Bombenexplosion in Minsk

Mehrere Festnahmen nach Anschlag

12. April 2011, 14:51

Zwölf Tote und 149 Verletzte - Lukaschenko: Anschlag womöglich aus dem Ausland organisiert

Minsk/Moskau - Nach der Bombenexplosion in einer U-Bahn-Station in Minsk mit mindestens zwölf Toten haben die weißrussischen Behörden mehrere Personen festgenommen. Sie stünden im Verdacht, an einem Terrorakt beteiligt gewesen zu sein, zitierten Nachrichtenagenturen am Dienstag den stellvertretenden Generalstaatsanwalt Andrej Schwed.

Die Festgenommenen würden derzeit verhört, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, Pjotr Kiselew, der Nachrichtenagentur AFP. Schwed kündigte an, es würden in Kürze Phantombilder von den Verdächtigen veröffentlicht, die noch auf der Flucht seien. Die weißrussischen Behörden hatten bereits kurz nach dem Anschlag erklärt, dass sie von einem "Terrorakt" ausgingen.

Destabilisierung als Ziel

Ziel des Anschlags in der zentralen Metrostation Oktjabrskaja sei gewesen, die Ex-Sowjetrepublik zu destabilisieren, sagte Schwed. Den Angehörigen der Toten versprach die Führung des verarmten Landes jeweils umgerechnet 6.900 Euro Schadenersatz. Der Mittwoch wurde zum Staatstrauertag erklärt.

Wer für den Anschlag verantwortlich war, blieb auch einen Tag danach noch unklar. Die Polizei verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen in der weißrussischen Hauptstadt spürbar. Sie richtete Polizeikontrollen auf den Straßen sowie an Bahnhöfen und Flughäfen ein.

Innenminister Anatoli Kuleschow zufolge wurde der Sprengsatz in der belebten Station am Montagnachmittag per Fernzünder zur Explosion gebracht. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden 204 Menschen ins Krankenhaus eingeliefert, 26 von ihnen hätten schwere Verletzungen erlitten. Das Gesundheitsministerium sprach am Dienstag von etwa 40 Personen, die sich in kritischem Zustand befänden.

KGB soll bei Suche "das Land auf den Kopf stellen"

Der Sprengsatz war am Montagabend mitten im Berufsverkehr in der U-Bahn-Station in unmittelbarer Nähe der Residenz von Präsident Alexander Lukaschenko explodiert. Dieser bezeichnete die Explosion ebenfalls als Versuch, das Land zu destabilisieren. Er forderte den Geheimdienst KGB auf, das Land auf der Suche nach den Tätern "auf den Kopf zu stellen". Lukaschenko ist seit 1994 an der Macht und regiert die ehemalige Sowjetrepublik mit harter Hand. Mehrmals hat er Demokratiebewegungen und Proteste der Opposition niederschlagen lassen. Beobachter erwarteten, dass er nun die Daumenschrauben noch fester anziehen könnte.

Der Präsident ordnete nach dem Anschlag an, alle Militärlager im Land auf fehlenden Sprengstoff zu überprüfen. Die Grenzkontrollen wurden verschärft. Russland schickte Experten seines Inlandsgeheimdienstes FSB, die bei den Ermittlungen helfen sollen, sowie Ärzte.

Gerüchte um Beteiligung der Führung

Unterdessen mehrten sich Stimmen, die eine Beteiligung der weißrussischen Führung an der Bluttat nicht ausschlossen. "Der Anschlag nützt denen, die einen Ausnahmezustand im Land und ein Abrücken Weißrusslands vom Westen wollen und zudem die Opposition verleumden", sagte der oppositionelle Ex-Präsidentschaftskandidat Alexander Milinkewitsch.

