentlichkeitswirksam, also eine Lücke im Betrieb offenbarend, können sie mit einem Quantum medialen Mitgefühls rechnen, von dem sich allerdings nicht erweisen lässt, ob es den Genesungsprozess zu fördern geeignet ist. Im aktuellen Fall gewinnt die Anteilnahme allmählich religiöse Züge, etwa wenn in "News" von der Auferstehung die Rede ist, um die der kranke ÖVP-Chef bis Ostern kämpft. Die ängstliche Verwirrung seiner Jünger untermalt diese Reminiszenz gar nicht schlecht, auch wenn der Ratschlag aus diesem Kreis - Die Akkus voll aufladen und neu durchstarten - von Josef Pröll lieber nicht im Stil des Originals nachvollzogen werden sollte.

Dafür wird auch schon gesorgt, denn bei der Auferstehung, um die der Vizekanzler kämpft, soll es sich um die geplante Auferstehung handeln. VP-General Fritz Kaltenegger bastelt derzeit emsig am "Auferstehungs-Szenario" für Josef Pröll, was jeden besorgten Anhänger einer christlichen Partei aus leidvoller Erfahrung an den Unterschied zum Bastler an der Uraufführung des "Auferstehungs-Szenarios" erinnern muss. Wo es um Auferstehung geht, ist Emsigkeit nicht alles.

Von einer dezenteren, aber kaum weniger spirituellen Seite näherte sich "Die Presse" am Sonntag dem Problem der Wiedereingliederung Josef Prölls in den harten Politikeralltag. Einst abendländische Vorkämpferin eines entschlossenen Christentums, ergibt sie sich seit längerem einem kleinbürgerlichen Paganismus, der gelegentlich sogar verhaltene Kritik an der allerheiligsten Mutter Kirche zulässt, eine Haltung, die vermutlich von einem Kardinal inspiriert ist, der die in "Krone" und "Heute" kultivierten fleischlichen Sünden mit seinen allwöchentlichen Perikopen in diesen Blättern sanktioniert. Aber wo andere Auferstehung vorfeiern, will "Die Presse" nicht zurückstehen, daher erteilte der Redaktionsleiter in Form eines Blattaufmachers 14 Lektionen für Josef Pröll.

Nun mag man es nicht nur als anmaßend, sondern als geradezu unbarmherzig empfinden, an das Bett eines Kranken, der um seine Auferstehung kämpft, mit Lektionen zu treten, die sich im Text in ebenso viele Erfahrungen wandeln, mit denen der Adressat nur etwas anfangen kann, wenn er deren christlichen Hintergrund versteht. Warum es 14 Lektionen sein mussten, wenn Josef Prölls Probleme leicht auch in ein dreiteiliges Zahlenschema - ÖVP, SPÖ, Onkel - gepasst hätten, erschließt sich nur, wenn man hinter den 14 Lektionen die christliche Absicht, nämlich die 14 Nothelfer erkennt. Anders lässt sich die Zahl nicht erklären.

Schon die Erfahrung eins, vom Redaktionsleiter der "Presse" Josef Pröll gespendet, erweist sich als selbstreferentiell: Traue keiner medialen Berichterstattung. Vor ein, eineinhalb Jahren war Pröll noch der starke finanzpolitische Steuermann in der Wirtschaftskrise, der heimliche Kanzler. Heute ist das alles vergessen. In solchen Fällen empfiehlt sich - neben Lektüre der "Presse" - die Anrufung des Hl. Ägidius, der gern in seelischer Not und Verlassenheit hilft - und es kann wieder besser werden.

Erfahrung zwei wäre eine schöne Aufgabe für den Hl. Cyriakus, zuständig gegen böse Geister: Ein Politiker kann in einer Partei wie der ÖVP noch so umrühren, Tabus umstoßen und neue Thesen diskutieren. Kurz danach stehen Fritz Neugebauer und Werner Amon vor der Tür und sammeln die Lehrergewerkschaft und blasen zum traditionellen Lemmingsumzug des ÖAAB.

Egal wie gut oder bemüht man seinen Job in einer Partei erledigt, irgendein Parteifreund ist immer neidig und eitel genug, sich für den besseren Kandidaten zu halten und mehr oder weniger dezent am Stuhl zu sägen. Bei solchen traurigen Familienschicksalen wartet der Hl. Eustachius nur darauf, angerufen zu werden. Im Falle der Erfahrung sechs - Ernst Strasser war und ist kein Guter - wäre der Hl. Vitus gern eingesprungen, hätte man ihn nur rechtzeitig angerufen. Er hilft bei Blind-, Stumm- und Taubheit, auch wenn nicht onkelindiziert.

Alle 14 Erfahrungen abzuhandeln, fehlt hier der Platz und es wäre auch egal, heißt es doch am Schluss: Einem Vollblutpolitiker wie Josef Pröll ist das zwar bewusst, aber leider nicht so wichtig. Er kann vermutlich nicht anders. Jetzt, wo er wenigstens weiß, wen er nur anrufen muss, wird ihm vielleicht doch die Erfahrung zwölf wichtig: Heinz-Christian Strache macht seit Monaten intensiv nichts und legt in allen Umfragen zu. Hier hilft offenbar St. Pantaleon - gegen Auszehrung. (Günter Traxler/DER STANDARD, Printausgabe, 12.4.2011)

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