Arbeitsmarktöffnung

Mehr Pendler als Migranten

Maria Sterkl, 11. April 2011, 15:43
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    Werden TschechInnen in Wiener Schanigärten tschechisches Bier servieren? Möglich. Ihre ArbeitskollegInnen aus Deutschland bleiben trotzdem in der Überzahl.

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Am 1. Mai können Slowaken, Ungarn und Co. ungehemmt hier arbeiten - das Interesse ist begrenzt

51,6 Millionen Menschen aus Osteuropa können ab 1. Mai in Österreich auf Jobsuche gehen. Soweit die Theorie. In der Praxis wird sich die Zahl jener, die vom freien Arbeitsmarktzugang Gebrauch machen wollen, in ziemlich engen Grenzen halten. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), die am Montag im Beisein von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) präsentiert wurde.

Insgesamt sollen in den ersten beiden Jahren nach der Öffnung des Arbeitsmarkts für die 2004er-Beitrittsstaaten der EU rund 15.000 zusätzliche ArbeitnehmerInnen aus Tschechien, Ungarn und der Slowakei nach Österreich kommen, danach flache die Kurve ab, prognostiziert das Wifo, das in den letzten Jahren regelmäßig erhoben hat, wie groß die Wanderbereitschaft in diesen Ländern ist. Die Zahl trügt jedoch: Mehr als die Hälfte werde nicht nach Österreich übersiedeln, sondern zum Arbeitsplatz pendeln, sagt Wifo-Experte Klaus Nowotny.

Nur für ein paar Jahre

Von den übrigen hat ein Zehntel der Befragten vor, maximal ein bis zwei Jahre im Land zu bleiben, weitere 40 Prozent haben eine höchstens drei- bis fünfjährige Tätigkeit in Österreich im Visier. Wie viele Menschen aus den EU-10 tatsächlich in Österreich zu arbeiten beginnen, richte sich letztlich nach dem Jobangebot: Laut Wifo ist nicht damit zu rechnen, dass ein großer Anteil der Neuankömmlinge heimische Arbeitskräfte von ihren Jobs verdrängt. Dazu kommt, dass jedes Jahr ein beträchtlicher Teil osteuropäischer Zugewanderter wieder aus Österreich auswandern: Während im Jahr 2009 5778 Ungarn nach Österreich migrierten, wanderten im selben Jahr 3869 Ungarn wieder aus Österreich aus. Im Rahmen von Sonderabkommen war es Ungarn und Ungarinnen nämlich schon jetzt möglich, in der Grenzregion Jobs anzunehmen.

Im Februar zählte die österreichische Beschäftigungsstatistik insgesamt knapp 73.000 MigrantInnen aus den zehn 2004er-Beitrittsstaaten. Zum Vergleich: 86.000 Deutsche verdingten sich am österreichischen Arbeitsmarkt.

Bau, Tourismus, Landwirtschaft

Der verbreiteten Annahme, es handle sich vorwiegend um schlecht qualifizierte ArbeitnehmerInnen, widerspricht das Wifo: Rund drei Viertel der Pendel-Interessierten verfügten über Matura oder Lehrabschluss. Das übrige Viertel bestehe zu gleichen Teilen aus Menschen mit Uni-Abschluss und Pflichtschulbildung. Da für die Wanderwilligen jedoch primär temporäre Beschäftigungen in Frage kommen, dürfte sich die Jobnachfrage hauptsächlich auf die Baubranche, das Gastgewerbe, die Landwirtschaft und das verarbeitende Gewerbe richten. Schlechte Nachrichten bedeutet das für die Kleinbetriebe: Die lang ersehnten Fachkräfte dürfte ihnen auch die Ostöffnung nicht bringen.