Es ist das erste tödliche Attentat in der jüngeren Geschichte des Landes, das anders als Russland bisher auch nicht von islamischen Extremisten heimgesucht wurde. Im Juli 2008 waren allerdings bei einem Bombenanschlag während eines Open-Air-Konzerts in der weißrussischen Hauptstadt dutzende Menschen verletzt worden. Unter den Besuchern befand sich damals auch Lukaschenko, der sich aber weit entfernt vom Anschlagsort aufhielt.

Lukaschenko war erst im Dezember wiedergewählt worden, die Wahlen waren jedoch umstritten. Nach dem Urnengang gab es Massenproteste gegen den Staatschef. Dabei wurden hunderte Menschen vorübergehend festgenommen. Mehr als 40 Menschen wurden angeklagt, unter ihnen fünf Oppositionskandidaten. Mehrere Angeklagte bekamen Haftstrafen von bis zu vier Jahren. (APA)

Kommentar posten
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yoshi7
00
12.4.2011, 18:05

oh mein gott, ein zitat aus wikipedia:
Vor der Präsidentschaftswahl am 19. März 2006 verschärfte Lukaschenka sein Vorgehen gegen Kritiker. Weißrussische und russische Politiker sowie Intellektuelle haben wiederholt die finanziellen Unterstützungen marktwirtschaftsorientierter Politiker seitens europäischer Organisationen kritisiert. Siehe hierzu Präsidentschaftswahlen in Weißrussland 2006. Lukaschenka gewann die Wahl mit 82,6 Prozent der Stimmen und trat seine dritte Amtszeit an. Angeblich hatte sein Ergebnis noch weit höher gelegen, er ließ es aber nach eigener Aussage nach unten schönen, weil ein Ergebnis über 90 Prozent „nicht geglaubt“ würde.[7]

think-nordic
00
12.4.2011, 22:51

was ist die intention? Das Wikipedia keine Quelle ist? shocking news!!!

Aufzuzeigen wie verabscheuenswürdig Lukashenko ist? Ja eh! Aber bitte mit anderen Quellen. Danke.

Earl of Pembroke
00
12.4.2011, 17:34
Round up the usual suspects...

Ernesto Chavez
00
12.4.2011, 16:58
Ex-Sowjetrepublik

20 Jahre danach berichtet man über Weissrussland noch immer als Ex-Sowjet-Republik.

think-nordic
00
12.4.2011, 17:28

Sie könnten an sich selbst ein Beispiel nehmen und Belarus Belarus nennen. Die Bezeichnung Weißrussland beruht auf einem Übersetzungfehler. " Rus’ " bezieht sich auf das alte Rus’ Empire und hat nichts mit dem Wort Russland zu tun, sondern bezeichnet eher einen Nationsbegriff!

Die bezeichnung als Weißrussland oder White Russia (ähnlich in vielen europäischen Sprachen, vor allem germanischen) ist für Belarusen eher irritierend.

Auch bei dem Eigenschaftswort wird das Binnen-S nicht verdoppelt: „belarusisch“

Standard Leser4
 
00
12.4.2011, 19:06

Richtig beobachtet, nur Belarus nennt sich auch offiziell in der deutschen Sprache Weissrussland, und Russische Foederation. Die Bezeichnung 'Ex Sowjetrepublik' oder 'Post Soviet' kommt aus Moskau, da alle Nachrichten ueber Belarus von den Moskauer Argenturen abegeschrieben werden, warum nur? Werden Nachrichten ueber Oesterr auch von deutshland Agenturen in Berlin abgeschrieben ? ist es nur natuerlich d diese Bezeichnung immer wieder Ex Sowjet, immer wieder auftaucht.

DER BUKARESTER
00
12.4.2011, 16:58
Wahrscheinlich war er's selbst.

Das hat er sich von den Amis abgeschaut. Jetzt kann er richtig HART VORGEHEN!

Der Mann mit dem Hut
01
12.4.2011, 16:10
Häää?

Noch alles in Ordnung?

