Eva und Andi und das neue Menschengeschlecht

11. April 2011, 17:29
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Super: Ein Endzeitstück von Reinhardt-Seminaristen

Wien - Es gibt genug Gründe, die Menschheit noch einmal neu durchstarten zu lassen. Auch Gott ist mit seiner Schöpfung nicht restlos zufrieden und hilft deshalb bei der von Oskar herbeigeführten Apokalypse ein wenig nach. Die Spuren der Verwüstung sind am Beginn des neuen Zeitalters an wenigen Dingen noch erkennbar: Ein Baum hängt verkehrt über verbranntem Gras, entfernt schwebt ein Feuerball (Bühne: Hannan Ishay, Judith Auer).

In dem am Schauspielhaus uraufgeführten Stück Aus dem Nichts entsteht am Ende immer Etwas von Julian van Daal, Regiestudent am Max-Reinhardt-Seminar, haben den Weltuntergang nur drei Personen überlebt. An ihnen, zwei Männern (Stephan Bartunek, Florian Haslinger) und einer Frau, hängt nun der Fortbestand der Menschheit. Letztere hat an der ihr zugewiesenen Aufgabe keine rechte Freude.

Auch die vom selbsternannten Anführer Oskar herbeifantasierte neue, unschuldige Geschichtsschreibung scheint ihr nicht geheuer. Zu Recht: Sie beginnt alles andere als unschuldig, die Männer vergewaltigen Eva (kraftvoll und anmutig wie eine neue Constanze Becker: Marlena Keil). Der Sündenfall - eine bildnerische-inszenatorische Meisterleistung.

In seinem Anti-Utopie-Konzept und dem haarsträubenden Humor (wenn die Frau nicht will, dann halt ein Schaf) erinnert van Daals Paradies-Paraphrase an die Sci-Fi-Trash-Fantasien eines Vladimir Sorokin. Sie entfaltet sich erst allmählich durch pointierte Dialoge. Oskar ist eine von Bartunek mit Hosenträger und Seehundschnauzer famos ausagierte Hitler-Variante, der gerne herumballert. Da greift auch der liebe Gott (Joseph Reichelt) nicht ein. Wiewohl der bärtige, Disco-affine und moralisch mittelmäßige Mann dann doch Interesse für das Menschengeschlecht aufbringt ...

Aus dem Nichts ... ist ein luzider, in seiner Schlichtheit und Unaufgeregtheit bezwingender Theaterabend, der das Apokalypse-Motiv in schöne, "theatralische" Szenen packt. Eine Empfehlung nicht nur für Endzeitfanatiker. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD - Printausgabe, 12. April 2011)

Bis 13. 4.

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