Nicht viel mehr Fachkräfte

Ob sich Österreich, dessen gewerbliche Wirtschaft ja schon seit Jahren über den Fachkräftemangel stöhnt, durch die verspätete Öffnung des Arbeitsmarktes Chancen verbaut hat? "Mag sein", sagt Hundstorfer. "Aber in Österreich fürchtet man sich traditionell zuerst, bevor man etwas tut", meint der Minister. Er könne jedenfalls von sich behaupten, etwas getan zu haben - Stichwort Anti-Sozialdumping-Gesetz und die neue Ausbildungsoffensive.

Die Wifo-Studie legt nahe, dass sich besser qualifizierte MigrantInnen anderswo niederlassen: Die größten Migrationswellen gingen nach 2004 in Richtung Großbritannien. Diese ersten Wanderungen legten den Grundstein für weitere Arbeitsmigration: Wer im Ausland Job sucht, geht laut Wifo nicht ins nächst gelegene Land, sondern dorthin, wo schon Bekannte oder Verwandte angesiedelt sind.

"Sehr guter Zeitpunkt"

"Noch besser wäre gewesen, man hätte eine hohe Mauer für die Niedrigqualifizierten gelassen, aber ein großes Loch für die Hochqualifizierten geöffnet", meint Wifo-Chef Karl Aiginger rückblickend. Er hält den Zeitpunkt der Ostöffnung mit 1. Mai 2011 dennoch für "sehr gut": Die Krise sei überwunden, die Beschäftigung in Österreich zuletzt um 50.000 gestiegen - "da bringen wir 15.000 Menschen locker unter". (Maria Sterkl, derStandard.at, 11.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 271
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Nachtsonne
00
23.4.2011, 15:00
Es ist soweit

Nächste Wochenende müssen die Steuerberater Sonderschichten einlegen die neue Arbeitnehmer anzumelden.

Die Vorstellungsgespräche sind geläufen die Konditionen sind ausgehandelt und die bisherige Belegschaften bekommen bald ihre Beförderung zu AMS.

Sonata
06
12.4.2011, 12:33
Die Betriebsinhaber wollen nicht zahlen und versuchen daher mit allen Mitteln an Billigstarbeitskräfte aus dem Ausland zu kommen...

Die Politik kommt ihnen hier bestens zu Hilfe - gegen die Interessen der einheimischen Bevölkerung.

Markus Wagner
00
12.4.2011, 19:42

Alternative wäre nur der EU-Austritt und der würde auch keinem helfen. Abgesehen davon, dass die Kollektivverträge natürlich auch für Ausländer gelten.

Voll trollig
30
12.4.2011, 12:28

Ich finde das gut. Die ÖsterreichierInnen werden sich einfach mehr anstrengen müssen und treten in direkten Wettbewerb mit hochmotivierten und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Im vereinten Europa zählt nun mal Leistung. Viele junge Leute aus unseren Nachbarstaaten werden einen frischen Schwung für die Wirtschaft bringen. Nicht vergessen sollte man auch das völkerverbindende Element. Wer seinen Nachbarn als Arbeitskollegen hat, wird nicht mehr auf die Idee kommen, diesen kriegerisch zu überfallen. Die EU ist ein Friedenskonzept und hat schafft Wohlstand für alle Bürger in Europa.

Voll trollig
10
12.4.2011, 13:01

kleiner tipp: achte auf den nick. ich bin ein troll und täusche toll. ;-)

Umsatzsteigerung
02
12.4.2011, 12:54
Und die hochmotiverten und gut ausgebildeten Fachkräfte

fehlen dann in ihrem Heimatland. Apropos, gut ausgebildet: Tschechien, Polen und Ungarn bilden aus und der österreichische Arbeitgeber profitiert. Wirklich gut ausgedacht. Zukunftsfähig gedacht ist das nicht gerade.