"... des Landes, das anders als Russland bisher auch nicht von islamischen Extremisten heimgesucht wurde. "

Wieso sollten "islamische Extremisten" eine Bombe in Minsk zünden? Ach ja, hab vergessen, weil sie es können! :)

sainty1
32
12.4.2011, 15:26
war sicher der pöse pöse westen

oder?

diamant
42
12.4.2011, 15:18
Jedem Despoten seine Lakaien!

Es lebe das Standard-Forum......

Superserbe
14
12.4.2011, 15:05
das kommt davon wenn man die faschisten

der selbsternannten opposition mit demokratischen samthandschuhen anfasst ...

dann wird sowohl diese 5. kolonne als auch der urheber in washington übermütig.

mfg

rel77
01
12.4.2011, 16:12

richtig, damit hat ihr land ja schon traumatische erfahtungen machen müssen, mit den selbsternannten demokraten..

BMA
01
12.4.2011, 15:03
Bei all der berechtigten Kritik, was Demokratieverhältnisse betrifft

obwohl ich trotzdem sicher bin, dass die Weissrussen mehrheitlich hinter dem Lukaschenko stehen hat sich das Land durch 2 Dinge vom restlichen Ostblock unterschieden:
1) wirtschaftliche Stabilität bei einem relativ niedrigen durchschnittlichen Einkommen (immerhin 3 Plätze vor RU)
2) Sicherheit
Die Nr. 1 ist geschwächt, der Devisentausch wurde ausgesetzt.
Wie stabil und unabhängig die meisten Länder sind sieht man in Europa bei Griechenland oder Irland. Absolut ohne äußere Einflüsse. Finanzmärkte, Ratingagenturen zählen natürlich nicht dazu.

Die Nr.2 jetzt auch.

think-nordic
00
12.4.2011, 14:10
Oppositionelle Nachrichtenseite nicht mehr erreichbar

http://charter97.org/eng/news/

DerBenniBanni
00
12.4.2011, 15:06
egal9
00
12.4.2011, 14:22

Und?
Da die Adresse nicht in Weißrussland beheimatet ist (.org) und der Server sicher auch nicht dort steht ist und im Moment weitere Angaben fehlen, sehe ich da nicht die geringste Relevanz.
Es ist völlig normal. dass Server, Seiten oder auch ganze Rechenzentren zeitweise nicht erreichbar sind. In diesem Fall wäre sogar eine Überlastung möglich.

think-nordic
00
12.4.2011, 14:25

danke für die whois abfrage.

egal9
00
12.4.2011, 14:32

Dafür brauche ich keine whois-Abfrage.
.org wird nicht in Weißrussland verwaltet und Oppositionelle würde ihre Server wohl kaum dort stehen haben.

Aca Rankovic
32
12.4.2011, 14:09

Entweder er war's selbst oder es ist ein Geschenk der USA.

Weiße Weste
 
30
12.4.2011, 15:11

Wollen Sie damit sagen, die USA hätten ein Interesse daran, dass sich Lukaschenko hält?

Aca Rankovic
00
12.4.2011, 17:13

Eher umgekehrt.

Aca Rankovic
00
12.4.2011, 15:33

Die Antwort befindet sich im Satz...

think-nordic
20
12.4.2011, 13:44
ungewöhnliche schnelle Reaktionszeit.

Innerhalb von 2 bis 5 Minuten waren nicht nur Polizei vor Ort (was noch verständlich wäre, da die in Minsk in sehr großer Zahl ständig patrolieren), sondern auch mehere Offizielle der Stadtverwaltung und der Sicherheitseinrichtungen, welche ihre Büros nicht in der Nähe haben.

think-nordic
01
12.4.2011, 14:03
eher normale Sicherheitsmaßnahme:

Authorities also moved swiftly to install metal detectors at some Minsk metro stations.

andi083
10
12.4.2011, 13:25
Behörden gehen von Terroranschlag aus...

Von was sollen sie sonst ausgehen?

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