Kein Türkisch für künftige Pädagogen

11. April 2011, 17:35
7 Postings

Mangel an qualifizierten Lehrenden für muttersprachlichen Unterricht

Feldkirch - Türkisch lernen Studierende der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg nicht, aber mit der Lehrveranstaltung "Begegnung mit türkischer Sprache, Kultur und Institutionen" wird ein erster Schritt zur interkulturellen Begegnung getan.

Das Seminar für Hauptschullehrer sei keineswegs dazu gedacht, die türkische Sprache zu erlernen, sagt Vizerektorin Ruth Allgäuer, es gehe eher um "Angstabbau", um eine "Wissensgrundlage". Mehr könne in zwei Semesterstunden auch nicht vermittelt werden. Im Rahmen der Volksschullehrerausbildung hingegen werden auch "einfache Worte" gelehrt, "aber das ist rudimentär" (Allgäuer). Hanim Göcen, seit 24 Jahren Lehrerin für muttersprachlichen Unterricht, gibt den Studierenden "einen kleinen Einblick" in ihre Muttersprache, "mehr ist nicht möglich, weil wir nur zwei Stunden pro Woche haben".

"Obwohl das Seminar freiwillig ist, kommen ausnahmslos alle", so Frau Göcen. Die Lehrerin würde sich mehr Stunden wünschen, "um auch die kulturellen Hintergründe zu vermitteln", denn um die türkischen Kinder zu verstehen, reiche die Sprache allein nicht aus.

Nur wenige könnten die türkische Sprache qualifiziert vermitteln, sagt Hanim Göcen. "Wir finden nur schwer geeignete Dozenten", bestätigt Ruth Allgäuer. Türkisch an der PH anzubieten sei wenig realistisch, "wenn, müssten wir mit einer anderen Hochschule oder Universität kooperieren."

Lehrende mit perfekten Türkischkenntnissen wären, so Göcen, aber gefragt. Denn für ganz Vorarlberg stünden nur elf Lehrende (in ganz Österreich 400) für den muttersprachlichen Unterricht zur Verfügung. Die meisten davon nähern sich, wie Frau Göcen, dem Pensionsalter. "Wir bräuchten diese Lehrer dringend, weil die Kinder ihre Muttersprache nur sehr schlecht beherrschen. Und wir wissen: Wer seine Muttersprache gut beherrscht, lernt eine andere Sprache leichter."

Die Verbesserung des muttersprachlichen Unterrichts steht zwar in der Regierungsvereinbarung, umgesetzt wurde die Absicht noch nicht. Es fehlt am Geld.(Jutta Berger, DER STANDARD; Printausgabe, 12.4.2011)

Share if you care.