Der elegante Herr von nebenan
 
03
12.4.2011, 12:30

Tatsächlich aber schafft es:

1) Wachstum ohne Job
2) Realeinkommensverluste

Observateur
06
12.4.2011, 11:59
Und genau das ist es, was die FPÖ immer gesagt hat:

Leute, die grenznahe wohnen, daher auch die dort günstigen Lebenshaltungskosten nutzen können, werden als Pendler sehr wohl um ca. € 800,- im Monat arbeiten, weil es für sie eben finanzielle sehr wohl atraktiv ist.
Und das wird den Druck auf die Jobs, die bis zu € 1.200,-- bingen drastisch erhöhen.
Der Allgemeinheit bleiben dann halt die Kosten für die inländischen Arbeitslosen; und der Beschäftigungseffekt wird im Anstieg der Zahl der ams-Berater liegen.

Wörtherseefähre Potemkin
01
12.4.2011, 12:47
Wenn Sie sich die Preise in den angrenzenden...

... Ländern anschauen, kommen sie drauf, dass die Lebenshaltungskosten im Norden Ungarns, im Westen der Slovakei und im Süden der Tschechischen Republik ähnlich, bzw. fallweise höher als in Österreich sind. Mit 800 Euro kommt man in Sopron, Bratislava oder Brünn nicht mehr weit.

sljudanka
00
12.4.2011, 12:37
Ja abaer wenn es diese Arbeitskräfte in Österreich gar nicht gibt

die auch um 1200 oder viell. 1500 Euro qualifzierte Tätigkeiten verrichten könnten, dann ist es trotzdem ein Gewinn.

Koknkurrenz ist ja nur da vorhanden, wo Konkurrenten sind.
Wenn Betriebe aber gewünschte Qualifikationen garnicht bekommen, warum sollte dann ein Einheimischer geschädigt werden?
Es erzeugt ja Produktivität und Wohlstand, wenn Betriebe fertigen und produzieren können, was sie jetzt vielleicht nciht können, wenn die Werktätigen dafür fehlen.

Ich glaube nicht dass 800E, oder 1200E eine Glaubensfrage ist, weil der Mehrwert für eine qualifzierte Arbeitskraft für eine Firma oder auch für die Wirtschaft viel weiter hinausgeht...

Eine liebe Dame
17
12.4.2011, 11:25
Die Zahl trügt jedoch: Mehr als die Hälfte werde nicht nach Österreich übersiedeln, sondern zum Arbeitsplatz pendeln, sagt Wifo-Experte Klaus Nowotny.

das heißt im klartext: sie zahlen keine steuern hier, tragen das geld ins umland und österreichische minderqualifizierte arbeiter müssen um ihren job bangen!

und nicht nur die, denn auch gut qualifizierte "pendler" gibts bald zum aktionspreis!

Graf Bobby
02
12.4.2011, 12:09
Selbstverständlich zahlen die Lohnsteuer...

Voll trollig
01
12.4.2011, 12:30

wenn sie im ausland angemeldet sind und hier ihre arbeit im auftrag einer firma grenzüberschreitend arbeiten, (z. B. am Bau) zahlen sie im Heimatland steuern.

Dirty Sanchez
 
02
12.4.2011, 12:29
Nicht unbedingt in Österreich.

Die Ich-AG macht es, in Einklang mit den Freizügigkeitsbestimmungen des EWR, möglich.
War bislang eh auch schon so. Ist nur interessant, daß bis dato noch niemand darüber Berechnungen angestellt hat.

Seth Gecko
00
12.4.2011, 12:22
nur wenn sie genug verdienen

Nobs
 
11
12.4.2011, 12:01

Na sicher zahlen sie Lohn steuer hier wenn sie in Österreich (legal) arbeiten.
Das einzige was sie nicht zahlen sind die ganzen Verbrauchsabgaben (MWst., Betriebskosten wie Müllabfuhr usw, KfZ Steuern...)

Der elegante Herr von nebenan
 
01
12.4.2011, 12:32

Dann schauen Sie sich an wie hoch die Lohnsteuer bei den unteren Einkommen ist.

