Wenig Inzucht-Einfluss bei den Lipizzanern

16. April 2011, 18:20
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Das Buch "Der Lipizzaner im Spiegel der Wissenschaft" vereint die Erkenntnisse eines EU-Forschungsprojekts

Wien - Auch wenn Wien mit der Spanischen Hofreitschule als inoffizielle Welthauptstadt der Lipizzaner gilt, werden die Pferde heute in 21 Ländern gezüchtet. Die Pferde aller Gestüte sind genetisch ziemlich gleich ausgestattet und gehen zum größten Teil auf die Gründerpopulation aus Lipica zurück, jenem namensgebenden Gestüt, das vom österreichischen Erzherzog Karl II. 1580 gegründet wurde, wie aus dem nun präsentierten Buch "Die Lipizzaner im Spiegel der Wissenschaft" hervorgeht.

In einem großen EU-Projekt haben 30 Experten aus zwölf Ländern unter der Leitung von Gottfried Brem vom Institut für Tierzucht und Genetik der Veterinärmedizinischen Universität Wien u.a. Herkunft und Geschichte, Gestüte, genetische Diversität, Variabilität der Fellfarben, Verwandtschaftsgrade und Typen der Lipizzaner untersucht. Die Ergebnisse wurden nun in dem von Brem herausgegebenen Buch "Der Lipizzaner im Spiegel der Wissenschaft" veröffentlicht.

Geschichte

Während die Domestikation des Pferdes durch den Menschen bereits vor rund 5.500 Jahren begann, ist die gemeinsame Geschichte Wiens und der Lipizzaner immerhin 450 Jahre alt. Als Gründertiere der Lipizzaner, die als älteste Kulturpferderasse der Welt gilt, gelten Pferde neapolitanischen, spanischen und arabischen Ursprungs. Der rekonstruierte Stammbaum geht bis zu 32 Generationen zurück. Die Aufzeichnungen aus den Anfängen des Gestüts in Lipica sind allerdings lückenhaft. Es ist zumindest bekannt, dass die Hengste damals hauptsächlich aus spanischen und italienischen Zuchten stammten.

1735 wurde die Hofreitschule in Wien eröffnet. "Am Hof herrschte ein großer Bedarf an Gebrauchspferden, die größtenteils Lipizzaner waren. Diese wurden bevorzugt, da sie dem harten Stadtpflaster besser standhielten", berichten die Wissenschafter.

Genetische Vergleiche

Bei den genetischen Vergleichen fanden die Forscher nicht nur eine große Übereinstimmung zwischen den Gestüten, sondern auch einen "recht geringen Einfluss der Inzucht auf die Körperentwicklung" und konkrete Hinweise auf eine Genregion, die einen Einfluss auf allergische Reaktionen gegenüber Schimmelpilzen im Heu hat.

Die Weißfärbung - eigentlich: Ergrauung - der Tiere ist genetisch bedingt. Die Neigung zu Melanomen (schwarzer Hautkrebs, Anm.), die bei den Lipizzanern im Vergleich mit dem Menschen relativ gutartig verlaufen, steht im Zusammenhang mit der Pigmentierung bzw. dem Verlust der Pigmentierung im Laufe des Heranwachsens. (APA)


Publikation

"Der Lipizzaner im Spiegel der Wissenschaften".
Gottfried Brem (Hg.).
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2011.
338 Seiten, 69 Euro.
ISBN 978-3-7001-6917-8.

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