Schlammschlacht um ein Hotelprojekt

11. April 2011, 17:41
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Verhandlungspoker über die Zukunft des geplanten Shangri-La-Hotels am Schubertring. Es wird geklagt und verhandelt

Verhandlungspoker über die Zukunft des geplanten Shangri-La-Hotels am Schubertring. Es wird geklagt und verhandelt. Die Flick-Privatstiftung kann sich bis Ende September entscheiden, ob sie die Immobilie kauft.

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Wien - Der Bauträger BAI wird in den nächsten Tagen die erwartete Schadenersatzklage gegen den abgesprungenen Hotelbetreiber Shangri La einbringen. Es soll um die stolze Summe von rund 95 Mio. Euro gehen. Umgekehrt will Shangri La die bisherigen Aufwendungen zurückerstattet haben (angeblich acht Mio. Euro) und auf Kreditrufschädigung klagen.

Dass die beiden jemals wieder zusammenkommen scheint derzeit unwahrscheinlich. Vertreter des Hotelbetreibers wünschten sich zuletzt einen Mediator, der zwischen BAI, der Flick Privatstiftung und Shangri La vermitteln. Seitens der BAIwird das aber abgelehnt.

In einer ziemlich komfortablen Situation ist in dieser Causa die Flick'sche Privatstiftung (Stifter waren neben dem inzwischen verstorbenen Industriellen Friedrich Karl Flick, dessen Frau Ingrid und deren beiden Kinder). Bis 30. September hat die Stiftung ein Vorkaufsrecht für die Immobilie. Laut Vertrag muss die Stiftung dann den Kaufpreis (110 bis 115 Mio. Euro) auf den Tisch legen, wenn die BAIihrerseits bis zum Stichtag das Closing mit Shangri La vorweisen kann. Shangri La hatte sich ursprünglich verpflichtet eine jährliche Pacht von fünf Mio. Euro zu zahlen.

Der Sprecher der Stiftung, Jörg Alexander Lohr, sagte zum Standard, der Vertrag sehe vor, dass es einen bestimmten Pachtvertrag mit Shangri La gibt. Gelingt dieser nicht, könne die Stiftung den Vertrag auflösen oder einen Vertrag mit einem anderen Betreiber akzeptieren. Alles sei abhängig wie die BAIjetzt reagiere und zu welchen Bedingungen ein neuer Hotel-Betreiber gefunden werde.

Sollte der neue Betreiber weniger Pacht bezahlen, wird erwartet, dass die Flick-Privatstiftung auch den vereinbarten Kaufpreis wird neu verhandeln wollen.

"Der Neue" soll jedenfalls in den nächsten 1,5 bis zwei Monaten feststehen. Und was die Position der Stiftung angehe, so könne diese nicht verhandeln, wird betont. Die Stiftung könne die Immobilie nur "nehmen oder es lassen" . Man habe Betreiber und Investoren an der Hand, die auch mehr zahlen würden als die Stiftung. Schließlich sei die Ausgangsposition für die BAI derzeit nicht die schlechteste. Die Immobilie sei lastenfrei und es gebe genügend Geld zur Veranlagung am Markt.

Shangri La steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dass das Hotel nicht zeitgemäß fertig geworden ist. Der ursprünglich Termin wäre bereits Ende 2010 gewesen. Pönalzahlungen wurden zwar vereinbart, diese seien aber mit einer Mio. Euro gedeckelt gewesen "und damit hätte man lediglich 1,5 Monate durchhalten können" , wird argumentiert. Shangri La hat am 22. Februar 60 Mitarbeiter beim AMSzur Kündigung angemeldet und bei 103 Mitarbeitern den Vertrag aufgelöst. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.4.2011)

  • Tiefe Risse in der Beziehung zwischen dem Investor (BAI) und dem 
Hotelbetreiber (geplant war Shangri La).
    foto: standard/heribert corn

    Tiefe Risse in der Beziehung zwischen dem Investor (BAI) und dem Hotelbetreiber (geplant war Shangri La).

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