Handschlagqualität

11. April 2011, 17:16
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Anwesende erlagen dem Irrtum, sie könnten mit Verhaltensauffälligkeit punkten

Es bleibt zu hoffen, dass jenes Schauspiel, das 370.000 Zuschauer in der Diskussionssendung "Im Zentrum" zu sehen bekamen, Ausdruck einer
politischen Inszenierung war, die sich nur deshalb so ereignete, weil Fernsehkameras dabei waren. Ohne Öffentlichkeit verlaufen politische
Entscheidungsprozesse ganz anders. Hoffen ist erlaubt, allein es besteht der Verdacht, dass Sonntagabend ein Blick hinter die Kulissen gewährt
wurde: Genauso werden Verhandlungen geführt, ob mit oder ohne Medienpräsenz.

Anwesende erlagen dem Irrtum, sie könnten mit Verhaltensauffälligkeit punkten und übten sich in Selbstdarstellung ohne Gespür fürs rechte Maß.

"Wir sind nicht im Zirkus", sagte der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Stimmt, was hier gezeigt wurde, war gelebtes Kasperltheater.

Der Vorsitzende des Rates für Kärntner Slowenen, Valentin Inzko, definierte den Ortstafelstreit eingangs als "Herzenssache". Das war das Stichwort: Sehr viel Herz, aber null Hirn sind im Ortstafelstreit im Spiel. So kam es zu einer Handschlag-Szene wie am Stammtisch, und es war wieder einmal stockfinster um den Diskussionsraum dieses Landes bestellt, da mochte sich Ingrid Thurnher noch so um Klarheit bemühen.

Staatssekretär Josef Ostermayer verweigerte den Handschlag. Inmitten so vieler heißer Herzen fühlte er sich sichtlich unwohl, aber es half nichts: Es war ihnen nicht beizukommen, den störrischen Handschlag-Verhandlern.

Die Vertreter der mono- und bilingualen Varianten endeten im abgrundtiefen Strudel, in dem sich einmal mehr zeigte, dass die Kärntner Diskussion um die Zweisprachigkeit rational nicht zu begreifen ist. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 12.4.2011)

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    "Im Zentrum" - "Der Ortstafelstreit - vom Drama zur Groteske?" - in der ORFTvthek

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