NoComment
00
12.4.2011, 12:51

dann zahlen's aber auch keine steuer wenn sie hier leben würden. also: wurscht. und die sozialvers.abgaben sind so oder so zu zahlen.

Nobs
 
00
12.4.2011, 12:36

Jetzt sind die Leute daran schuld das sie Wenigverdienen!?!?!?!

Nichtsdestotrotz zahlen sie voll die SV beiträge wenn sie LEGAL beschäftigt sind!

RS69
 
00
12.4.2011, 12:47

Naja - zwischen "voll die Beiträge zahlen" und die Höchstbeiträge zahlen liegen einige Tausend Euro Abgaben mehr im Jahr.

Eine liebe Dame
01
12.4.2011, 12:45
lohnsteuer - JA!

wenn sie aber nicht so wahnsinnig viel verdienen

(weil das, was sie hier verdienen - auch wenn es für uns wenig ist - immer noch viel mehr ist als im heimatland)

dann macht auch die lohnsteuer nicht so viel aus.

den rest (alltäglicher konsum, miete, strom, etc.) geben sie in ihren heimatländern aus.

das hilft österreich nicht viel. und wenigverdiener (somit qualifikationslose) müssen sich anschnallen!

aus-bildung tut not!

sljudanka
10
12.4.2011, 11:54
Njaa, so negativ würd ich das nicht sehen

wir brauchen qualifzierte Arbeitskräfte, und die Arbeitskräfte aus OstEUropa sind sicher qualifiziert und können in kurzer Zeit produktive Arbeit verrichten.

Der mehrwert für die österreichische Wirtschaft ist sicher vorhanden.
Österreich erspart sich die teure Ausbildung, kann im Schnelldurchgang auf fertige Leute zugreifen, die Leute sind ja hier produktiv tätig, verrichten Arbeit, und dieser Mehrwert kommt auch Österreich zugute.

Ferner zahlen die Firmen auch Steuern, und dadurch werden wieder Folgeaufträge zustande kommen, die die Wirtschaft beleben.

Allerdings dürfte der Aderlass den "Geberländern" OstEuropas zu schaffen machen, weil die Steuerzahler und Produktiven dann dort fehlen, was die Verschuldung noch antreiben wird....

Franta Pudlik
00
12.4.2011, 11:49
richtig verstanden

Anhand des Szenarios, wie Sie es beschreiben, werden wir sehen wie fähig die Politiker und die Ökonomen sind. Den dieses Problem ist nicht neu sondern wurde in den letzten 20 Jahren öfters realisiert und auch bekämpft. Die sinkenden Löhne, sinkende Arbeitsplatzqualität und steigende Spannungen zwischen benachbarten Nationen waren immer die Begleiter. Wie wird es wohl diesesmal? :-)

fredi 1990
08
12.4.2011, 10:54
es gibt genug facharbeiter!

nur was die wirtschaft bezahlt, dass ist eine frechheit!

man braucht ja nur ins ams schauen!

jo eh
07
12.4.2011, 11:21

die "händeringend gesuchten facharbeiter" sind doch nur ein synonym für billigsthakler. in den letzten jahren "freigesetzte" facharbeiter gäbs genug.
aber wenn er einen lohn unter dem existenzminimum nicht akzeptieren kann, gilt er vermutlich schnell mal als "arbeitsunwillig". miete, lebenshaltungskosten, familie - soll er schauen, wo er bleibt.
wenn ich mir so die tendenzen am arbeits- und wohnungsmarkt anschaue -
vielleicht muss die caritas bald container und zeltstädte am stadtrand aufstellen, weil sich von den löhnen immer weniger menschen die hohen mieten leisten können.
leider hat sich das thema prekarisierung in der SPÖ immer noch nicht ausreichend herumgesprochen.
einschränkung der ausufernden leiharbeit wär schon mal ein anfang

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